Whitaker als Spielverderber

Peter Wyrsch
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Reiten Der britische Altmeister Michael Whitaker war am Starttag des CSIO Schweiz in St. Gallen der grosse Schweizer Spielverderber. Steve Guerdat drehte im Stechen der Hauptprüfung mit ­seiner Belgier-Stute Hannah eine so schnelle und souveräne Nullerrunde, dass der Sieg des Olympiasiegers von London sicher schien – bis der 57-jährige Routinier mit Viking kam.

Werner Muff mit dem erst neunjährigen Holländer Daimler sprang in der GP-Qualifikation auf Platz drei, Niklaus Rutschi kam nach einem Versehen mit dem ebenfalls erst neunjährigen Inländer Cardano auf Rang acht. Somit blieb es bei Schweizer Podest- und Ehrenplätzen im Aufgalopp auf sattgrünem Rasen im Gründenmoos. Im Zweiphasen-Springen verhinderte Kukuk einen Schweizer Doppelsieg. Es handelt sich aber nicht um den taubengrossen Vogel mit grauem Gefieder, sondern um den 27-jährigen deutschen Springreiter Christian Kukuk, der den Luzerner Paul Estermann mit Cornet’s Hope und den im Jura eingebürgerten Holländer Edwin Smits mit Dandiego auf die Ehrenplätze verwies. Wie der Reviervogel mit dem typischen Ruf, trägt der Schüler des vierfachen Olympiasiegers Ludger Beerbaum auch einen grauen Rock. Er flattert und singt aber nicht, sondern springt. Und im Sattel der Fuchs-Stute Alena sehr schnell und fehlerlos. Im Ziel hatte er 87 Hundertstel Vorsprung auf Estermann, den Vorjahressieger in St. Gallen in der gleichen Prüfung. Als drittbester Schweizer rutschte Walter Gabathuler in die Klassierung. Mit seinem kräftigen und guckrigen Holsteiner-Schimmel Silver Surfer bewies der «Altmeister», dass er auch mit bald 63 Jahren noch nichts verlernt hat.

Schweizer Equipe als Dritte

Einen dritten Platz formulierte Equipenchef Andy Kistler als Minimalziel für den heute am CSIO St. Gallen ausgetragenen 90. Nationenpreis der Schweiz. Als dritte der acht Mannschaften wurden die Gastgeber auch ausgelost. Das Schweizer Team, das seit 21 Jahren in St. Gallen sieglos ist, wird in folgender Besetzung und Reihenfolge antreten: Startreiter ist der Weltcup-Zweite Romain Duguet mit Twentytwo des Biches, als zweiter Reiter geht der in Wängi heimisch gewordene Martin Fuchs mit Clooney an den Start. Paul Estermann, der erfolgreichste Turnierreiter des Vorjahres, trägt die Nummer drei, und als Schlussreiter ist Steve Guerdat mit Bianca vorgesehen.

«An der Medienkonferenz müssen wir als Gastgeber ohnehin erscheinen. Wir hätten aber nichts dagegen, wenn wir absitzen könnten», flachste Kistler. Will heissen, dass der Teamchef mit seiner derzeit stärkstmöglichen Equipe den Nationenpreis-Sieg anstrebt. Sitzen dürfen nämlich nur die Sieger.

Die undankbare Startnummer eins zog Rekordsieger Deutschland (19 Erfolge). Vorjahressieger Irland wird als fünfte Nation starten. Italien, Sieger vor Wochenfrist beim Heimspiel in Rom, wird als sechstes Team einreiten. Den Abschluss des Starterfeldes bilden die Mannschafts-Olympiasieger aus Frankreich. Im vierten Teamwettbewerb der europäischen Spitzenliga der Saison sind Deutschland, Schweden, Italien, Frankreich und die Schweiz auf Punktejagd. Brasilien, Irland und Belgien können nur Spielverderber spielen und der Konkurrenz im verwirrenden Reglement Punkte «stehlen».

Peter Wyrsch