Wie Phönix aus der Asche

Der FC Valencia grüsst derzeit vom dritten Tabellenplatz der Primera Division. Noch vor wenigen Monaten stand der Club vor dem Aus. Die Entwicklung der Spanier in den vergangenen Monaten ist beeindruckend. Einen grossen Anteil daran hat ein zwielichtiger Investor.

Andy Sager
Drucken
Teilen
Der FC Valencia kann wieder jubeln. Das Team überzeugt zurzeit im Kollektiv. (Bild: epa/Domenech Castello)

Der FC Valencia kann wieder jubeln. Das Team überzeugt zurzeit im Kollektiv. (Bild: epa/Domenech Castello)

FUSSBALL. Noch vor wenigen Monaten stand Valencia am Abgrund. Trotz des Erreichens der Europa League, wo die Spanier auch auf St. Gallen trafen, führte langjährige Misswirtschaft den Verein vor das Aus. Damals, im Oktober 2013, war das 5:1 gegen die Ostschweizer Gäste ein schöner europäischer Lichtblick in der Alltagstristesse. Heute grüsst das Team vom dritten Tabellenplatz. Nach elf Spielen hat Valencia nur drei Punkte Rückstand auf Leader Real Madrid.

Noch im Januar wäre das undenkbar gewesen. Das Team dümpelte im Tabellenmittelfeld herum, den Club drückten mehrere hundert Millionen Franken Schulden. Der Traditionsverein konnte «keinen einzigen Euro mehr bezahlen», wie Präsident Amadeo Salvo sagte. Deshalb wurde der Verkauf beschlossen. Im Oktober übernahm nun Peter Lim die Mehrheit. Dem Singapurer Investor wird vom Magazin «Forbes» ein Vermögen von 2,4 Milliarden Franken attestiert. Nachdem mit Geld, das direkt von Lim stammt, mit vielen Gläubigern eine Einigung erzielt und der Konkurs damit abgewendet werden konnte, stehen nun andere Projekte an.

Neues Stadion soll fertig werden

Abseits des Platzes rückt das neue Stadion wieder in den Fokus. Während der Finanzkrise wurde das Nou Mestalla, wie der Neubau heisst, zum Sinnbild der Misere. Die Realisierung sollte finanziert werden durch einen Verkauf des altehrwürdigen Mestalla-Stadions, der aber nicht abgesichert war. Da die Veräusserung an die Stadt scheiterte, ging bald das Geld aus. Bis heute steht nur der Rohbau der Arena. Mit einem Teil der 360 Millionen Franken, die Lim in den Verein investieren will, soll das Stadion bis zum 100-Jahr-Jubiläum 2019 fertiggestellt werden.

In das Kader investierte Valencia schon im Sommer einen Teil des neuen Reichtums, nachdem mit Nuno Santo schon ein neuer Coach geholt wurde. Lucas Orban, Rodrigo de Paul, Andre Gomes und Weltmeister Skhodran Mustafi kosteten über 42 Millionen Franken. Hinzu kamen mehrere Leihspieler wie Alvaro Negredo von Manchester City.

So hat das Team erst ein Saisonspiel verloren. Die neuen Akteure überzeugen. Gepaart mit der direkteren Spielweise des Trainers, der vom Ballbesitz-Fussball abkehrte, ergab sich eine erfolgreiche Mischung. Auch Talente wie Paco Alcácer blühen nun auf. Die ausserordentliche Entwicklung des 21-Jährigen wurde im September mit dem Début im spanischen Nationalteam belohnt.

Ungewissheit bleibt vorerst

Lim selbst aber gilt als skrupelloser Geschäftsmann und hat gute Beziehungen zu verachteten Spielerberatern. Es bleibt daher abzuwarten, ob Valencia der Spagat zwischen Innovation und Geschäftemacherei gelingt. Angesichts des Kaders und des neuen Spielstils ist zumindest das sportliche Fundament gegeben, um auch im Nou Mestalla eine rosige Zukunft zu erleben.

Aktuelle Nachrichten