Wil: Das Siegerprojekt für die neue Forensikstation steht fest, doch das Geld reicht nicht aus

Bis 2023 soll auf dem Gelände der Psychiatrie Nord in Wil eine Forensikstation entstehen. Sie bietet Platz für 16 Häftlinge mit psychischen Erkrankungen – und füllt damit eine Lücke in der St.Galler Strafvollzugsinfrastruktur. Das Zürcher Architekturbüro Schmid Ziörjen gewinnt den Projektwettbewerb.

Hans Suter
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Ein Blick auf den Wohn- und Essraum der geplanten Forensikstation.

Ein Blick auf den Wohn- und Essraum der geplanten Forensikstation.

Visualisierung: Kanton St.Gallen

Straftäter mit psychischen Erkrankungen können manchmal nicht im üblichen Strafvollzug untergebracht werden. Sie kommen dann in eine Klinik, wenn sie zu krank für den Vollzug der Haft sind oder wenn das Gericht eine Massnahme anordnet, weil sich ein Zusammenhang zwischen Tat und bestehender schwerer psychischer Störung erwiesen hat.

Im Kanton St. Gallen noch nicht möglich

Eigentlich ist der Kanton St. Gallen gesetzlich verpflichtet, geeignete Einrichtungen für den Straf- und Massnahmenvollzug sowie für den Vollzug der Untersuchungshaft zur Verfügung zu stellen. Trotzdem fehlt bis heute eine forensisch-psychiatrische Klinikstation für psychisch kranke Personen in Haft und im Massnahmenvollzug. Die direkten Folgen: Betroffene müssen ausserkantonal untergebracht oder, entgegen den fachlichen Anforderungen, in ein Gefängnis eingewiesen werden.

Aber nicht mehr lange: Ab dem Jahr 2023 soll sich das ändern.
Der Kantonsrat beabsichtigt, eine geschlossene, forensische Station für 16 Patienten mit einer Nutzfläche von rund 1300 Quadratmetern zu errichten. Der Neubau soll auf dem Areal der Psychiatrischen Klinik in Wil erstellt werden. Dazu hat der Rat am 13. Juni 2018 einen Kredit von 12,9 Millionen Franken bewilligt. Allerdings wird dieser Betrag nicht ausreichen, wie sich später gezeigt hat.

Die Westfassade des geplanten Neubaus auf dem Gelände der Psychiatrie Nord in Wil.

Die Westfassade des geplanten Neubaus auf dem Gelände der Psychiatrie Nord in Wil.

Visualisierung: Kanton St.Gallen

Gebäude mit 16 Patienten- und drei Intensivbetten

Das Baudepartement führte 2019 einen Architekturwettbewerb durch. Unter den 70 eingegangenen Arbeiten zeichnete die Jury das Projekt «Ailha» der Schmid Ziörjen Architekten aus Zürich mit dem 1. Preis aus, wie die Staatskanzlei gestern mitteilte. Das Gebäude soll 16 Patienten- und drei Intensivbetten, Aufenthalts-, Therapie- und Beschäftigungsräume umfassen. Nach Angaben der Staatskanzlei ist die Forensikstation für die Polizei und die Sanitätsdienste gut zugänglich und an die zentralen Klinikeinrichtungen angebunden. Ausserdem entstehe ein Innenhof mit Sichtschutz. Das Siegerprojekt überzeuge durch seine gelungene Raumstruktur. Laut Jury hat das Siegerprojekt die Aufgabe mit einem Raumprogramm über zwei Geschosse betrieblich «sehr gut gelöst».

Sicherheit hat hohe Priorität

Die Sicherheit für die Patienten, für das Personal, für die Besucher wie auch für die Allgemeinheit hat bei diesem Projekt «sehr hohe» Priorität. Diese werde einerseits durch bauliche Massnahmen gewährleistet, anderseits durch eine klare und übersichtliche Gebäudestruktur, die das Raumprogramm und die formulierten betrieblichen Anforderungen bestmöglich umsetze.

Die Forensikstation kommt auf ein 4600 Quadratmeter grosses Grundstück der Psychiatrie St. Gallen Nord in Wil zu stehen.

Die Forensikstation kommt auf ein 4600 Quadratmeter grosses Grundstück der Psychiatrie St. Gallen Nord in Wil zu stehen.

Bild: Hans Suter

Nachtragskredit nötig

Der Neubau soll wirtschaftlich ein vorbildliches Projekt sein, das tiefe Investitionskosten generiert und einen kostengünstigen Betrieb und Unterhalt über den Lebenszyklus von 20 Jahren gewährleistet. Bei der Ausarbeitung des Wettbewerbsprogramm habe sich allerdings gezeigt, dass das Betriebskonzept im Sicherheitsbereich angepasst werden müsse. Die daraus resultierenden Mehrkosten würden mit der Konkretisierung des Siegerprojekts ausgearbeitet. Bei den zusätzlichen Kosten handle es sich voraussichtlich um einen tiefen einstelligen Millionenbetrag. Der Kantonsrat soll 2020/2021 über den Nachtragskredit entscheiden. Der Baubeginn für die Forensikstation ist für Sommer 2021 vorgesehen, der Bezug für das Jahr 2023.

Nur für Straftäter mit Aussicht auf Erfolg

Christiane Thomas-Hund, Leiterin Forensik Psychiatrische Klinik Wil.

Christiane Thomas-Hund, Leiterin Forensik Psychiatrische Klinik Wil.

Ralph Ribi

Was für Menschen sind das, die ab 2023 in diesem Gebäude untergebracht werden könnten? «Beispielsweise Straftäter mit schweren Psychosen, hirnorganischen Störungen oder schwerer Sucht», sagt Christiane Thomas-Hund, Chefärztin des Kantonalen Kompetenzzentrums Forensik der Psychiatrie St. Gallen Nord (PSGN) in Wil. Als Beispiel nennt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie einen Straftäter, der in einer Psychose in einem anderen Menschen eine Bedrohung sieht, deshalb auf ihn losgeht und ihn verletzt. Christiane Thomas-Hund schränkt aber ein:

«Wer uns zugewiesen wird, bei dem muss eine Aussicht auf Erfolg bestehen.»

Straftäter mit psychischen Erkrankungen können manchmal nicht im üblichen Strafvollzug untergebracht werden. Sie kommen dann in eine Klinik, wenn sie zu krank für den Vollzug der Haft sind oder wenn das Gericht eine Massnahme anordnet, weil sich ein Zusammenhang zwischen Tat und bestehender schwerer psychischer Störung erwiesen hat.

Projekte werden in der St.Galler Hauptpost ausgestellt

Die Projekte des Architekturwettbewerbs sind vom 11. bis 21. Dezember 2019 in der Hauptpost in St.Gallen im 3. Stock ausgestellt (Eingang Gutenbergstrasse). Wochentags ist die Ausstellung von 16 bis 19 Uhr zugänglich. An beiden Samstagen ist der Raum von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

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Hans Suter