Wil verliert trotz drückender Überlegenheit

Ein völlig verrücktes Spiel im Wiler Bergholz! Der FC Wil dominiert den FC Vaduz über fast die komplette Spieldauer, doch anstelle eines deutlichen Heimsiegs setzt es eine Last-Minute-Niederlage ab.

Gianluca Lombardi
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Lange hatten die Wiler Oberhand, am Ende setzten sich aber die Vaduzer durch.

Lange hatten die Wiler Oberhand, am Ende setzten sich aber die Vaduzer durch.

Bild: Gianluca Lombardi

Schon früh zeichnete sich im ersten Durchgang ab, dass eine Mannschaft zu sehen ist, die wie ein Spitzenteam auftritt, hoch steht, seinen Gegner früh stört und mächtig unter Druck setzt. Auf der anderen Seite stand der FC Vaduz, selbst auf Platz drei stehend und in Richtung Barrageplatz schielend. Nichts war davon zu sehen, dass die Liechtensteiner in der Tabelle vor den Wilern stehen.

Ganze 14 Mal wussten sich die Gäste bereits im ersten Durchgang nur mit einem Foul zu helfen. Es war wohl das deutlichste Zeichen für die Kräfteverhältnisse in diesem ersten Durchgang. Dazwischen wurde aber auch Fussball gespielt. Von den Wilern sogar in einer sehr ansehnlichen Art und Weise. Der gerechte Lohn war die 1:0 Pausenführung.

Einmal mehr zeichnete sich Valon Fazliu dafür verantwortlich. Seit seiner Ankunft ist der die verkörperte Torgefahr beim FC Wil. Die Gäste aus dem Ländle waren mit diesem Spielstand noch gut bedient. Dies sollte sich später an diesem Abend noch für die Hausherren rächen.

Verkehrte Welt

Auch nach dem Seitenwechsel powerten die Wiler weiter. Vom FC Vaduz war weiterhin nichts zu sehen. Es war phasenweise so, als versuchten die Liechtensteiner einen Waldbrand mit einer Giesskanne zu löschen. Doch die Vorstellung des FC Wil hatte ein grosses Manko: Die Chancenverwertung grenzte schon an Leichtsinnigkeit.

Es passierte das, was das Fussballphrasenbuch vorschreibt. Aus dem Nichts kamen die Gäste zum Ausgleich. Ausgerechnet der ehemalige Wiler Fuad Rahimi traf für den Aufstiegsaspiranten. Und wie viel die Antwort des FC Wil aus? Energisch! Sofort suchten die Hausherren wieder den Führungstreffer. Andrea Padula vergab in der Nachspielzeit die beste Tormöglichkeit.

Es gibt Abende, an denen gerät dann alles komplett aus seinen Bahnen. Ein solcher sollte das heute gewesen sein. Fast mit dem Schlusspfiff erzielten die Liechtensteiner noch den Führungstreffer. Ein Stich ins Wiler Fussballherz, der aber dem FC Vaduz im Kampf um den Barrageplatz Tür und Tor öffnete. So laut wie der Jubel der Gäste war, so gross war die Enttäuschung auf der Seite des FC Wil.

Eine logische Erklärung für diesen Spielverlauf und das Schlussresultat gibt es nicht. Es gibt aber Geschichten, die schreibt eben nur der Fussball. Was für den Wiler Anhang eine Niederlage der schmerzlicheren Art darstellt, war für den neutralen Zuschauer wohl ein Spektakel.

Telegramm:

FC Wil 1900 - FC Vaduz 1:2 (1:0)
Bergholz, Wil: 580 Zuschauer – Schiedsrichter: Esther Staubli.
Tore: 36. Fazliu 1:0, 85. Rahimi 1:1, 94. Coulibaly 1:2.
Wil: Kostadinovic; Rohner, Schmied, Kamberi, Padula; Muntwiler (66. Ndau), Abedini; Duah, Fazliu, Krasniqi (84. Schäppi); Silvio.
Vaduz: Ospelt; Rahimi, Schmid, Simani; Antoniazzi (46. Schwizer), Prokopic (46. Gomes), Lüchinger, Göppel (79. Djokic); Cicek (79. Frick); Milinceanu (46. Coulibaly), Sutter.
Bemerkungen: Wil ohne Ismaili, von Moos und Brahimi (alle verletzt). Vaduz ohne Wieser (gesperrt), Büchel, Dorn, Gasser (alle verletzt), Bajrami und Saglam (beide nicht im Aufgebot).
Verwarnungen: 13. Prokopic, 13. Muntwiler, 18. Silvio, 24. Antoniazzi, 62. Simani, 62. Sutter, 91. Rahimi.