Widerstand aus dem Thurgau

Mit dem Projekt «FutureChampsOstschweiz» sollen junge Fussballer gefördert werden. Die erste Bilanz von Projektleiter Roger Zürcher fällt positiv aus. Vorerst wollen sich aber nicht alle Vereine des Ostschweizer Fussballverbandes beteiligen.

Markus Zahnd
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Roger Zürcher (Bild: Urs Bucher)

Roger Zürcher (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Auf dem Papier scheint es ganz einfach: Fussball-Talente aus der Ostschweiz sollen möglichst nahe an ihrem Wohnort gefördert werden und letztlich die Chance erhalten, entweder in Wil oder in St. Gallen in den Profifussball einsteigen können.

Im Juni wurde das Projekt «FutureChampsOstschweiz» vorgestellt, nun zieht Roger Zürcher, der als technischer Leiter der Nachwuchsabteilung des FC St. Gallen eine treibende Kraft des Projekts ist, eine positive erste Bilanz: «Wir sind auf gutem Weg. Der Start ist geglückt, ein Grossteil der 140 Vereine im Ostschweizer Fussballverband steht hinter dem Projekt.» Zumindest bis jetzt nicht mit im Boot sitzt mit dem FC Frauenfeld aber ein Club, der mit seinen 400 Junioren eine der grössten Nachwuchsabteilungen der Ostschweiz besitzt.

«Nicht ausgereift»

Dabei hat Frauenfelds Präsident Michael Krucker grundsätzlich nichts gegen das Projekt. Aber für ihn ist es noch nicht ausgereift: «Für mich steht nicht fest, was mit jenen Spielern passiert, die den Sprung ins Profigeschäft nicht schaffen. Kehren diese dann wirklich wie in der Theorie vorgesehen zu ihren Stammvereinen zurück? Jeder Verein sollte sich also fragen, was ihm das Projekt bringt.» Die grössten Nutzniesser seien der FC St. Gallen und der FC Wil, die von der Ausbildung der Spieler am meisten profitierten, sagt Krucker.

Gerade für die Vereine im Kanton Thurgau gibt es aber noch weitere Fragezeichen. Erstens hat der Thurgauer Fussballverband in den vergangenen Jahren erfolgreich mit dem FC Zürich zusammengearbeitet. Der Vertrag läuft zwar im Sommer aus. Doch für viele Spieler gerade aus der Region Frauenfeld ist der Raum Zürich geographisch näher. «Nicht nur der FC Zürich, sondern auch der FC Winterthur mit seiner guten Nachwuchsarbeit liegt für viele unserer Junioren näher», sagt Krucker. Zwar betont Zürcher, dass für die Vereine aus den Randregionen auch spezielle Regelungen möglich seien. Und dass nur St. Gallen und Wil profitierten, stimme so nicht. «Für uns steht der einzelne Spieler im Zentrum und nicht irgendein Verein.»

FC Frauenfeld als Knacknuss

Dennoch weiss Krucker noch nicht, ob sich der FC Frauenfeld mit seinen 400 Junioren am Projekt beteiligt. Noch zu viele Fragen seien offen. «Und nachdem uns das Projekt vorgestellt wurde, hat niemand mehr mit uns gesprochen», sagt Krucker. Zürcher bezeichnet den «Fall FC Frauenfeld» denn auch als Knacknuss. Man werde in den kommenden Wochen aber das Gespräch suchen.

Einheitliche Philosophie

Obwohl die Beteiligung weiterer Vereine im Kanton Thurgau noch offen ist, spricht Zürcher bereits von den nächsten Schritten. «Jetzt geht es darum, die Ausbildungsphilosophie von Trainern und Spielern in den Stützpunkten zu vereinheitlichen.» Denn sonst, und das gibt auch Zürcher zu, bleibe das Projekt tatsächlich ein Papiertiger.