Wenn's plötzlich wieder läuft

Der FC St. Gallen gewinnt das Heimspiel der 27. Runde der Super League gegen die Berner Young Boys dank einer Reduktion eigener Fehler und einer Steigerung des Selbstvertrauens 3:1. Die Nachhaltigkeit muss sich aber erst weisen.

Andy Sager
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Roberto Rodriguez, Mickaël Facchinetti und Yannis Tafer (von links) können endlich wieder jubeln. (Bild: Michel Canonica)

Roberto Rodriguez, Mickaël Facchinetti und Yannis Tafer (von links) können endlich wieder jubeln. (Bild: Michel Canonica)

FUSSBALL. Für Aussenstehende ist es schwierig zu verstehen: St. Gallen zeigte im Heimspiel gegen die Young Boys eine erste Halbzeit, die spielerisch nicht viel besser war als die Partien zuvor gegen Sion, Thun oder Basel. «Wir haben nicht schön gespielt», gab auch Goalie Daniel Lopar zu. Dennoch gelang den St. Gallern nach zuletzt vier deutlichen Niederlagen in Cup und Meisterschaft der so ersehnte Punktgewinn. Denn in der zweiten Halbzeit glichen die Gastgeber nicht nur zum 1:1 aus, nachdem Alexander Gerndt die Berner nach 24 Minuten in Führung gebracht hatte. Das 1:1, bei dem Yannis Tafer in der 53. Minute Roberto Rodriguez genial mittels Chip lancierte, liess sodann den Willen, den die St. Galler Spieler zeigten, auf die Ränge überschwappen.

Verunsicherung zu Beginn

«Wir mussten den Leuten etwas zurückzahlen», sagte Lopar. Die 15 167 Zuschauer goutierten den Einsatz und peitschten ihr Team nach vorne. Der Druck, den die St. Galler nun auf die Berner aufbauen konnten, wuchs parallel zum Selbstvertrauen der zuletzt gebeutelten Ostschweizer. Zwar schlichen sich bei St. Gallen erneut individuelle Fehler ein, die in den vergangenen Spielen fatal waren. «Zu Beginn waren wir verunsichert», sagte Goran Karanovic. Die anfängliche Verunsicherung brachte das Heimteam aber für einmal nicht aus dem Tritt. «Wir sind auch nach dem Gegentor mental stark geblieben», so Tafer. Dennoch war es nach 45 Minuten Bern zu verdanken, dass die Partie nicht entschieden war. «Wir haben es verpasst, das Spiel früher zu entscheiden», sagte Uli Forte, Trainer der Young Boys. Damit meinte er Chancen wie jene von Raphaël Nuzzolo, der in Ruhe zweimal am Tor vorbeizielte. «Dann hat St. Gallen Lunte gerochen», so Forte.

Tatsächlich zeigte das Team von Trainer Jeff Saibene nach Wiederanpfiff direkt seine Entschlossenheit und übernahm das Spieldiktat. «Wir haben in der Pause gesagt, dass wir noch mehr Leidenschaft brauchen und das Glück provozieren müssen», verriet Saibene. Und tatsächlich: Die zuvor 13mal unbesiegten Berner fanden plötzlich keine Wege mehr, das St. Galler Spiel zu unterbinden. «Wir waren zu passiv», so Forte. Alain Rochat konnte Daniele Russo im Strafraum nur mittels Foul stoppen. Den Penalty verwertete Tafer in der 66. Minute souverän.

In den vergangenen Spielen hätte man sich des Sieges nicht sicher sein können. Eigenfehler brachten die Gegner immer wieder zurück ins Spiel. Am Samstag hat es St. Gallen aber geschafft, diese Fehler zu vermeiden. So liess das Selbstvertrauen und die mannschaftliche Geschlossenheit früh erahnen, dass die Punkte in St. Gallen bleiben. Als Karanovic in der 93. Minute per Hacke das 3:1 erzielte, stimmten die Anhänger ein «Oh, wie ist das schön» an. Karanovic freute sich doppelt: Dem Stürmer gelang nach zweimonatiger Verletzungspause mit der ersten Ballberührung das 3:1. Dennoch sagte der 27-Jährige: «Das Wichtigste war der Sieg. Jeder hat nach dem Cup-Aus gemerkt, dass es fünf nach zwölf ist.»

«Das war ein Befreiungsschlag»

Die Geschlossenheit und das Vermeiden von Fehlern hat St. Gallen den ersten Erfolg nach vier Pflichtspielniederlagen gebracht. «Das war ein Befreiungsschlag», sagte Rodriguez, ehe Lopar die Erwartungen dämpfte: «Wir müssen am Boden bleiben, die Hausaufgaben machen.» Denn wie nachhaltig das Team die Baisse hinter sich gelassen hat, muss sich erst zeigen.

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