Weniger Tempo – mehr Erfolg

Früher hetzte Roger Federer von einem Turniersieg zum nächsten. Bis er seine Vormachtstellung im Welttennis verlor. Dank einer überlegten Planung ist der Baselbieter heute entschleunigt. In Paris will er den Turniersieg von Basel bestätigen.

Matthias Hafen
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«Es ist schöner, sich nach einem Turniersieg zu erklären, als nach einer Niederlage»: Roger Federer vor den Medien in Paris. (Bild: ap/Lionel Cironneau)

«Es ist schöner, sich nach einem Turniersieg zu erklären, als nach einer Niederlage»: Roger Federer vor den Medien in Paris. (Bild: ap/Lionel Cironneau)

TENNIS. Sechs Wochen liess sich Roger Federer Zeit, um sich auf sein Heimturnier in Basel vorzubereiten. Während andere Spieler nach den US Open an Wettkämpfen in Peking, Tokio oder Shanghai teilnahmen, ruhte die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste aus. «Es zahlte sich aus», sagt Federer heute. «Aber ich bedaure noch immer, dass ich deswegen nicht am Masters in Shanghai teilnehmen konnte.» Auch er selber musste sich der Planung seines Jahresprogramms unterwerfen. Der beste Schweizer Tennisspieler hört genau auf seinen Körper. Er erkennt, wann er pausieren muss. Aber auch, wann er physisch voll angreifen kann – so wie diese Woche.

«Ich fühle mich topfit und bereit für mehr», sagte Federer nach seinem Turniersieg am vergangenen Sonntagabend in der St. Jakobs-Halle. «Das ist genau, was du möchtest, wenn du so lange pausierst.» Sein perfekter Plan verspricht für das Turnier in Paris einiges. Heute um voraussichtlich 16 Uhr greift der Baselbieter nach einem Freilos mit der Zweitrundenpartie gegen den Franzosen Adrian Mannarino (ATP 85) in den Masters-1000-Anlass im Palais Omnisports im Stadtteil Bercy ein.

Der Fluch von Paris-Bercy

«Spare dir das Beste für den Schluss», habe er sich vor dem Turnier in Basel gesagt, so Federer. Und genau mit dieser Einstellung wolle er auch das Tennisjahr beschliessen. Nach seinem Auftritt in Frankreichs Metropole in dieser Woche stehen als Abschluss der ATP-Tour noch die Finals in London an. Die inoffizielle WM im Tennis beginnt am 20. November.

Beflügelt vom Erfolg in seiner Heimat macht Federer für die kommenden Wochen deutliche Ansagen an seinen Konkurrenten. «Der Sieg in Basel war für mich der Startschuss für ein erfolgreiches Saisonfinale.» Doch der Schweizer muss in Paris eine Art Fluch besiegen. Das Turnier in Bercy gehört zu den wenigen, das die aktuelle Nummer vier der Welt noch nie gewonnen hat. «Die Halle ist ganz anders als in anderen Städten», erklärt Federer, wieso er sich noch nie richtig damit anfreunden konnte. «Ich hatte hier immer Mühe, mich den Gegebenheiten anzupassen.» Tatsächlich ist die architektonisch auffällige Multifunktionshalle eine Art Kessel, in der das Licht diffuser als andernorts scheint. Doch hat man den Eindruck, als könne Federer in diesen Tagen nichts erschüttern. Er wirkt gelassener als auch schon. «Ich habe in meiner Karriere jeden Erfolg geschätzt», so der 30-Jährige. «Aber es stimmt schon, dass man nicht mehr alle gleich geniesst, wenn man im Schnellzug von Turniersieg zu Turniersieg hetzt.» Der Triumph in Basel vom vergangenen Wochenende – erst sein zweiter in diesem Jahr – habe er wieder intensiver realisiert. «Diesbezüglich bin ich recht entschleunigt.»

Wawrinka ausgeschieden

Für Stanislas Wawrinka endete die Saison in Paris mit einer Enttäuschung. Die Nummer 17 der Weltrangliste schied schon in der ersten Runde gegen den Amerikaner John Isner (ATP 24) mit 7:6, 5:7, 6:7 aus. Der Misserfolg in der riesigen Halle von Bercy ist für Wawrinka fast die Regel. Noch nie hat der Waadtländer hier die Viertelfinals erreicht. Trotz der Niederlage wird er das Jahr in den Top 20 abschliessen. Dies glückte ihm erst einmal, 2008, als er zum Saisonende auf Rang 13 plaziert war. Das Jahr 2011 hatte Wawrinka als Nummer 21 begonnen.