Olympische Spiele, Klub-WM, Lauberhorn: Wie China den Sport instrumentalisiert

Olympische Winterspiele, Fifa-Klub-Weltmeisterschaft und bald wohl auch die richtige Fussball-Weltmeisterschaft. China erweitert seinen globalen Einfluss im Sport. Selbst im Wintersport, wo man jüngst eine Partnerschaft mit dem Schweizer Ski-Verband Swiss Ski einging.

Simon Häring
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2022 finden in Peking Olympische Winterspiele statt.

2022 finden in Peking Olympische Winterspiele statt.

Bild: Keystone

Olympische Winterspiele 2022 in Peking

Olympische Spiele sind in der Kategorie des Sportwashing, also dem Versuch totalitärer Regimes, seine Imageprobleme unter dem Konfettiregen des internationalen Sports zu verstecken, die ultimative Königsdisziplin. Nach den Sommerspielen 2008 finden vom 4. bis 20. Februar 2022 in Peking Olympische Winterspiele statt. Nie zuvor war eine Stadt Austragungsort von Winter- und Sommerspielen. Zu den zahlungskräftigen Geldgebern gehören inzwischen der Online-Händler Alibaba und der Milchproduzent Mengniu Dairy. Daneben stellt China in Zaiqing Yu auch einen Vize-Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und mit Yang Yang bald die Vizepräsidentin der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Wie passend - Doping und China ist ja auch so eine Geschichte. Die Winterspiele in Peking stehen unter dem Protektorat der Staatsführung um Xi Jinping.

Klub-WM in China – und bald auch die richtige WM

Ab 2021 findet in China die neue Fifa-Klub-WM statt.

Ab 2021 findet in China die neue Fifa-Klub-WM statt.

Bild: Keystone

Jüngst krönte sich Champions-League-Sieger Liverpool in Katar zum Klub-Weltmeister. Das Format ist überholt und der Wettbewerb geniesst wenig Ansehen. Geht es nach dem Fussball-Weltverband Fifa, wird sich das ab 2021 ändern. Dann finden die Klub-Weltmeisterschaften in neuem Format statt. Und zwar in: China. Welche 24 Teams daran teilnehmen, ist indes noch offen. Die Fifa arbeitet mit den sechs Kontinentalverbänden noch an einem Qualifikationssystem. Was Fifa-Präsident Gianni Infantino nicht daran hindert, von einem «historischen Entscheid» zu sprechen. Gefällt? In Shanghai, China, natürlich. Infantinos Verband pflegt ohnehin enge Beziehungen zu China, was sich zum Beispiel beim Sponsoring durch den chinesischen Mischkonzern Wanda zeigt. Dass China nach der Klub-WM in absehbarer Zeit auch den Zuschlag für die richtige WM erhält, etwa die im Jahr 2030, gilt auch darum als äusserst wahrscheinlich.

250 Millionen Euro für den Deutschen Fussball

Der FC Bayern hat den Wert des chinesischen Marktes längst erkannt.

Der FC Bayern hat den Wert des chinesischen Marktes längst erkannt.

Bild: Keystone

Dem Reiz des Geldes aus China ist auch die deutsche Bundesliga längst erlegen. Seit März betreibt die Deutsche Fussball Liga in Peking ein Büro. Borussia Dortmund, Bayern München, Eintracht Frankfurt, Schalke 04, Wolfsburg und Mönchengladbach betreiben Repräsentanzen. Ende 2016 wurde auf höchster politischer Ebene ein Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Fussballverband und dem chinesischen Bildungsministerium unterzeichnet. China ist das Kerngebiet des asiatischen Marktes. Allein der laufende TV-Vertrag bringt der Deutschen Fussball Liga binnen fünf Jahren 250 Millionen Euro. Der Fussball geniesst unter Xi Jinping höchste Priorität. Bis 2050 entstehen 70'000 neue Fussballfelder, und bis dahin soll China zur Weltspitze gehören. Bereits heute bezeichnen über 300 Millionen Chinesen Fussball als ihren Lieblingssport. Ein gigantischer Wachstumsmarkt. Und enormes Potenzial für Wachstum.

Wenn selbst NBA-Manager handzahm werden

Die NBA erwirtschaftet einen grossen Teil ihres Umsatzes in China.

Die NBA erwirtschaftet einen grossen Teil ihres Umsatzes in China.

Bild: Keystone

China hat schon gezeigt, dass es halbe Kontinente kaufen kann, da ist der Sport ja ein kleines Problem. Welche Folgen der starke Einfluss im Sport haben kann, erfuhr die nordamerikanische Basketball-Liga NBA jüngst in voller Härte. Daryl Morey, Teammanager der Houston Rockets, hatte sich via Twitter mit den Demonstranten in Hongkong solidarisiert. Rund ein Zehntel des Umsatzes erwirtschaftet die NBA in China, der Anteil soll sich in der nächsten Dekade verzehnfachen. Der staatliche Sender China Central Television (CCTV) stellte daraufhin die Übertragungen aller Spiele ein, wie auch der Streaming-Dienst Tencent, der für die Rechte bis 2025 1,5 Milliarden Dollar bezahlt haben soll. Und der Online-Händler Alibaba, auf dessen Plattform die NBA im letzten Jahr 1,8 Milliarden Dollar erwirtschaftet hat, entfernte alle Artikel. Die NBA musste sich offiziell entschuldigen. Zu abhängig ist man vom chinesischen Markt.

Swiss Ski und Handy-Hersteller Huawei

Die Produkte des chinesischen Telekomausrüsters Huawei gelten als technisch fortschrittlich und sind in der Regel günstiger als die Alternativen europäischer Anbieter. Das Unternehmen gibt sich betont staatsfern, doch daran bestehen Zweifel. Huawei steht im Verdacht, Daten an die chinesischen Behörden weiterzugeben. Nicht zuletzt deswegen haben die USA Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt und aus Angst vor Spionage vom Aufbau des 5G-Netzes ausgeschlossen. Gleichwohl ist man beim Schweizer Ski-Verband Swiss Ski stolz auf eine Partnerschaft über drei Jahre, die man mit Huawei eingegangen ist. Markenbotschafterin ist Olympia-Siegerin Wendy Holdener, bei den Weltcup-Rennen in St. Moritz und am Lauberhorn ist Huawei Sponsor. «Mit dieser Partnerschaft bekräftigen wir unser Commitment für «Swissness», sagt Haitao Wang, CEO von Huawei Schweiz.