Wil strebt Gleichberechtigung an

Der FC Wil möchte im Nachwuchsprojekt FCO gleichberechtigter Partner neben dem FC St. Gallen sein. Der Club ist bereit, die Hälfte der Kosten zu tragen, auch rückwirkend bis 2010. Der FC St. Gallen ist der Idee nicht abgeneigt.

Ralf Streule
Merken
Drucken
Teilen
Dölf Früh Präsident FC St. Gallen (Bild: Michel Canonica)

Dölf Früh Präsident FC St. Gallen (Bild: Michel Canonica)

FUSSBALL. Der FC St. Gallen und der FC Wil sind die Hauptstützen des 2010 gegründeten «Future Champs Ostschweiz» (FCO). Im Fussball-Nachwuchsprojekt sollen die besten Talente zwischen Graubünden und dem Thurgau an den Profifussball herangeführt werden. Den Lead hat der FC St. Gallen inne: Das FCO-Aushängeschild spielt als «St. Gallen II» in der Promotion League, die neue Nachwuchsakademie befindet sich neben der AFG Arena, trainiert wird im Gründenmoos gleich gegenüber. Und vor allem: Der FC St. Gallen steuert finanziell den Löwenanteil an das Nachwuchsprojekt bei. 95 Prozent der jährlichen Kosten von inzwischen rund 3,6 Millionen Franken zahlt und generiert der Super-League-Club.

Wil ist bereit, beizutragen

Nun aber möchte der FC Wil – der sich nach dem Einstieg des türkischen Investors Mehmet Nazif Günal das Ziel Aufstieg gesetzt hat – zu einem gleichwertigen Partner werden. Gemäss FC-Wil-Verwaltungsrat Abdullah Cila, der als Vertreter der türkischen Investoren einen Teil des operativen Geschäfts abwickelt, ist der Club bereit, künftig 50 Prozent an den Kosten des Nachwuchsprojekts zu übernehmen. Mit den am Dienstag bekannt gewordenen Plänen des FC Wil, auf Stadtgebiet eine Trainingsanlage zu bauen (siehe Ausgabe von gestern), würde man zudem auch in Sachen Infrastruktur einen Beitrag an den regionalen Nachwuchs leisten können.

Neues Fundament für FCO

Angedacht sei sogar, sich rückwirkend für die ersten fünf Jahre des Projekts zu beteiligen und sich quasi nachträglich einzukaufen, sagt Cila. Genau dies ist gemäss Dölf Früh, Präsident des FC St. Gallen, eine Voraussetzung dafür, dass der FC Wil künftig als gleichberechtigter Partner gelten könne. Grundsätzlich sei der FC St. Gallen bereit, die Partnerschaft mit dem FC Wil zu intensivieren. Er hofft, dass dank der Zusammenarbeit künftig mehr Geld ins Projekt fliessen und damit ein neues Fundament für FCO entstehen könnte. Und dass so – dank noch professionellerer Strukturen – mehr Talente in den Spitzenfussball gebracht werden könnten. Die «Préformation» des FC Wil, also die Ausbildung der 11- bis 15-Jährigen, würde bei einer Einigung womöglich in die Strukturen von FCO eingegliedert, so Früh. Details sollen bei weiteren Treffen zwischen den Verantwortlichen beider Clubs diskutiert werden. Noch sind gemäss Cila Anwälte daran, die genauen Rahmenbedingungen auszuarbeiten. Einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe stehe aus seiner Sicht aber nichts im Weg.

Wer erhält die besten Spieler?

Der FC Wil hätte mit der rückwirkenden Zahlung seine Pflicht getan als gleichwertiger Partner im Nachwuchsprojekt und würde wohl auch die gleichen Rechte einfordern. Was würde das heissen? Streitet man sich künftig – sollte der FC Wil dereinst ebenfalls in der Super League stehen – über Spieler aus dem Projekt?

Wie diese Fragen genau geregelt würden, sei noch offen, sagen sowohl Cila als auch Früh. St. Gallens Präsident geht aber davon aus, dass man mit Verträgen eine gute Lösung findet. Transferrechte an den Spielern zum Beispiel würden wohl zwischen den beiden Clubs eins zu eins aufgeteilt. Spannungen zwischen den Vereinen erwarte er deswegen nicht, sagt Früh. «Es wäre eine Zusammenarbeit wie viele andere im Profifussball.» Geklärt werden müssten dennoch einige zentrale Fragen: Wer würde das Präsidium übernehmen? Wer hätte die Aktienmehrheit? In diesen Punkten wird St. Gallen die Fäden wohl in der Hand behalten wollen.

Abdullah Cila Verwaltungsrat FC Wil (Bild: Simon Dudle)

Abdullah Cila Verwaltungsrat FC Wil (Bild: Simon Dudle)