Wiesers Traum von Rio 2016

MARATHON. Der Aadorfer Patrick Wieser stellte beim Marathon in Linz in 2:17:20 Stunden eine persönliche Bestzeit auf. Das macht Lust auf mehr: Der 35-Jährige überlegt sich nun, in diesem Jahr alle Kraft in die Olympia-Qualifikation zu investieren.

Peter Birrer
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Patrick Wieser (Bild: pd)

Patrick Wieser (Bild: pd)

Er spürte, dass die Form stimmte. Er wusste aber auch, was sein Anspruch war: Er wollte den Zahltag abholen für Monate, in denen er sich auf den Marathon in Linz vorbereitet hatte. Und tatsächlich klappte es. Patrick Wieser von «Run Fit Thurgau» lief in Oberösterreich ein starkes Rennen, beendete es im Feld mit über 19 500 Athleten auf Platz 6. Der 35-Jährige klassierte sich als bester Europäer, vor allem aber realisierte er eine persönliche Bestzeit. Er brauchte 2:17:20 Stunden für die 42,195 Kilometer.

Auf falsches Schuhwerk gesetzt

«Es lief gut», sagte Wieser, der aber darauf verzichtete, euphorische Töne anzuschlagen. «Es gibt immer Optimierungsmöglichkeiten.» Er bewältigte die Strecke nicht schadenfrei. Er kämpfte mit Blasen an den Füssen und merkte an, er habe auf Schuhwerk vertraut, mit dem er noch nicht genügend Kilometer zurückgelegt hatte.

Am Sonntagabend flog Wieser via Wien zurück in die Schweiz. Anderntags tauchte er bereits wieder in den beruflichen Alltag ein. Der Kantonspolizist fuhr für einen Kurs nach Neuenburg. Begleitet wurde er aber doch von den Gedanken, wie seine sportliche Zukunft aussehen soll. Die Limite für die WM im August in Peking (2:15 Stunden) verpasste der EM-Teilnehmer von 2014 zwar, aber die Leistung vom Sonntag macht doch Lust auf mehr. Darauf, noch schneller zu werden und doch noch ein höchst ambitioniertes Ziel in Angriff zu nehmen. Der Schweizer Marathonmeister von 2014 überlegt sich ernsthaft, sein Programm ganz auf Berlin auszurichten und sich dort für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu qualifizieren.

Ein erheblicher Aufwand

Spricht er von Olympia, fällt automatisch der Begriff Traum. Wieser ist sich aber sehr wohl bewusst, dass er den Aufwand erhöhen müsste – ein Aufwand, der jetzt schon erheblich ist. Für einen, der den Sport ausnahmslos in seiner Freizeit betreibt, sowieso. Im 14tägigen Trainingslager auf Teneriffa lief er wöchentlich bis zu 240 Kilometer, dazu spulte er beträchtliche Strecken auf dem Velo ab. Würde er sich tatsächlich mit dem Thema Rio befassen, «käme ich nicht darum herum, den Umfang noch einmal zu erweitern», sagt Wieser. Möglicherweise würde er temporär sein Pensum als Polizist reduzieren. Die Selektionszeit ist von Swiss Olympic noch nicht festgelegt worden, dürfte sich aber um 2:14 Stunden bewegen.

«Der Reiz von Rio 2016 ist riesig», sagt er. «Gleichzeitig gibt es den anderen Reiz, den Reiz der Bergläufe.» Er hat sich für den Zermatt-Marathon am 4. Juli eingeschrieben, der Jungfrau-Marathon am 12. September steht ebenfalls in der Agenda. «Aber wenn ich mich für den Versuch entschliesse, alles auf Olympia zu setzen, muss ich zwangsläufig auf diese zwei Events verzichten», erklärt Wieser. «Es würde mir zwar schwer- fallen, aber Olympia wäre halt etwas Einzigartiges.» In den nächsten Tagen will er für sich eine Antwort gefunden haben. Wieser befindet sich in einer Verfassung wie wohl noch nie in seiner Karriere. Ein paar Tage gönnt er sich nun ohne Training, bevor er sich auf einen Wettkampf einstimmt: Am 9. Mai startet er beim GP Bern über zehn Meilen.