Wieso Dominik Paris seine Ferien gemeinsam mit Beat Feuz verbringt

Auf der Piste sind sie unerbittliche Gegner, privat sind sie mitfühlende Freunde. Die spezielle Beziehung zwischen den zwei weltbesten Abfahrern geht sogar so weit, dass ihre Familien gemeinsame Ferien im Kinderhotel verbringen. Am Lauberhorn gewinnen wollen aber beide.

Rainer Sommerhalder
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Beat Feuz und Dominik Paris (rechts) bei der Streckenbesichtigung am Lauberhorn. (Bild: Anthony Anex/Keystone; Wengen, 14. Januar 2020)

Beat Feuz und Dominik Paris (rechts) bei der Streckenbesichtigung am Lauberhorn. (Bild: Anthony Anex/Keystone; Wengen, 14. Januar 2020)

Anthony Anex, KEYSTONE

Der ehemalige Wengen-Sieger Franz Heinzer wundert sich. Mit dem grössten Konkurrenten gemeinsam in die Ferien? So etwas hätte er sich nie vorstellen können. Dabei galt der Innerschweizer während seiner Karriere stets als einer der umgänglichen Typen in der Truppe der damals besonders wilden Abfahrer.

Umgängliche Menschen sind zweifellos auch der Italiener Dominik Paris und der Schweizer Beat Feuz. In ihrem Sport sind sie primär unerbittliche Gegner, in ihrer Freizeit aber fast schon unzertrennliche Freunde. Die gemeinsame Herkunft aus einer ländlichen Umgebung, der parallele Weg an die Spitze der Speedfahrer, die nur um Tage auseinanderliegende Geburt ihrer Kinder und das ausgezeichnete Verhältnisse der beiden Lebenspartnerinnen tragen dazu bei, dass die Chemie der zwei derzeit weltbesten Abfahrer einfach stimmt.

So gut, dass die beiden Familien im vergangenen Sommer gemeinsam Ferien in einem Kinderhotel verbrachten.« Über Skisport haben wir dort herzlich wenig geredet», sagt Beat Feuz. «Wir haben ziemlich viel über die Entwicklung unserer Kinder diskutiert», sagt Dominik Paris.

Der Hardrocker auf der Piste und auf der Bühne

Beim 30-jährigen Südtiroler tun sich vermeintliche Widersprüche nicht nur in der Beziehung zu seinem grössten Gegner auf der Rennstrecke auf. Auch in seinem grossen Hobby, der Musik, erkennt man solche. Nicht unbedingt in der Stilrichtung, die Sänger Dominik Paris und seine drei Bandkollegen zelebrieren. Die extreme Hard-Rock-Variante Trash Metal passt irgendwie zum kompromisslosen und wuchtigen Fahrstil des Führenden im Abfahrtsweltcup. Immer Vollgas geben.

Die Themen jedoch in den neun von Paris selbst geschriebenen Liedern scheinen wenig mit der Realität des aktuellen Super-G-Weltmeisters zu korrespondieren. Sie handeln von Eifersucht oder vom Weg aus der Krise. Wobei die Besucher der vier Konzerte, welche die Band «Rise of Voltage im Sommer in Italien gaben, von den Texten herzlich wenig mitbekommen. Wenn Dominik Paris auf der Bühne steht, dann röhrt er vielmehr als dass er singt. «Singen kann ich in der Tat nicht», sagt der Südtiroler aus dem Ultental bei Meran mit einem verschmitzten Grinsen.

Aber Krise? Seit der achtfache Saisonsieger des vergangenen Winters vor zehn Jahren in den Weltcup einstieg, blieb er von Verletzungen verschont. Einzig ein Bandscheibenvorfall 2011 sorgte dafür, dass Paris dem Rücken etwas mehr Beachtung schenken muss. Höchstens der Unfalltod seines Bruders im Jahr 2013 warf ihn vorübergehend aus der Bahn. Seither denkt er bei seinen Erfolgen immer auch ein wenig an ihn.

Der grosse Krampf mit dem Kernen-S

Und Eifersucht? Genau das scheint er im wahren Leben zumindest auf der Skipiste nicht zu kennen. «Ich gönne es Beat Feuz, wenn er ein Rennen gewinnt», sagt Dominik Paris. Wobei der 30-Jährige gerade am Lauberhorn liebend gerne selber einmal triumphierend würde. Noch nie schaffte er es in Wengen aufs Podest – auf einer Abfahrt, die mit den langen Gleiterpassagen dem 102-Kilo-Brocken eigentlich entgegenkommen müsste. Doch eine Stelle hat den Erfolg im wahrsten Sinne zumeist ausgebremst. Das Kernen-S oder Brüggli-S, wie die Passage nach Hundschopf und Minschkante lange hiess, gibt ihm zu beissen. Stets verpasste er eine der beiden Kurven bei Ein- oder Ausfahrt.

Es ist kein Zufall, dass Paris das Kernen-S im Gespräch nie namentlich nennt. «Ich hatte hier in Wengen bislang meine Schwierigkeiten. Es fehlt mir die Konstanz», sagt er, «aber ich darf über die Gründe nicht zu viel nachdenken». Letztlich sei er bisher auch an seinem Ziel gescheitert, die besagte Stelle perfekt erwischen zu wollen. Laufen lassen und dann kommt es gut, mit diesem Motto holte sich der Italiener auch in diesem Saison bereits wieder zwei Abfahrtssiege.

Fürs Duell am Lauberhorn haben sich Dominik Paris und Beat Feuz ähnlich vorbereitet. Die längste Pause im Weltcupwinter für Speedfahrer nach den drei Rennen von Bormio Ende Jahr nutzten sie dazu, zuhause bei Frau und Kind die Batterien aufzuladen. Der ehemalige Bauarbeiter Paris lebt zusammen mit Freundin Kristina und dem anderthalbjährigen Niko im umgebauten Haus seiner Grosseltern in Ulten. Längst zieht er das traute Zusammensein mit der Familie dem ausschweifenden Partyleben seiner Teenagerjahre vor. Dieses hatte ihn einst den Fokus und beinahe die Karriere als Skirennfahrer gekostet.

Heute finden die Partys für Dominik Paris vorwiegend auf den schwierigsten Abfahrtspisten der Welt statt. Wenn es nach ihm geht, am Samstag endlich auch am Lauberhorn. Für einmal kann er sich Freund Beat Feuz auch in dessen Heimat gut in der Rolle als Gratulanten vorstellen.