Wil mit leiseren Tönen

Das Team des FC Wil hat sich gestern seinen Fans vorgestellt. Die türkische Führung blieb dabei bewusst im Hintergrund. Auch mit Aufstiegsparolen will man sich diesmal zurückhalten.

Ralf Streule
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FC-Wil-Trainer Ugur Tütüneker klatscht bei der Teampräsentation mit Moderator Gürkan Sermeter ab – im Hintergrund das versammelte Team. (Bild: Ralph Ribi)

FC-Wil-Trainer Ugur Tütüneker klatscht bei der Teampräsentation mit Moderator Gürkan Sermeter ab – im Hintergrund das versammelte Team. (Bild: Ralph Ribi)

FUSSBALL. Vieles erinnert bei der Teampräsentation in der IGP Arena an vergangenes Jahr. Strahlendes Wetter, Freibier, FC-Wil-Spieler, die aufs Feld gerufen werden; jedesmal unter dem verheissungsvollen Soundtrack «We will rock you». Zwar sind die Ränge mit knapp 300 Personen spärlicher besetzt als 2015, und es moderiert nicht SRF-Mann Dani Kern, sondern SRF-Co-Kommentator Gürkan Sermeter. Diametral anders ist aber vor allem eines: Es fehlt eine flammende Rede seitens der Vereinsführung, wie sie im vergangenen Jahr der damalige Präsident Roger Bigger gehalten hatte. Er weibelte damals für Vertrauen ins neue türkische Wil-Projekt. Und er erklärte, dass es langfristig nicht Wils Anspruch sein könne, «in der Challenge League zu dümpeln». Diesmal sitzt Bigger im Publikum – von der türkischen Vereinsleitung richtet niemand das Wort an die Zuschauer.

«Wollen in Ruhe arbeiten»

«In der Ruhe liegt die Kraft», sagt der operative Leiter Abdullah Cila später. Und: Im Zentrum stehe das Team und der sportliche Stab, nicht die Vereinsführung. Auch wolle man das Wort Aufstieg vermeiden, dafür hingegen noch stärker an den langfristigen Zielen arbeiten, Spieler weiterbringen und vor allem: in Ruhe arbeiten.

Die leiseren Töne dürften auch damit zusammenhängen, dass sich dem FC Wil in dieser Saison einiges an Konkurrenz entgegenstellt. Zum einen natürlich der FC Zürich, der den direkten Wiederaufstieg anstrebt. Oder die Aarauer, die ebenfalls ein Wort mitreden wollen. Oder ein «Überraschungsteam», das es ohnehin jede Saison gebe, wie der neue Sportchef Roland Koch zu bedenken gibt.

Auf dem Papier ist der FC Wil ähnlich stark einzustufen wie zuletzt. Mit dem rumänischen Internationalen Paul Papp und Arnaud Bühler sind zwei stabile Innenverteidiger verpflichtet worden, die in den Testspielen überzeugen konnten. Ebenso zum Team stiessen Nduka Ozokwo, Torhüter Steven Deana sowie Igor Nganga vom FC Aarau. Aus dem Nachwuchs sind Heroid Gjoshi, Magnus Breitenmoser und Pascal Huber in die erste Mannschaft gerückt.

Noch sind weitere Transfers denkbar, besonders in der Offensive: Ersetzen müssen die Wiler unter anderem Ivan Audino, André Santos und, wie gestern bekannt wurde, Stürmer Mert Nobre, der in die dritte türkische Liga wechselt. Fehlen wird auch der junge Ostschweizer Dario Koller, der aus beruflichen Gründen seine Karriere beendet hat.

Neues Stadion ist weiter Thema

Finanziell gesehen ist Wil hinter Zürich die zweitstärkste Kraft der Liga. Die meisten Clubs wirtschaften mit rund fünf Millionen Franken, Zürich wohl mit rund 15. In Wil war 2015/16 von zehn Millionen die Rede – was vom Club nie bestätigt wurde. Im ähnlichen Rahmen dürfte es sich aber auch diesmal bewegen.

Vorwärtsgehen soll es in Sachen neues Stadion, ist am Rande der Veranstaltung zu erfahren. Schon im Frühling ist laut Cila ein Baustart möglich, sofern die nötigen Bewilligungen erteilt würden. Diese Bauabsicht unterstreicht die langfristigen Pläne der Clubführung. Und sie zeigt, was über kurz oder lang halt doch zählt: der Aufstieg. Nur ein solcher macht ein neues Stadion nötig.