WIEDERSEHEN: Freunde werden zu Gegnern

Nachdem Beat Forster fast seine gesamte Karriere bei Davos verbracht hat, steht er seit dieser Saison für Biel auf dem Eis. Heute spielt er erstmals gegen seinen alten Verein – für ihn keine leichte Aufgabe.

Sergio Dudli
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Beat Forster stand über 800-mal in der National League im Einsatz. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Beat Forster stand über 800-mal in der National League im Einsatz. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Sergio Dudli

Auf dem Papier ist das erste Spiel zwischen Biel und Davos in dieser Saison nur eines von vielen auf dem Weg zum Playoff in der National League. Doch für Beat Forster ist es eine ganz besondere Angelegenheit: Abgesehen von einem dreijährigen Intermezzo bei den ZSC Lions spielte der 34-jährige Herisauer seine ganze Karriere bei den Davosern. «Spiele gegen den ehemaligen Verein sind nicht so einfach, wie viele immer denken», so Forster. «Mit vielen Spielern bei Davos habe ich jahrelang gespielt und Titel gewonnen – das schweisst zusammen.» Nun werden diese Teamkameraden, mit denen Forster vieles erlebt hat, plötzlich zu Gegenspielern.

Dass es überhaupt so weit kam, liegt nicht an Forster. Im bis 2019 laufenden Vertrag bei Davos gab es eine Klausel, die es dem Club erlaubte, den Routinier nach der Saison 2016/17 abzugeben. Diese Klausel zog der Club. «Ich bin ein Mensch, der gut einen Schlussstrich ziehen kann», sagt Forster. So kam es, dass ein 34-jähriger Routinier im Herbst seiner Karriere nochmals den Schritt ins Unbekannte machen musste. Die Karriere zu beenden, kam für ihn nie in Frage. «Auch in meinem Alter kann man sich im Eishockey noch gut fühlen.» Zudem stehe er auf dem Eis, seit er fünf Jahre alt war. «Ich habe diesen Sport lieben gelernt, das will ich nicht einfach aufgeben.»

Harter Verteidiger mit Herz für die Familie

Nachdem die Davoser dem physisch starken Verteidiger signalisiert hatten, dass der gemeinsame Weg ein Ende finden wird, gab es für Forster mehrere Optionen. «Neben Biel gab es andere Vereine, die mich gerne verpflichtet hätten. Es war ein langer Prozess, bis ich mich für Biel entschieden habe.» Er sei überzeugt, dass im Seeland etwas entstehen könne. So ging es also von den Bergen an den See – samt Frau und drei Kindern. Während des Telefoninterviews hört man den Nachwuchs im Hintergrund. «Warte kurz», schallt Forsters Stimme durch den Telefonhörer, als Papa verlangt wird. «Mit drei Kindern hast du immer etwas zu tun», sagt er wenige Sekunden später und entschuldigt sich für die kurze Unterbrechung.

Die Familie spielt in Forsters Leben eine zentrale Rolle. Nachdem sein NHL-Traum 2004 aufgrund des Lockouts in Nordamerika ins Wasser fiel, hatte er einige Jahre später nochmals die Chance, in die beste Liga der Welt zu gehen. «Aber meine Tochter war damals ein Jahr alt. Ich habe mich sofort für die Familie und gegen eine Karriere in Nordamerika entschieden.» So ging es für die Familie über Davos nun nach Biel. Sportlich gibt es für den in Herisau aufgewachsenen Forster derzeit keinen Grund, den alten Zeiten in Davos oder geplatzten NHL-Träumen nachzutrauern. Nach den ersten neun Runden spielen die Bieler oben mit, liegen einen Punkt vor dem heutigen Gegner und haben sogar elf Punkte Vorsprung auf die Teams unter dem Strich. «Wir hatten eine gute Vorbereitung und verfügen mit Mike McNamara über einen Trainer, der auf alles eine Antwort mit Hand und Fuss weiss», sagt Forster. Ein grosses Geheimnis für den guten Saisonstart gebe es aber nicht. «Und wenn, dann würde ich es nicht verraten.»

Die Gewinnermentalität bei Biel einbringen

Forster erklärt den Erfolg durch harte Arbeit und Disziplin. Im Vergleich zum Spielsystem in Davos – «das war Hauruck nach vorne» – will man bei Biel aus der stabilen Defensive heraus den Gegner in der Mittelzone abfangen und schnell umschalten. «In Davos gab es für die Zuschauer dank der Spielweise oft attraktive Spiele. Aber als Verteidiger war das nicht immer schön.»

Das Ziel der Bieler hat sich durch den guten Saisonstart mit 17 Punkten aus neun Spielen nicht geändert. «Wir wollen ins Playoff», so Forster. Aber der Verteidiger will noch mehr. Nach sechs Meistertiteln hat er eine Gewinnermentalität entwickelt, die er in Biel verankern will. «Als Spieler muss für dich jede Saison der Titel das Ziel sein. Viele Spieler von Vereinen, die um die Playoff-Teilnahme kämpfen, sind mit der Qualifikation zufrieden – das will ich hier ändern.»