Fussball: Belgien bricht ab, Kosovo macht weiter und Wiener machen Masken zu Fanartikeln

Einzig in Weissrussland wird noch Fussball gespielt. Sonst ruht der Ball in Europa. Kuriositäten und Anekdoten gibt es trotzdem überall.

Markus Brütsch
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Gelungene Marketingaktion: Rapid Wien hat über die eigene Website 13000 Gesichtsmasken verkauft.

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Bild: PD

Belgien: Ist die Pro League der erste Dominostein?

Dimitri Oberlin hat Ferien. Wobei das in diesen Coronavirus-Zeiten ja nicht unbedingt Freude macht. Doch der Schweizer Stürmer von Zulte Waregem hat gestern erfahren, dass die belgische Meisterschaft abgebrochen und Brügge zum Meister erkoren wird.

Kurios: Als die belgische Spielergewerkschaft Sporta um 14.30 Uhr eine Meldung verschickte, wonach 65 Prozent der Profis bereit dazu wären, das Training wieder aufzunehmen, waren die Würfel bereits auf die andere Seite gefallen. Der Verwaltungsrat der Pro League hatte kurz zuvor entschieden, der Generalversammlung am 15. April den Vorschlag zu unterbreiten, die Saison abzubrechen.

«Competitie afgelopen: Club Brugge kampioen», titelte die Zeitung «Het Laatste Nieuws» auf ihrer Website. Belgien ist das erste Land, das seine Meisterschaft abbricht. Gut möglich, dass dies der erste fallende Dominostein ist und weitere Ligen kapitulieren.

Der Entscheid kommt etwas überraschend, nachdem die Uefa die EM verschoben und den Ligen die Hoffnung gegeben hatte, die Saison im Sommer und Frühherbst zu Ende zu spielen.

«Es besteht die Gefahr, dass mögliche Infektionen eines Spielers oder des Spielerkerns den sportlichen Verlauf des restlichen Wettbewerbs in inakzeptabler Weise beeinflussen», lautete die Begründung der Liga. Auch Geisterspiele seien deshalb keine Option.

Schweiz: Eine Walliser Falschmeldung sorgt für Irritation

Ist der FC Zürich in der Deutschschweiz das Pendant zum FC Sion? Bei diesem hatten sich vor zwei Wochen mehrere Spieler geweigert, Kurzarbeit zu akzeptieren, und waren entlassen worden. Wer nun am Mittwoch den «Walliser Boten» las, hätte zum Schluss kommen können, auch in Zürich gebe es Zoff.

Nach einem Gespräch mit dem Spielerberater Michel Urscheler hatte die Zeitung geschrieben: «Als Insider weiss er, dass neben dem FC Sitten ‹auch beim FC Zürich alle Spieler eine Einigung auf Kurzarbeit abgelehnt haben›».

Hoppla! Am Tag danach sagt Urscheler, der mit Benjamin Kololli und Andris Vanins zwei Spieler des FCZ berät, er sei falsch verstanden worden. «Der FC Zürich verhält sich absolut korrekt und transparent», sagt Urscheler. «Die März-Saläre wurden bereits teilweise auf Basis Kurzarbeit ausbezahlt und von der Mannschaft unisono akzeptiert», teilt FCZ-Präsident Ancillo Canepa mit. Und ergänzt: «Wie die nächsten Monate behandelt werden, hängt vom weiteren Verlauf der Coronakrise ab.»

Kosovo: Challandes tüftelt an Standardsituationen

Eigentlich hätte er in diesen Tagen auf Reisen sein müssen. Und wenn auf diesen, in Nordmazedonien und Georgien, alles gut gelaufen wäre, stünde nun vor dem Fadil-Vokrri-Stadion in Pristina bereits ein Denkmal von ihm. Als Dank für die EM-Qualifikation. Doch Bernard Challandes ist nicht in Kosovo, sondern zu Hause in La Chaux-du-Milieu. Hoch oben im Jura und nahe an der Grenze zu Frankreich.

«Klar fehlt mir der Fussball», meldet der 68-Jährige am Telefon, «aber mir und meiner Familie geht es gut. Schade ist nur, dass ich meine Enkel nicht sehen kann.» Es sei ein Vorteil für ihn als Vertreter der sogenannten Risikogruppe, dass er auf dem Land lebe und nicht in einer engen Stadtwohnung. «Wir können mit dem Hund einen Waldspaziergang machen oder im Garten etwas arbeiten», sagt der Neuenburger.

Aber Challandes wäre nicht Challandes, wenn er sich nicht auch viel mit Fussball befassen würde. Die Enttäuschung über die Absage der EM-Playoff-Spiele hat ihn nicht aus der Bahn geworfen. Im Gegenteil. «Jetzt habe ich Zeit, meine Mannschaft noch besser darauf vorzubereiten», sagt Challandes. Er tüftelt an Standardsituationen herum, verschickt seine Ideen an die Spieler oder hält am Telefon den Kontakt zu ihnen.

Challandes ist auch um eine am Fernsehen ausgestrahlte Videobotschaft an das kosovarische Volk gebeten worden. Dieses steht in diesen Wochen nicht nur im Bann des Coronavirus, sondern wird auch von politischen Spannungen gebeutelt. «Ich habe die Menschen aufgefordert, als Einheit den Kampf gegen das Virus anzunehmen», sagt Challandes.

«Es ist nicht einfach in Kosovo. Umso schöner wäre es, wenn wir den Leuten als Fussballnationalmannschaft eine Freude machen und uns für die EM qualifizieren könnten», sagt Challandes. Seine Hochrechnung: «Ich gehe davon aus, dass wir die Playoffs im November spielen.» Kosovo träumt weiter.

Frankreich: Bleibt Canal+ hart, droht einigen der Bankrott

Jeder ist sich selbst der Nächste. Lyons Präsident Jean-Michel Aulas fordert: «Wir müssen die ganze Saison streichen, als hätte sie gar nicht stattgefunden. Und die Tabelle der letzten Saison nehmen, um die Europacupteilnehmer zu bestimmen.» Jacques-Henry Eyraud ist vehement dagegen. Der Marseille-Präsident wirft Aulas Eigennutz vor. Lyon ist aktuell nur auf Rang 7, Marseille auf Platz 2. In der letzten Saison war Lyon Dritter, Marseille Fünfter...

Schlimmer ist aber, dass der Fernsehsender Canal+ die nun fällige Tranche von 110 Millionen Euro nicht bezahlen will. Im Schnitt machen die Fernsehgelder 36 Prozent der Einnahmen der Vereine aus. Saint-Etiennes Präsident Bernard Caiazzo befürchtet: «Das könnte ein Drittel der Klubs in den Bankrott treiben.»

Österreich: Rapid-Masken sind ein Renner

13'000 Fans haben sie bereits bestellt. «Danke Rapidler, ihr seid der Wahnsinn», hat sich die Klubführung auf der Website des SK Rapid Wien schon mal für das immense Interesse bedankt. Gefragt sind allerdings nicht Eintrittskarten für das Heimspiel gegen Red Bull Salzburg, sondern Masken. Weil die Regierung die Maskenpflicht in Supermärkten eingeführt hat, gibt es einen Run auf den Mund-und-Nasenschutz.

Rapid hat reagiert und Masken in den grün-weissen Klubfarben kreiert. «Ihr könnt damit eure Verbundenheit zu unserem Klub demonstrieren und uns zudem durch den Erwerb auch unterstützen», heisst es auf der Website. Der Preis: 5.95 Euro pro Stück. Der Haken an der Geschichte: Die Masken werden erst nach Ostern geliefert.