Das Schicksal des Ausbildungsclubs: Der
FC Wil stellt sich auch dieses Jahr auf viele Abgänge ein

Der FC Wil wird auf die neue Saison etliche Spieler ersetzen müssen. Besonders die Leihspieler werden kaum zu halten sein. Präsident Maurice Weber trägt es mit Fassung.

Ralf Streule
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Julian von Moos hat gute Chancen, in der kommenden Saison in der Super League aufzulaufen.

Julian von Moos hat gute Chancen, in der kommenden Saison in der Super League aufzulaufen.

Pascal Muller/Freshfocus

Den Sieg gegen die Grasshoppers von vergangener Woche bezeichnet Trainer Ciriaco Sforza als einen der Höhepunkte der Wiler Saison. Wohl nicht, weil er damit seinem ehemaligen Klub die Rückkehr in die Super League vermieste. Sondern weil der FC Wil mit bescheidenen Mitteln und vielen jungen Spielern einen Traditionsklub besiegte, der mit weit höherem Budget wirtschaftet.

Maurice Weber, Präsident FC Wil

Maurice Weber, Präsident FC Wil

Urs Bucher

Finanzielle Zurückhaltung ist weiter angesagt im FC Wil, das betont Präsident Maurice Weber immer wieder. Dazu kommt das Credo, konsequent mit jungen Spielern zu arbeiten. Besonders gefreut habe ihn, dass dies am Ende der Saison Schwarz auf Weiss zu sehen sei: Bei den «Effizienzkriterien» der Swiss Football League, welche die Einsätze von U-Nationalspielern ausweisen, steht Wil an der Spitze, vor Chiasso und Schaffhausen. Und vor dem jungen Team des FC St.Gallen.

Auf und Abs während der Saison

Mit diesem Kader hat der FC Wil eine Saison mit Auf und Abs und dem sechsten Schlussrang hinter sich gebracht. Mit einem starken Saisonstart, einem Zwischentief und einem Schlussspurt. «Wir sind zufrieden», sagt Weber.

«Auch wenn wenig fehlte, in der Spitzengruppe mithalten zu können.»

Gegen die Topteams der Liga waren die Wiler oft nahe an Erfolgen, und vielleicht war es in jenen Momenten halt doch die Routine, welche den Wilern fehlte. Dennoch wird man den Weg getreu dem selbst definierten Motto «Frech, offensiv, mit Power» weitergehen, sagen Sforza und Weber unisono.

Wie so oft dürfte es auch in diesem Sommer zu vielen Wechseln im Klub kommen. Es ist das Schicksal eines Vereins, der sich als Ausbildungsklub sieht, sagt Weber. Leihverträge laufen aus, wie jene von Lindrit Kamberi, Bledian Krasniqi, Fabian Rohner vom FC Zürich, Joel Schmied von YB sowie Julian Von Moos und Konstantinos Dimitriou vom FC Basel. Rohner dürfte zu Zürich zurückkehren, Interesse an Von Moos sei von vielen Seiten da, sagt Weber. Und auch bei den anderen dürfte es zu Veränderungen kommen.

Beim FC Wil spricht man von fünf bis sieben Spielern, die in der kommenden Saison in der Super League spielen werden und nimmt dies als weiteren Beweis für die Stärken als Ausbildungsverein. Wobei es, im Fall der Leihspieler, keine klassischen Transfers wären, die viel Geld einbringen. Entschädigungen für die Ausbildung von Leihspielern, die in die Super League wechseln, seien aber gesichert, sagt Weber:

«Die Spieler haben sich weiterentwickelt, davon profitieren auch deren Besitzervereine.»

Direkt profitieren im Sinne von Transfereinnahmen dürften die Wiler bei Eris Abedini, der von Wil zum FC Lugano stiess. Der Wechsel von Goalie Zivko Kostadinovic zum FC Zürich hingegen wirft nichts ab, da dessen Vertrag auslief. Vielleicht ist ja Offensivspieler Kwadwo Duah der nächste klassische Transfer in die Super League? Das letzte Wort sei hier nicht gesprochen, sagt Weber.

Wil würde Kooperation mit St.Gallen gerne verstärken

Gerne sieht es Weber, wenn der St.Galler Sportchef Alain Sutter oder Trainer Peter Zeidler Wiler Spiele besuchen. Er spricht vom Interesse, das der Klub unter anderem an Rohner und Von Moos gezeigt hätten. Eines aber fällt auf: Es waren zuletzt andere Vereine, die ihre Nachwuchsspieler regelmässig beim FC Wil reifen liessen. In den vergangenen Jahren kam es nie vor, dass ein junger Spieler aus dem Ostschweizer Nachwuchs über den FC Wil den Sprung in die erste Mannschaft des FC St.Gallen geschafft hätte. «Es ist eine Tatsache», sagt dazu Weber. Er wäre daran interessiert, dies zu ändern:

«Dass Ciri junge Spieler weiterbringen kann, hat er bewiesen. Und junge Spieler müssen zu Einsätzen kommen.»

Wie der FC Wil dem drohenden Aderlass begegnet, ist noch offen. Der Klub erhalte viele Anfragen für junge, vielversprechende Spieler, da sich der Verein einen Namen als Förderer gemacht habe, so Weber. Das jüngste Beispiel ist Goalie Philipp Köhn, der Nachwuchs-Nationalspieler, der Leihweise von Salzburg nach Wil wechselt.

Corona trifft den FC Wil weniger als andere

Ersetzen muss die Führung aber auch Spieler wie Silvio, der den Verein nach langer Geschichte im Klub verlässt. Philipp Muntwiler bleibt nach dessen Abgang der einzige klassische Routinier. Dennoch plane man keine Verpflichtungen von älteren Spielern. «Wir haben einige Jüngere, die ebenfalls schon viel Erfahrung mitbringen», sagt Weber. Sorgen mache er sich jedenfalls nicht um die Neubesetzung des Teams.

Drängender als die Wechsel im Team scheint derzeit ohnehin die Frage nach dem Umgang mit der Coronakrise. Was die Zuschauerzahlen angeht, trifft es den FC Wil zwar weniger als andere Teams, da im Bergholz der Zuschauerschnitt gewöhnlich nicht weit über 1000 liegt. Dennoch werde man Probleme bekommen, sollte der Bund an der Richtlinie festhalten, sagt Weber. Spiele gegen GC hätten vor Corona über 3000 Zuschauer angesprochen. Über kurz oder lang bekomme dies auch der FC Wil zu spüren, zumal auch Sponsoren mit gut besuchten Spielen rechneten. Weber erhofft sich ein Zeichen für den Fussball seitens der Politik. Auch wenn man vom Lichterlöschen noch einiges entfernt sei.

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