Wieder FCF-Dress statt Smoking

Als Mister Schweiz musste Luca Ruch das Fussballspielen fast ganz auf die Seite schieben. Jetzt will der 23-Jährige aber mit Frauenfeld in der 2. Liga interregional wieder ebenso viel Erfolg haben wie vorher an Galaabenden im Smoking.

Ruedi Stettler
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Luca Ruch (r.) im Match Frauenfeld gegen Aufsteiger Schaan. (Bild: Mario Gaccioli)

Luca Ruch (r.) im Match Frauenfeld gegen Aufsteiger Schaan. (Bild: Mario Gaccioli)

FUSSBALL. Es kam die 54. Minute im Startspiel der 2. Liga interregional zwischen Frauenfeld und Aufsteiger Schaan (1:2). Frauenfelds neuer Trainer Ueli Heeb holte Mittelfeldakteur Luca Ruch vom Feld. Mister Schweiz klatschte im Vorbeigehen seinen Chef zwar per Hand kurz ab, doch dann warf er sein Trikot auf die Rundbahn und setzte sich neben die Ersatzbank. Warf Schuhe und Stulpen ebenso weg und schaute sich das weiterhin langatmige Spiel seiner Teamkollegen an.

Und zwar engagiert. Beim Pfostenschuss (63.) sprang er hoch und raufte sich die Haare. Beim Ausgleich (70.) jubelte er kräftig mit. Auch als FCF-Keeper Florian Wehrli einen Penalty hielt. Verärgert musste er dann aber nur Sekunden später mit ansehen, wie ein weiterer Elfmeter zur Niederlage führte. Warum wurde er ausgewechselt? «Das muss der Trainer beantworten.» Aber seine Verärgerung über diese Massnahme war doch recht deutlich sichtbar? «Ja natürlich habe ich mich geärgert. Sehr sogar. Wir haben nicht gut gespielt. Mich eingeschlossen. Aber ich hätte gerne fertiggespielt und mitgeholfen, diesen Match noch umzudrehen.»

Luca Ruch gefiel bis zu seinem vorzeitigen Abgang dadurch, dass er versuchte, Ruhe ins Spiel zu bringen. Seine Zuspiele fanden meist den gewünschten Adressaten. Er fiel bei zwei kernigen Abschlüssen speziell auf. Sekunden vor der Pause flog der Ball aus 20 Metern knapp daneben, und in der 49. Minute drosch er das Leder mit vollem Risiko in die Wolken.

Extra die Ferien verschoben

Aber wie fit ist der doch anderwertig extrem stark engagierte Luca Ruch wirklich? Er lacht: «Ich habe die gesamte Vorbereitung mitgemacht und alle Partien absolviert. Ich bin topfit. Habe sogar extra meine Ferien verschoben, um wieder mit Frauenfeld spielen zu können.» Er macht eine kurze Pause, überlegt kurz und rechnet nach: «Im Hinblick auf diese neue Saison habe ich lediglich zwei Trainings verpasst. Ende August ist meine Zeit als Mister Schweiz abgelaufen, dann gibt es diese Diskussionen nicht mehr.»

Frauenfeld wirkte in diesem Startmatch etwas uninspiriert. Und die extrem leichtgewichtigen Stürmer kamen selten gewünscht in den Abschluss. Auffällig war auch, dass mit wenigen Ausnahmen immer Ermir Selmani die Freistösse ausführte. Alle waren harmlos und wurden eine sichere Beute des gegnerischen Goalies, oder sie landeten im Nirgendwo. Da hätte Heeb resoluter eingreifen müssen. Als sich nämlich in der 71. Minute Alexander Schlauri das Leder schnappte, führte die endlich einmal richtig scharfe Hereingabe durch Marcel Brechbühl prompt zum Ausgleich. Doch zu mehr reichte es nicht.

Für Ruch war dieses 1:2 nur ein Umfaller: «Man hat schon gemerkt, dass unsere Vorbereitung nicht so ideal war. Also müssen wir diesen Match sofort abhaken und nach vorne blicken. Am Wochenende folgt ein erneutes Heimspiel, diesmal gegen Phönix-Seen. Sollten wir wieder verlieren, erst dann müsste man von einem Fehlstart reden.» Phönix gewann das Derby gegen Töss mit 2:1.

Lob für den Trainer

Wer Ruchs Reaktion nach der Auswechslung aus der Nähe erlebt hat, der wundert sich über seine Aussage bezüglich des Nachfolgers von Thomas Staub: «Es freute mich, dass ich in die Evaluierung des neuen Trainers mit involviert war. Ueli Heeb hat in den Gesprächen gezeigt, dass er für dieses Amt alles unternimmt, und hat einen perfekten Eindruck gemacht. Auch an den Trainings gibt es gar nichts auszusetzen. Aber es wäre vermessen, wenn man sagen würde, das Team trägt schon seine Handschrift.»

USA und Südafrika warten

In den Medien war zuletzt häufig zu lesen, dass Luca Ruch in die USA oder nach Südafrika ziehen werde. Was ist daran wahr? Zuerst ist ein Schmunzeln die Antwort, dann vermeldet er: «Das Ganze wurde etwas überspitzt dargestellt. Ich hatte wirklich einen dreimonatigen Sprachaufenthalt in den USA geplant, doch der findet frühestens nach dieser Vorrunde statt. Südafrika ist sicher ein Thema, aber meine Freundin schliesst ihr Studium erst in zwei Jahren ab. Ich bleibe also noch ein bisschen hier und hoffe, mit dem FCF rasch wieder auf die Erfolgsstrasse zurückzukehren.»