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Wenn Tom Lüthis Töff nicht richtig fährt, rollt wenigstens der Rubel

Tom Lüthi (31) ist am Nullpunkt seiner Karriere angelangt. Er ist auf dem Sachsenring beim GP von Deutschland von Stefan Bradl besiegt worden.
Klaus Zaugg, Sachsenring
Ein enttäuschter Thomas Lüthi im Ziel (Bild: Vincent Guignet / Freshfocus (Sachsenring, 15. Juli 2018))

Ein enttäuschter Thomas Lüthi im Ziel (Bild: Vincent Guignet / Freshfocus (Sachsenring, 15. Juli 2018))

Um es boshaft zu sagen: Schnell ist Tom Lüthi nur noch, wenn es in die Ferien geht. Er bretterte am Sonntag sofort nach dem Rennen vom Sachsenring 170 Kilometer zum Flughafen Prag. Von dort ist er um 20.00 Uhr mit seinem Manager und Freund Daniel Epp ans Rote Meer geflogen. Zum Kitesurfen. Der GP-Zirkus macht bis zum 5. August (GP Brünn) Pause.

Lüthi ist am Tiefpunkt angelangt. «Dieses Rennen widerspiegelt meine Saison», sagt der Berner selbstkritisch. Er fuhr lange Zeit unter den ersten 15, was ihm die ersten WM-Punkte eingetragen hätte. Aber es reichte bloss hinter Stefan Bradl (16.) zu Rang 17. «Am Schluss waren die Reifen ruiniert. Wir bekommen die Elektronik einfach nicht in den Griff und schaffen es nicht, die Maschine abzustimmen.» Epp bestreitet nicht, dass sein Schützling in der schwersten Krise steckt: «Er ist völlig von der Rolle.» Und kündet Massnahmen an. «Wir müssen vieles hinterfragen und werden künftig das gesamte Training neu strukturieren.»

Kritik an den Schweizer Piloten

Während Lüthis Karriere-Fortsetzung trotz allem nicht gefährdet ist, weiss Dominique Aegerter (27) nach wie vor nicht, wie es 2019 weitergeht. 2014 war er Sieger auf dem Sachsenring, am Sonntag kam er bloss auf Platz 14. Fred Corminboeuf hatte ihn bis 2016 in seinem Team. Heute setzt der Freiburger den Briten Sam Lowes und den Spanier Iker Lecuona mit mässigem Erfolg in der Moto2-WM ein. Er sagt, inzwischen sei ihm im Umgang mit ausländischen Fahrern ein Licht aufgegangen. «Kein Wunder, geriet ich mit Schweizer Piloten in die roten Zahlen. Die verdienen einfach viel zu viel. Es ist geradezu unverschämt, mit welchen Forderungen beispielsweise Daniel Epp die Teamchefs konfrontiert.» Der umtriebige Corminboeuf schuldet Lüthi aus der letzten Saison nach wie vor einen sechsstelligen Betrag und hat am Samstag einen neuen Modus für die Ratenzahlungen ausgehandelt. Die Sache ärgert Tom Lüthi sehr. ­Daniel Epp sagt: «Er muss lernen, solche Dinge auszublenden. Auch das gehört zu den Punkten, die wir verbessern müssen.»

Weniger als eine halbe Million pro Saison haben die beiden Schweizer in der Moto2-WM (seit 2010) nie verdient. Corminboeuf unkt: «Ich denke, nun landen die beiden auf dem harten Boden der Wirklichkeit.» Er könne sich durchaus vorstellen, wieder mit Dominique Aegerter zu arbeiten. «Aber zu ganz anderen finanziellen Konditionen, als er sich gewohnt ist.» Tatsächlich wird der Rohrbacher seine Karriere nur zu finanziell bescheidenen Konditionen fortsetzen können. In seinen besten Jahren (2013 bis 2015) verdiente er rund 700 000 Franken im Jahr. Nun wird er froh sein, wenn es überhaupt noch für eine sechsstellige Summe reicht.

Besser sieht es für Tom Lüthi aus. Die besten Teams ködern ihn für die Moto2-WM 2019. Er hat nach wie vor die Klasse und die Erfahrung zum Titelanwärter in der zweitwichtigsten WM. In­zwischen hat MV Agusta eine 300 000-Euro-Offerte, die Daniel Epp bereits abgelehnt hat, ordentlich nachgebessert. Vergeblich. Epp sagt: «Kein Interesse. Wir haben bessere Angebote.» Wenn der Töff nicht richtig fährt, rollt wenigstens der Rubel.

Hohenstein-Ernstthal. Grand Prix von Deutschland. MotoGP (30 Runden à 3,671 km/110,13 km): 1. Marc Marquez (ESP), Honda, 41:05,019 (160,8 km/h). 2. Rossi (ITA), Yamaha, 2,196 zurück. 3. Viñales (ESP), Yamaha, 2,776. – Ferner: 6. Lorenzo (ESP), Ducati, 5,780. 16. Bradl (GER), Honda, 38,207. 17. Lüthi (SUI), Honda, 49,369. – 23 Fahrer gestartet, 19 klassiert. – Nicht am Start: Morbidelli (ITA), Honda (Handverletzung). – WM-Stand (9/19): 1. Marquez 165. 2. Rossi 119. 3. Viñales 109. – Ferner: 17. Morbidelli 19. 24. Lüthi 0.

Moto2 (28 Runden/102,788 km): 1. Binder (RSA), KTM, 39:46,306 (155,0 km/h). 2. Mir (ESP), Kalex, 0,779. 3. Marini (ITA), Kalex, 0,933. 4. Oliveira (POR), KTM, 2,143. – Ferner: 12. Bagnaia (ITA), Kalex, 17,304. 14. Aegerter (SUI), KTM, 18,138. – 31 Fahrer gestartet, 25 klassiert. – WM-Stand (9/19): 1. Bagnaia 148. 2. Oliveira 141. 3. Alex Marquez (ESP), Kalex, 113. – Ferner: 16. Aegerter 24.

Moto3 (27 Runden/99,117 km): 1. Martin (ESP), Honda, 39:36,427 (150,1 km/h). 2. Bezzecchi (ITA), KTM, 2,515. 3. McPhee (GBR), KTM, 2,571. – 30 Fahrer gestartet, 21 klassiert. – WM-Stand (9/19): 1. Martin 130. 2. Bezzecchi 123. 3. Canet 92.

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