Wichtiger Sieg auf st. gallisch

Mit einem sicheren 2:0-Erfolg gegen Sion geht der FC St. Gallen in die Winterpause der Super League. Damit legen die Ostschweizer für ihren Traum – die Qualifikation zur Europa League – ein nächstes, wertvolles Scheit ins Feuer nach.

Christian Brägger
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FUSSBALL. Beim FC St. Gallen tritt diese Beobachtung in der Vorrunde der Super-League-Saison 2014/15 häufig ein: wenn die Zuschauer auf den Rängen der AFG Arena beginnen, unzufrieden zu werden und ihren Unmut zaghaft äussern, oftmals genau dann schlägt er zu. Im Spiel der letzten Runde vor der Winterpause gegen den FC Sion war dies nicht anders. Und wieder einmal bekämpfte die Mannschaft von Trainer Jeff Saibene die aufkommenden Symptome der Anhänger mit der bestmöglichen Medizin des Tores.

Mathys und Tafer als Faktoren

Nach einer ersten Halbzeit mehr oder weniger zum Vergessen – weil sie auf beiden Seiten ausser jeweils einer Möglichkeit nicht stattgefunden hatte – startete St. Gallen nach der Pause mit dem Paukenschlag. Marco Mathys profitierte in der 49. Minute von der allgemeinen Orientierungslosigkeit der Gäste, nachdem Yannis Tafer einen Corner auf den Fünfmeterraum getreten und sich Sions Goalie Dany Da Silva und der eigene Verteidiger Léo Lacroix gegenseitig behindert hatten. Albert Bunjaku legte den Ball auf Marco Mathys zurück, der seinerseits per Kopf das 1:0 in die lange Torecke erzielte.

Es war dies der verdiente Lohn einer sich ankündigenden Leistungssteigerung. Per sofort agierte St. Gallen fröhlicher, um es in der Sprache der Mimik auszudrücken, nachdem er noch zuvor die Unsicherheiten der vergangenen drei sieglosen Spiele nicht hatte verbergen können. Der Schalter war umgelegt, auch dank Aggressivleader Everton zeigte das Heimteam wieder den Biss aus dem freundlichen Herbst mit der neun Spiele andauernden Unbesiegtheit. Als Mathys in der 69. Minute den gefälligen Tafer clever bediente und der Franzose den Ball mit einem Heber über den herauseilenden Goalie ins Tor lupfte, konnten sich die 12 353 anwesenden Zuschauer sicher sein: St. Gallen wird mit dem wichtigen Sieg im Gepäck ins Neue Jahr starten.

Saibene sagte: «Wir wollten den Rhythmus erhöhen, das ist uns gelungen. Ich bin stolz auf das Team.» Dank des Erfolgs rückten die Ostschweizer in der Tabelle auf den vierten Platz vor und sind nun zum drittenmal nach dem Aufstieg in die Super League zur Winterpause unter den besten Fünf. Das wusste Saibene hoch zu würdigen. «Das ist alles überhaupt nicht selbstverständlich für uns.»

Zwei Gefühlswelten

Das komplett gegensätzliche Bild gab Jochen Dries, der deutsche Coach der Gäste ab: «Ich gratuliere St. Gallen zum Jahresabschluss. Für mich kann nun alles kommen. Man kennt ja die Gepflogenheiten des Hauses.» Womit wohl angenommen werden darf, dass Sion-Präsident Christian Constantin sich den zweitletzten Platz unter dem Weihnachtsbaum nicht gefallen lässt. Die Gefühlslage der Walliser und die Konsequenzen ihrer Niederlage konnte indes dem FC St. Gallen egal sein. Auch musste er nicht weiter darüber lamentieren, dass der Schiedsrichter in der 72. Minute einen klaren Handspenalty verweigert hatte. Vielmehr interessierte ihn der nochmalige Blick auf die Tabelle, in der man dank des 2:0 auf dem vierten Platz überwintert und auf die Teilnahme an der Qualifikation für die Europa League schielen darf. So stimmte am Schluss einfach alles: Der FC St. Gallen liess sich feiern, steht vor allem rangmässig mehr als im Soll, und die Anhänger verliessen die AFG Arena gutgelaunt nach diesem typischen Heimsieg. Bis ihm im Schweizer Cup noch Buochs aus der 2. Liga interregional zugelost wurde. Ja war denn schon Weihnachten?

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