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Kolumne

Wenn Frauenfussball zur Normalität wird

Der Frauenfussball ist mit rasantem Tempo auf dem Vormarsch. In der Schweiz verändern sich Dinge für gewöhnlich etwas langsamer.
Tatjana Haenni*
Das wollen wir öfters sehen: jubelnde Schweizerinnen, wie die Krienserin Lara Dickenmann (oben). Bild: Karadjias/AP (Larnaca, 2. März 2018)

Das wollen wir öfters sehen: jubelnde Schweizerinnen, wie die Krienserin Lara Dickenmann (oben). Bild: Karadjias/AP (Larnaca, 2. März 2018)

Die Frauen-WM hat bewegt, begeistert und alle Rekorde übertroffen. Sie darf gefühlt als grösster Frauenteamsportanlass der Welt betrachtet werden. Grösser sind wohl nur Frauensportanlässe bei Olympischen Spielen. Die Zahlen sprechen Bände. Über eine Milliarde Zuschauer weltweit sollen den Frauenfussball-Grossanlass an den TV-Bildschirmen verfolgt haben. In England, Frankreich, Italien und Brasilien wurden Rekordeinschaltquoten registriert. Sponsoren wie Visa und Coca-Cola haben umfangreich investiert und aktiviert. Auch die Fifa hat ihr finanzielles Engagement ausgebaut und das Turnierpreisgeld verdoppelt. Eine Entwicklung, die hoffentlich noch lange nicht das Ende bedeutet, sondern im Zuge der starken WM 2011, der noch besseren WM 2015 und der bisher besten WM 2019 einen weiteren Superlativ obendrauf setzt. Was erwartet uns wohl im Jahr 2023? Wir sind gespannt– und hoffnungsvoll.

«Das war besonders schade angesichts der guten Ausgangslage.»

Die grossen Männer-Proficlubs wie Bayern München, Paris Saint-Germain, Manchester City, Chelsea, Arsenal, Juventus oder Olympique Lyonnais führen schon länger Frauenabteilungen. Seit kurzem ist nun auch Manchester United dazugekommen – ein Verein, der noch vor ein paar Jahren gesagt hatte, dass er nicht am Frauenfussball interessiert sei. Das Gleiche gilt für Real Madrid. Die Königlichen haben in der höchsten Spanischen Liga für 400 000 Euro ein Frauenteam gekauft und fördern nun ebenfalls den Frauenfussball. Was werden wohl Teams wie Dortmund oder Schalke in Zukunft machen? Wir sind wiederum gespannt – und hoffnungsvoll.

In der Schweiz zögern die grossen Männerklubs gelegentlich

Der Frauenfussball boomt weltweit. Was aber tut sich im Vergleich dazu in der Schweiz? Der Frauenfussball entwickelt sich Schritt für Schritt. Die Anzahl ­lizenzierter Spielerinnen nimmt kontinuierlich zu. Die grossen Männerclubs zögern zwar gelegentlich noch etwas, sind aber doch mit zunehmender Professionalität am Frauenfussball interessiert. Der FC Zürich ist der grosse Vorreiter. Servette Genf hat neu ebenfalls ein Frauenteam, das sich als Aufsteiger in der vergangenen NLA-Saison sogleich auf dem 4. Rang klassierte. Der FC Lugano hat diesen Sommer die Frauenequipe FF Lugano 1976 integriert. Ein schönes und wichtiges Zeichen für den Frauenfussball in der Schweiz.

Das Frauen-Nationalteam hat die Qualifikation für die WM 2019 verpasst. Das war besonders schade angesichts der guten Ausgangslage sowie der enormen Medienberichterstattung in der Schweiz über die Frauen-WM, auch ohne Schweizer Beteiligung. Die nächste Chance steht aber schon bald vor der Tür. Im September geht es für die Schweizerinnen mit einem klaren Ziel vor Augen auf die «Road to England»: die Qualifikation für die Euro 2021 in England. Wir sind abermals gespannt – und natürlich wieder hoffnungsvoll.

Es ist meine Überzeugung, dass der Frauenfussball und Frauen, die sich im Fussball engagieren, bald zur gelebten Normalität werden.

Jeder Verein in der Schweiz kann und soll Juniorinnen und Frauen haben. Frauen als Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und Mitglieder in den Vorständen und Gremien würden die Fussballkultur sowie das Vereinsleben bereichern.

In der Schweiz verändern sich die Dinge für gewöhnlich etwas langsamer. Jedoch: In unseren Nachbarländern ist der Frauenfussball in rasantem Tempo auf dem Vormarsch. Bei den Männern haben die Schweiz, der Schweizerische Fussballverband und die Vereine mit klugen Entscheiden und überzeugenden Förderprogrammen gezielte Nachwuchsförderung betrieben und den Anschluss international halten können. Im Frauenfussball müssen wir uns auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass wir dies gleichermassen bewerkstelligen können.

Als Anstoss braucht es eine Vision.

Um das riesige Potenzial des Frauenfussballs auszuschöpfen, sind strukturelle und finanzielle Anpassungen nötig.

Es braucht frauenfussballspezifische Programme für gezielte Promotion, für breitere Akzeptanz, wachsendes Zuschauerinteresse, mediale Abdeckung und nicht zuletzt auch wirtschaftliches Interesse und Investitionsbereitschaft.

5 Köpfe, 5 Ideen

In allen überregionalen Ressorts präsentieren heute fünf Autorinnen und Autoren zum Nationalfeiertag ihre Ideen für die Zukunft der Schweiz:

- Patrick Aebischer, Ex-Präsident der ETH Lausanne,

- «Schweizer Monat»-Chefredaktor Ronnie Grob,

- Rahel Marti vom Architekturmagazin Hochparterre,

- Tatjana Hänni vom Schweizerischen Fussballverband

- und Ernährungswissenschafterin Marianne Botta.

Der Schweizerische Fussballverband hat seit dem 1. Juli einen neuen Verbandspräsidenten, der den Frauenfussball und Frauen im Fussball als wichtigen Teil seiner Verantwortung sieht und die Arbeit seiner beiden Vorgänger konsequent weiterführen will. Wenn der SFV mit gutem Beispiel vorangeht und Projekte für die Weiterentwicklung des Frauenfussballs ausarbeitet, werden die Vereine und die Regionalverbände mitziehen. In einem Jahr könnten wir bereits einige Erfolge erzielen. Wir könnten eine Rekordzahl an neuen lizenzierten Spielerinnen verzeichnen und als i-Tüpfelchen könnte sich das Frauen- Nationalteam in einem mitreissenden letzten EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien für die Europameisterschaft 2021 in England qualifizieren.

Frauenfussball soll unser Land bewegen und begeistern. Helft mit, die Geschichte des Schweizer Frauenfussballs weiterzuschreiben!

Ich blicke gespannt in die Zukunft. Und hoffnungsvoll. Und sehr zuversichtlich.

* Zur Person: Die 52-jährige Tatjana Haenni ist Ressortleiterin Frauenfussball beim Schweizerischen Fussballverband. Zuvor engagierte sich die ehemalige Nationalspielerin in der Fifa für Frauenfussball.

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