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Wie unverzichtbar ist Lichtsteiner?

Captain Stephan Lichtsteiner fehlt derzeit im Nationalteam. Ob er in Zukunft noch dabei sein darf, ist offen. Der Nationaltrainer muss diesmal sensibler vorgehen.
Etienne Wuillemin, Reykjavik
Stephan Lichtsteiner (links): Spielt er in den Plänen des Nationaltrainers noch eine Rolle? (Bild: Toto Marti/Freshfocus (Leicester, 11. September 2018))

Stephan Lichtsteiner (links): Spielt er in den Plänen des Nationaltrainers noch eine Rolle? (Bild: Toto Marti/Freshfocus (Leicester, 11. September 2018))

Stephan Lichtsteiner ist ein Phänomen. Wenn er auf dem Platz steht, so richtig in Fahrt kommt, könnten seine Blicke töten. Ob Schiedsrichter, Mitspieler oder Trainer – niemand kann sich seinem Bann entziehen. Manchmal fragt man sich: Ist er enerviert, wütend gar? Oder doch einfach nur: ein Fussballer, durchtränkt mit dem Willen zum Sieg?

Während eines ganzen Jahrzehnts war der Adligenswiler Lichtsteiner die Konstante auf der rechten Abwehrseite. Er hat schon an der Heim-EM 2008 gespielt. Er hat die Weltmeisterschaften 2010, 2014 und 2018 mitgeprägt und auch die EM 2016. Er hatte sowohl bei Köbi Kuhn, Ottmar Hitzfeld als auch Vladimir Petkovic stets eine wichtige Rolle inne. Jetzt aber fehlt er.

Gegen Belgien und Island verzichtete Petkovic auf seinen Captain. Er hat den Herbst zur Zeit der Experimente erklärt. Und will herausfinden, ob es wirklich schon Zeit ist, um auf Spieler wie Lichtsteiner, Djourou oder Dzemaili definitiv zu verzichten. Es bringt uns zur entscheidenden Frage: Wie soll ein Nationaltrainer damit umgehen, wenn er seine Galionsfiguren schleichend in Rente schicken möchte?

Probleme mit der Kommunikation

Vladimir Petkovic hat viele Qualitäten. Er spürt den Fussball. Seit seinem Amtsantritt 2014 hat er es hingekriegt, das Team von Ottmar Hitzfeld sanft weiterzuentwickeln. Wir sehen heute eine Nati, die auch in Spielen wie gegen Belgien, Brasilien, Spanien oder England nicht in Ehrfurcht erstarrt. Zudem hatte die Schweiz noch nie derart wenig Probleme gegen kleinere Fussballnationen. Das ist auch Petkovic zu verdanken.

Eines aber kann gewiss niemand behaupten: Dass der Nationalcoach ein guter Kommunikator ist. Das hat nicht nur damit zu tun, dass er sich auf Deutsch nicht perfekt ausdrücken kann. Genauso wie Petkovic den Fussball spürt, fehlt ihm das Bewusstsein für die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt. Damit stellt er sich immer wieder selbst Fallen. Während der Krise im Sommer war er nicht präsent. Ob rund um die Doppeladler- oder Doppelbürgerdiskussion, niemand wusste, was der Nationaltrainer darüber denkt. Auch nach dem WM-Aus blieb Vladimir Petkovic stumm.

Am meisten geschadet hat Petkovic aber die Geschichte rund um den überstürzten Rücktritt von Valon Behrami. Petkovic gelang es nicht, seine Pläne des Experimentierens so zu vermitteln, dass sie der Kämpfer Behrami begriff. Ob Behramis Zeit im Nationalteam, auch aufgrund vieler Verletzungen, nicht ohnehin bald abgelaufen wäre, sei einmal dahingestellt. Doch die Moderation über das nahende Ende im Nationalteam eines sehr verdienten Spielers ist ziemlich missglückt.

Wie gelingt der verdiente Abschied?

Im besten Fall war das für Petkovic eine Warnung zum richtigen Zeitpunkt. Erneute Nebengeräusche kann er sich nicht leisten. Lichtsteiner ist eine Institution des Schweizer Fussballs. Im September hat er massgeblich dazu beigetragen, die Vorfälle rund um die WM aufzuarbeiten. Sein Weg als Fussballer beeindruckt noch heute. Er, der Arbeiter, der weniger Talent hatte als viele andere, aber dies mit seinem unvergleichlichen Willen wettmachte, hat eine Karriere gemacht, die ihm nicht mancher zugetraut hätte. Grasshoppers, Lille, Lazio Rom, Juventus Turin – sieben Meistertitel in Folge gewann er mit den Italienern. Und auch jetzt, mit 34 Jahren, scheut er sich nicht, bei Arsenal noch einmal eine grosse Herausforderung anzunehmen.

Die Frage, wie unverzichtbar Lichtsteiner wirklich ist, treibt die Fussball-Schweiz schon lange um. Zwischen baldigem Abschied und letztem Hurra scheint alles möglich. Die Konkurrenz mit Kevin Mbabu und Michael Lang ist näher gerückt. Entscheidend ist: Wie auch immer die Zukunft aussieht, Lichtsteiner hat es verdient, dass Petkovic frühzeitig in aller Offenheit kommuniziert, welche Pläne er für seinen Captain hat. Zu gross sind seine Verdienste.

Unter Petkovic sind zwei grosse Figuren des Schweizer Fussballs einfach so von der Bildfläche verschwunden, Gökhan Inler und Valon Behrami. Die Geschichte sollte sich nicht wiederholen.

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