Weltmeisterschaft
Erpressungs-Affäre setzt den Weltmeistern zu: Pogba spielt kaum gemeinsam mit Mbappé an der WM

Erpressung, Bruderzwist, Zauberei: Die Affäre um Fussballer Paul Pogba destabilisiert das französische Nationalteam vor der WM in Katar.

Stefan Brändle aus Paris
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Paul Pogba (links) in Diskussionen mit Nationaltrainer Didier Deschamps.

Paul Pogba (links) in Diskussionen mit Nationaltrainer Didier Deschamps.

Vadim Ghirda / AP

Weniger als drei Monate vor der WM ist bei den «Bleus» Feuer im Dach. Der Brandstifter ist der Bruder von Mittelfeldspieler Paul Pogba, Mathias. Der 32-jährige Profispieler, der sich in den letzten Jahren mit zweitklassigen Klubs in Europa abfinden musste, ritt am Samstag über Tiktok eine frontale Attacke gegen seinen drei Jahre jüngeren, ungleich erfolgreicheren Bruder. Er kündigte «grosse Enthüllungen» an und sagte, Vereine wie Manchester United oder Juventus sollten «gewisse Dinge wissen, um entscheiden zu können, ob er (Paul Pogba) wirklich die Bewunderung, den Respekt und den Platz in der Nationalmannschaft verdient und ob er eine glaubwürdige Person ist».

Worum es sich handelt, sagte der Denunziant nicht. Der bizarre Auftritt in vier Sprachen (Französisch, Englisch, Spanisch und Italienisch) löste zuerst nur Sprachlosigkeit aus.

Hat Pogba einen Zauberer auf Mbappé angesetzt?

Paul Pogba hat Ärger mit seinem Bruder.

Paul Pogba hat Ärger mit seinem Bruder.

Rui Vieira / AP

Am Tag danach gaben die Anwälte von Paul Pogba bekannt, dass in Italien und Frankreich seit einem Monat Gerichtsklagen wegen «bandenmässiger Bedrohung und Erpressungsversuche» hängig seien. Unterzeichnet hatten die Mitteilung Pauls brasilianische Agentin Rafaela Pimenta (sie vertritt auch Erling Haaland oder Zlatan Ibrahimovic) sowie seine Mutter Yeo Moriba, eine ehemalige Spielerin der Frauenauswahl Guineas.

Ihr ältester Sohn Mathias doppelte noch am gleichen Tag nach und erklärte etwas konkreter, sein Bruder habe einen Zauberer auf den Stürmer Kylian Mbappé ansetzen wollen, da ihm dieser vor dem Licht stehe. «Kylian, verstehst du nun?», fragte Mathias. «All das ist wahr und bewiesen, der Marabut ist bekannt.» Einen Beleg bleibt er aber weiterhin schuldig. Dafür berichten nun französische Medien, Paul Pogba habe vor Pariser Ermittlern ausgesagt, «Jugendfreunde» sowie die Zwillingsbrüder Mathias und Florentin hätten von ihm 13 Millionen Euro verlangt – eine Million für jedes Jahr, das sie Paul «diskret beschützt» hätten.

Wurde auf ihn ein Zauberer angesetzt? Kylian Mbappé.

Wurde auf ihn ein Zauberer angesetzt? Kylian Mbappé.

Mohammed Badra / EPA

Laut RMC Sport und France Info gab Paul Pogba gegenüber der Polizei zu, dass er versucht habe, von seiner Bank drei Millionen Euro abzuheben. Er habe aber nur 100000 Euro in bar erhalten – und den Betrag seinen Erpressern ausgehändigt. Darunter seien zwei vermummte Männer mit einem Sturmgewehr gewesen.

In Teilen erinnert die Sache an die Sextape-Affäre des französischen Nationalspielers Karim Benzema. Er ist nach einem Erpressungsversuch gegenüber seinem früheren Spielerkollegen Mathieu Valbuena Ende 2021 wegen Beihilfe zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden; der Berufungsprozess ist hängig.

War lange nicht mehr Nationalspieler: Karim Benzema.

War lange nicht mehr Nationalspieler: Karim Benzema.

Mohammed Badra / EPA

Pogba kaum gemeinsam mit Mbappé an der WM

Benzema und Pogba haben mit Mbappé noch etwas gemeinsam: Alle drei sind Stützen der «Blauen». Während die Stürmer Benzema und Mbappé keine Formprobleme kennen, hat Pogba (29) seinen Zenit möglicherweise überschritten, obwohl er bei Juventus ab der neuen Saison immer noch mit acht Millionen Euro im Jahr entlöhnt wird. Im Juli hat sich der Mittelfeldstratege ernsthaft verletzt, sein Einsatz bei der WM in Katar Ende November schien bereits fraglich. Nationaltrainer Didier Deschamps könnte Pogbas Verletzung am rechten Meniskus nun zum Vorwand nehmen, auf den Juve-Star zu verzichten. Es sei denn, dass an der Marabut-Geschichte wirklich nichts ist. Mbappé und Pogba sind keine engen Freunde, kamen sich aber bisher kaum je in die Quere. Dass sie die WM-Vorbereitung gemeinsam absolvieren und in Katar überhaupt noch gemeinsam antreten, scheint schwer vorstellbar.

Paul Pogba (rechts) und Kylian Mbappé.

Paul Pogba (rechts) und Kylian Mbappé.

AP

Negative Schlagzeilen macht derzeit auch ein anderer Weltmeister von 2018, Benjamin Mendy. Der bei Manchester City suspendierte Verteidiger steht in England wegen der Vergewaltigung von sieben jungen Frauen und Mädchen vor Gericht. Nach ersten, sehr kruden Zeugenaussagen steht sein Einsatz bei der WM in Katar längst nicht mehr zur Diskussion.