Wieder im Scheinwerferlicht

Pablo Brägger qualifiziert sich an der EM in Montpellier mit der besten Leistung aller Turner für den Reck-Final vom Sonntag. Dank des Auftritts des 22jährigen St. Gallers können die Schweizer Kunstturner erstmals seit Jahren wieder auf eine Medaille hoffen.

Raya Badraun/Montpellier
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Pablo Brägger Ostschweizer Kunstturner (Bild: Luca Linder)

Pablo Brägger Ostschweizer Kunstturner (Bild: Luca Linder)

TURNEN. Die Frauen sind im Kunstturnen Stars. Tritt eine Titelverteidigern an, kreischen die Mädchen. Stürzt eine Athletin, geht ein Stöhnen durch die Ränge. Bei den Männern ist das etwas anders. Nicht einmal halbvoll waren die Ränge bei der gestrigen Qualifikation. Zwar wurde geklatscht, aber deutlich weniger euphorisch als bei den Frauen. Dies änderte sich, als Pablo Brägger das Reck verliess. Seine Anhänger schüttelten lautstark Kuhglocken und schwenkten Schweizer Fahnen. Seine Rückkehr nach einer einjährigen Verletzungspause wurde gefeiert – zu Recht. Für seine starke Übung am Reck erhielt er 14,866 Punkte, die beste Benotung aller Turner. Da sein grösster Konkurrent, der holländische Olympiasieger Epke Zonderland, gestürzt war und damit die Qualifikation verpasste, ist der 22jährige St. Galler nun im Gerätefinal vom Sonntag der deutliche Favorit.

Im Schatten von Steingruber

Der Auftritt von Brägger ist sinnbildlich für die Schweizer Kunstturner. Lange standen sie im Schatten von Ariella Kaeslin und Giulia Steingruber. Während die Frauen an Grossanlässen in den vergangenen acht Jahren acht Medaillen holten, sicherte sich bei den Männern nur Lucas Fischer eine. 2013 wurde der Aargauer in Moskau Zweiter am Stufenbarren.

Im vergangenen Herbst machten die Kunstturner an der WM in Nanning mit Rang sieben im Teamwettkampf wieder auf sich aufmerksam. Diese Plazierung war eine Überraschung, fehlten doch mit Brägger und Claudio Capelli zwei ausgezeichnete Mehrkämpfer. Doch genau dies zeigt die Stärke des Schweizer Kaders: Ihre Breite und Qualität. In China zeigten die Turner nicht die schwierigsten Übungen. Diese waren jedoch fehlerfrei. Auch nach Montpellier reiste die Schweiz nicht mit allen Spitzenathleten. Oliver Hegi und Eddy Yusof, die an der WM zu den Schlüsselfiguren gehörten, verzichteten verletzungshalber. Dennoch qualifizierten sich mit Brägger, Capelli (Mehrkampf), Christian Baumann (Mehrkampf und Barren) und Benjamin Gischard (Sprung) gleich vier Athleten für sechs Finals.

«Es ist super gelaufen», sagte Brägger nach der Qualifikation und lächelte. Nach seinem Auftritt am Reck fiel ihm ein Stein vom Herzen. «Danach ging die Bodenübung ganz von alleine.» Dies sah man dem Oberbürer an. Mit Leichtigkeit qualifizierte er sich als Zweiter auch für den Boden-Final. «Das war eine Überraschung», sagt Brägger.

«Auf dem richtigen Weg»

Die Auftritte in der Qualifikation sind nicht nur für die Finals gute Vorzeichen. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagt Brägger. «Das stimmt mich positiv für die WM.» In Glasgow wollen sich die Männer im Herbst als Team für die Olympischen Spiele 2016 qualifizieren. Es sieht ganz danach aus, dass auch dort nicht nur mit Steingruber gejubelt werden kann.

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