Kommentar

Wer stoppt ihn – den allmächtigen, finanzstarken Präsidenten?

Marcel Kuchta
Drucken
Teilen
Christian Constantin an der Pressekonferenz am Tag nach seiner Prügelattacke.

Christian Constantin an der Pressekonferenz am Tag nach seiner Prügelattacke.

Keystone

Eines vorneweg. Der FC Sion ist seit meiner Kindheit der Fussball-Klub meines Herzens. Ich habe die Leidenschaft, das Herzblut und die Emotionen rund um das Tourbillon immer geliebt. Die Tatsache, dass jedes Gastteam den Besuch im Stadion mit seinen heissblütigen Fans fürchtete, machte mich stolz.

Aber: In den letzten Jahren wurde es immer schwieriger, diese Zuneigung aufrechtzuerhalten. Der Hauptgrund hat einen Namen: Christian Constantin. Der allmächtige, finanzstarke Präsident, ohne den es den FC Sion im Spitzenfussball eben längst nicht mehr gäbe.

Es ist genau dieser Zwiespalt, der letztlich jeden Anhänger, in dessen Brust ein rotweisses Herz schlägt, beschäftigt. Es ist das Wissen, dass man von einem bisweilen selbstherrlichen, unberechenbaren und rücksichtslosen Menschen ohne jegliches Unrechtsempfinden abhängig ist.

Einem Menschen auch, der die «Wir-gegen-alle-anderen»-Mentalität des Kantons Wallis vorlebt wie kein Zweiter. Man löst Probleme dann mitunter «à la valaisanne», auf Walliser Art und Weise – und wendet halt mal körperliche Gewalt an.

Mit seinem Angriff auf Rolf Fringer hat Christian Constantin, der schon so einiges auf dem Kerbholz hatte, endgültig eine Grenze überschritten, die er nicht hätte überschreiten dürfen. Dass er nach all den verbalen Attacken des Teleclub-Experten Fringer keinen anderen Weg mehr sah, als ihm Ohrfeigen und Fusstritte zu verpassen, sagt viel aus über das Wesen und Wirken des Menschen Constantin.

Vor allem, dass er es auch am Tag danach nicht fertig brachte, sich für seine Tat zu entschuldigen. Im Gegenteil: er schaffte es sogar, sich als Opfer einer Verleumdungskampagne darzustellen.

Am meisten leidet unter dem Gebaren seines unberechenbaren Chefs, der in seinem Wesen und Wirken bisweilen an US-Präsident Donald Trump gemahnt, aber der FC Sion. Mit seinen unzähligen Trainerwechseln und permanenten Spielertransfers hat es Constantin längst fertiggebracht, dass sich kaum mehr ein Fan wirklich mit dem ehemaligen Vorzeigeverein eines ganzen Kantons identifizieren kann.

Die grosse Frage ist: Wer stoppt ihn? Constantin hat seine Entfesselungskünste schon mehrmals unter Beweis gestellt. Seine Entgleisung in Lugano darf aber nicht ohne gravierende Konsequenzen bleiben.