NFL Blog
«Wild Card Games»: Vier Dramen zum Start der NFL-Playoffs

NFL-Fans kamen am ersten Wochenende der Playoffs gleich auf ihre Kosten. Acht Teams kämpften um den Einzug in die «Divisional Round» und sorgten dabei für vier enge Partien, die bis zum Schluss spannend blieben. Bei zwei Spielen kam es sogar zur grossen Überraschung.

Nik Dömer
Drucken
Zum ersten Mal seit 2009 scheitern die Patriots in der «Wild Card Round».

Zum ersten Mal seit 2009 scheitern die Patriots in der «Wild Card Round».

keystone

Bessere Werbung für den American-Football-Sport hätte sich die NFL an diesem ersten Wochenende der Playoffs nicht wünschen können. Die «Wild Card Round» sorgte sogleich für vier packende Spiele, die bis zum Schluss ihre Spannung behielten. Dabei schrieb jede Partie ihre eigene dramatische Geschichte.

Drama Nummer 1: Aufstieg und Fall von Josh Allen

Josh Allen von den Buffalo Bills war am Samstag nicht zu beneiden: Der 23-jährige Quarterback stand bei der Overtime-Niederlage (19:22) gegen die Houston Texans im Mittelpunkt. Einmal mehr wurde er seinem Ruf gerecht: Bereits in der regulären Saison gelangen dem Spielmacher auf der einen Seite geniale Spielzüge und auf der anderen Seite unterliefen ihm haarsträubende Fehler. So auch bei seiner ersten Playoff-Partie gegen die Texans.

In der ersten Halbzeit reihte sich der Quarterback in den NFL-Geschichtsbücher ein. Gleich beim ersten Drive verbuchten die Bills mittels Trick-Spielzug einen spektakulären Touchdown: Josh Allen platzierte sich in der Endzone und fing einen 28-Yard-Pass von Wide Receiver John Brown. Allen ist damit erst der dritte Quarterback in der Liga-Geschichte, der einen Touchdown in den Playoffs selber fängt.

Der Bills-Spielmacher lieferte auch anschliessend eine starke Partie ab und führte sein Team in der ersten Halbzeit zu zwei Field Goals. Zu Beginn der zweiten Hälfte sah es ebenfalls so aus, als ob Allen mit den Bills einen überraschenden Sieg einfahren würde.

Die Gäste aus Buffalo steckten bereits wieder tief in der gegnerischen Hälfte, ehe Allen vom Defensiv-End-Spieler J.J. Watt mit einem harten Hit (Quarterback-Sack) erwischt wurde. Und plötzlich kippte damit das Momentum.

Es reichte den Bills zwar erneut für ein Field Goal zur 16:0-Führung, doch danach begann bei Allen das grosse Nervenflattern. Der junge QB sorgte unter anderem für einen «Fumble» und konnte mit der Offensive lange keine Punkte mehr verbuchen.

Auf der Gegenseite zündete Texans-Quarterback Deshaun Watson den Turbo und drehte das Spiel mit atemberaubenden Spielzügen. Am Ende siegte das Heimteam in der Overtime dank einem «Field Goal». Der grosse Held der Partie hiess damit nach der Partie nicht Josh Allen, sondern Deshaun Watson. Eine bittere Pille für den Youngster der Bills.

Drama Nummer 2: Ein Abgang mit Fragezeichen

Vermutet haben es einige, aber kaum einer wollte sich im Voraus mit einer Prognose aus dem Fenster lehnen: Die New England Patriots mussten beim zweiten Spiel am Samstag gegen die Tennessee Titans als Verlierer (13:20) vom Feld und scheiterten damit zum ersten Mal seit 2009 in der «Wild Card Round».

Die Geschichte dazu ist schnell erzählt, auf Seiten der Titans lief Runningback Derrick Henry die Defense der Patriots in Grund und Boden (182 Yards). Auf der anderen Seite konnte Tom Brady mit seiner Offensive zu wenig kreieren. Vor allem kurz vor der Endzone agierte das Team von Headcoach Bill Belichick extrem schwach.

Mit den Patriots verabschiedet sich damit nicht nur der aktuelle Super-Bowl-Sieger, sondern auch der grosse Dominator der vergangenen fünf Spielzeiten (Drei SB-Siege).

Bei Star-Quarterback Tom Brady läuft nun der Vertrag aus. Wie die Zukunft des 42-Jährigen aussehen wird, ist ungewiss.

Dementsprechend stellt sich nach der Niederlage die grosse Frage: War das der letzte Auftritt von Brady für die Patriots? Nach der Partie betonte der Spielmacher: «Ich weiss nicht, wie die Zukunft aussieht, deswegen möchte ich nichts vorhersagen».Auf die Frage, ob er nun zurücktreten werde, erklärte Brady allerdings, dass dies ziemlich unwahrscheinlich sei.

Fakt ist aber, falls Brady tatsächlich keinen neuen Vertrag unterschreiben wird, wäre der Abgang nach 20 Jahren bei den Patriots ziemlich bitter. Nicht nur wegen der schmerzhaften Niederlage, sondern weil sein letzter Spielzug auch gleich noch zu einem «Pick-6» führte.

Drama Nummer 3: Erster Titelanwärter verabschiedet sich

Für die grösste Überraschung sorgten an diesem Wochenende die Minnesota Vikings, die sich auswärts gegen die New Orleans Saints durchsetzen konnten.

Für die Saints ist die Niederlage ein herber Rückschlag. Das Team von Coach Sean Payton gehört seit 2018 zu den besten Teams der NFL und durften sich auch in der vergangenen regulären Saison zur Elite der Liga zählen. Mit Spieler wie Drew Brees, Alvin Kamara, Michael Thomas, Taysom Hill und Jared Cook in der Offensive soviel Power wie kaum ein anderes Team.

Und trotzdem hat es am Ende gegen Vikings nicht gereicht. Die Defense der Gäste aus Minnesota machte ihnen und vor allem Spielmacher Brees das Leben schwer.

So kam es im Mercedes-Benz Superdome nicht wie erwartet zum grossen Offensiv-Spektakel, sondern eher zu einer von den Defenses geprägten Partie. Beim Stand von 20:20 ging das Spiel in die Verlängerung. Minnesota gewann den Münzwurf und nutzte die erste Gelegenheit gleich, um einen Touchdown zu erzielen und damit das Spiel zu entscheiden.

Quarterback Drew Brees und Co. werden damit den hohen Erwartungen einmal mehr nicht gerecht. Wie schon in den letzten zwei Playoffs erreichen sie trotz einem ambitionierten Team den Super Bowl nicht. Und es stellt sich dabei einmal mehr die Frage, welches entscheidende Puzzleteil den Saints noch fehlt, damit es endlich in der nächsten Saison klappt.

Drama Nummer 4: Das Leiden von Wentz geht weiter

Mehr Pech als die Philadelphia Eagles kann man eigentlich gar nicht haben. Während der Saison verletzten sich gefühlt ein Drittel des gesamten Teams. In den meisten Fällen bedeutet dies für eine Franchise, dass die Saison abgeschrieben werden kann. Doch die Eagles schafften mit Ach und Krach den Einzug in die Playoffs. Quarterback Carson Wentz verbuchte über 4000 Passing Yards und führte das Team ohne prominente Anspielstationen in die «Post-Season».

Trotz den zahlreichen Ausfällen galten die Eagles dank der Rückkehr von Tight End Zach Ertz und Runningback Miles Sanders im Vorfeld der «Wild Card»-Partie gegen die Seattle Seahawks nur als leichter Aussenseiter.

Doch das Schicksal hatte es am vergangenen Sonntag erneut nicht gut mit den Philadelphia Eagles gemeint. Ausgerechnet der Spielmacher selber wurde nach nur vier geworfenen Pässe hart zu Boden gebracht und kriegte dabei einen bösen Hit gegen den Helm. Wentz musste danach vom Feld und kehrte wegen Verdacht auf Gehirnerschütterung nicht mehr zurück.

Die Eagles verloren ohne ihren Star-Quarterback das Spiel mit 9:17. Backup-Spieler Josh McCown, der bereits seit 2002 in der NFL spielt, konnte die Partie zwar bis kurz vor Schluss spannend halten, doch es fehlte McCown am Ende an der Spiel-Praxis, um in den entscheidenden Situationen eine Lösung zu finden.

Für die Eagles geht damit eine Saison zu Ende, die ohne ihr Ausnahmetalent auf der QB-Position gar nicht bis ins neue Jahr gedauert hätte. Besonders Carson Wentz wird daran wohl noch etwas länger zu beissen haben. Der 27-jährige verpasste bei den Eagles bereits die vergangenen zwei Playoffs aufgrund von Verletzungen. Dass er nun auch bei seinem «Post Season»-Debüt einen solchen Abgang verkraften muss, dürfte für ihn einmal mehr zum mentalen Prüfstein werden.

Aktuelle Nachrichten