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Wenn alle nur noch helfen wollen

Seit einiger Zeit ist im Mannschaftssport, dabei speziell im Fussball, das Helfersyndrom ausgebrochen. Jeder Spieler sagt in Interviews, dass er der Mannschaft helfen will. Das ehrt die Spieler grundsätzlich, aber woher kommt denn dieses Helfersyndrom?
Kolumnist René Bühler (Bild: Benjamin Manser)

Kolumnist René Bühler (Bild: Benjamin Manser)

«Ich werde mich zusammen mit dem Team zerreissen, damit wir wieder in die Erfolgsspur kommen.» Das wäre doch auch einmal eine Ansage, aber kein Spieler will sich mit einer solchen Aussage aus dem Fenster lehnen. Man weiss, dass die Sportler heute im Umgang mit den Medien geschult werden, aber haben sie vielleicht alle den gleichen Kommunikationstrainer? Hilfe leisten ist eine Tugend, ja sogar ein Charakterzug. Hilfe ist aber vor allem dort gewünscht, wo sie auch tatsächlich gebraucht wird. Die anderen 24 Kaderspieler einer Fussballmannschaft sind jedenfalls kaum der Meinung, dass sie Hilfe brauchen, denn jeder möchte selbst auf dem Platz stehen . . . und helfen.

Mikrofone und Lippenleser

Vor einiger Zeit hat es der frühere Bayern-München-Spieler Mario Basler wie folgt auf den Punkt gebracht: «Die Spieler dürfen doch heute gar keine Interviews mehr geben, ohne dass einer hinten dran steht, ich hätte ihm in den Hintern getreten!» Auch mit der Bemerkung, dass man bei Interviews der Spieler den Ton wegdrehen könnte, weil alle Spieler den gleichen Mist erzählen, hat Basler leider nicht ganz unrecht. Vielleicht hat es aber auch zu viele Mikrofone und Lippenleser im Einsatz, dass die Fussballer sogar in Gesprächen unterein­ander den Mund mit der Hand abdecken, damit man nicht erahnen kann, was sie sich gerade für ein Geheimnis zuflüstern. Als Zuschauer gewöhnt man sich auch an diese Untugend, wie man sich an vieles hat gewöhnen müssen. Warum allerdings nur bei den Fussballern mit der Hand vor dem Mund kommuniziert wird, bleibt ein Rätsel.

Ohne Charakterköpfe hat ein Team wenig Identität

Es ist richtig, dass man in einer Mannschaft nach innen die wichtigen Dinge kommuniziert und Tacheles redet. Aber müssen die Spieler nur noch helfen und aufpassen, ja nichts Falsches zu sagen? Man kann doch auch ganz sachlich und ohne persönliche Angriffe seine Meinung äussern. Speziell der Fussball muss aufpassen, dass er nicht Sportler her­anzüchtet, die nur noch abnicken, was ihnen vorgegeben wird. Ohne Charakterköpfe auf dem Platz hat ein Team zu wenig Identität, es braucht auch einmal einen, der auf und neben dem Platz Gas gibt.

Dies bringt deutlich mehr als vor Gericht zu ziehen. Nassim Ben Khalifa und sein Berater sowie Anwalt haben jedenfalls verkannt, dass man nachhaltige Lösungen nicht vor Gericht, sondern am runden Tisch findet. Ausserdem hat wohl kein Verein grosse Lust, einen Spieler zu engagieren, der vor Gericht zieht, weil er unter anderem am Abschlusstraining nicht mehr dabei sein darf?

Weder mit dem Gang vor ein Gericht noch mit dem Helfersyndrom vermittelt man Herzblut oder Begeisterung bei Mitspielern und Anhängern. Es hat noch keine Mannschaft mit «Helfern» einen Abstieg verhindert oder eine Meisterschaft gewonnen, und im Gerichtsgebäude lässt sich schon gar kein neuer Verein finden.

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