FC Aarau

Wer ist der Mann, der den FCA aufpäppeln soll?

Er sei der Einzige gewesen, der sofort verfügbar war. Und auch der Einzige, der zu diesem niedrigen Lohn sein Amt habe antreten wollen. Spekulationen rund um den neuen Trainer des FC Aarau: René Weiler.

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René Weiler

René Weiler

Keystone

In St. Gallen wird dem 37-jährigen Weiler nachgesagt, er habe den Verein fast gegen die Wand gefahren. Als der FC St. Gallen wochenlang am Tabellenende lag, musste René Weiler über sich im «Blick» lesen, er tauge höchstens als Sekretärin. Ausgesprochen hat dieses Unmot ausgerechnet Edgar Oehler, der Namensgeber des neuen Stadions und ehemaliger Investor.

Doch seine Worte wurden gehört. Obwohl Weiler als Sportchef Aguirre, Callà, Garat und Gjasula nach St. Gallen holte, und Weiler erreichte, dass der damalige Goalgetter Alex Tachie Mensah - in St. Gallen wurde der Winterthurer nicht warm. Etwas, das schon Weilers Ziehvater, Rolf Fringer, erfahren musste. Doch während Fringer den jovialen Typ, der mit Entscheidungsträgern Golf spielt, verkörperte, sah man im jungen Weiler, dem Zürcher, der immerhin Eric Hassli entdeckte, stets nur den arroganten, redegewandten Kerl.

Auch als Arroganz wurde im Espenstadion ausgelegt, dass er als er nach St. Gallen kam, als Erstes eine seltsame Sitte unterbunden haben soll: Die geheimen und vertraulichen Spielerverträge waren bis anhin von einer Frau aufgesetzt worden, die beim Verein keinerlei Funktion inne hatte, sondern einfach ein Fan war: Rosemarie Stadelmann. Die Frau des Ligabosses Peter Stadelmann. Weiler legte sich also gleich zu Beginn mit den Vorstandsoberen an.

Magere Ausbeute beim FC Schaffhausen

Die Ausbeute von René Weiler beim FC Schaffhausen ist zuletzt allerdings nicht so ergiebig: nur drei Punkte mehr erzielte der Klub als der gebeutelte FC Aarau, als dessen Trainer Weiler nun amtiert. Er war laut FCA-Sprotkoordinator Urs Bachmann «einer der fünf Trainerkandidaten, mit denen wir Gespräche führten».

Am Tag nach der offiziellen Bekanntgabe relativiert Bachmann Weilers angeblich magere Ausbeute beim FC Schaffhausen: «Weiler hat eine ausgezeichnete Bilanz. Sein Team ist gut organisiert, spielt mit Leidenschaft. Und mit bescheidenen Mitteln hat Weiler viel erreicht. Sein grösstes Plus aber ist: Er kennt die Liga», so Bachmann gegenüber «Radio Argovia».

Cool und diszipliniert

Wenig Persönliches ist über ihn bekannt. So soll er ein Journalismus- und Kommunikationsstudium begonnen haben und ein ausgezeichneter Jasser sein. Sportkenner monieren aber, dass Weiler auch nicht der harte Hund sei, der seinen Spielern mal in den Hintern trete (wie etwa Mitkandidat Raimondo Ponte – unter dem Weiler übrigens bei FC Zürich spielte, zuvor war Weiler beim FCA und bei Servette).

Also ein Schmusetrainer? Auch da widerspricht Bachmann: «Auch das stimmt nicht. Weiler ist ein sehr guter Motivator, zielstrebig und konsequent.» Auch dass Weiler der Einzige gewesen sei, der dem Vernehmen nach tiefen Trainerlohn akzeptieren habe wollen, tut FCAs Sportkoordinator als Humbug ab. «Wir haben uns schon vorher einen Budgetrahmen zurecht gesteckt, und Weiler bewegte sich wie seine vier Mitkandidaten auf demselben Niveau.»

Weiler galt als eines der grossen Talente im Schweizer Fussball. In der Saison 1993/94 wurde er als Rookie of the Year gewählt, hinter Murat Yakin und Oliver Neuville. 1997 erhielt er seine erste Nationalelf-Berufung von Rolf Fringer.

Sein einziges offizielles Länderspiel bestritt er am 7. Februar 1997 in Hongkong gegen Russland (1:2), als er in der 56. Minute für den verletzten Murat Yakin eingewechselt wurde. Vier Tage zuvor gegen eine Hongkong-Auswahl traf er gar zum 4:1-Endstand.

Im Frühling 1997 erlitt er einen Bänderriss, und in der Folge wurde er drei Mal am Fuss operiert. 1998 kehrte er zum FC Winterthur zurück; er musste kürzertreten und sollte in der 1. Liga mit weniger Belastung den Fuss schonen können. Sein Stammklub schaffte mit ihm in der ersten Saison die Rückkehr in die NLB. Nachdem er sich im Mai 2000 erneut eine Knieverletzung zuzog, war er ab 2001 unter Walter Grüter Assistenztrainer und übernahm später die U18-Junioren. (cls)