Fussball-WM
Hitzfeld mit Vorteilen

Schweiz - Griechenland ist auch das Duell zweier Erfolgstrainer. Nach der 1:2-Niederlage im letzten Oktober sinnt Otto Rehhagel mit seinen Griechen im WM- Ausscheidungsspiel am Samstag in Basel auf Revanche. Ottmar Hitzfeld aber ist auf der Hut.

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Hitzfeld Rehhagel

Hitzfeld Rehhagel

Aargauer Zeitung

Markus Brütsch, Freienbach

Otto Rehhagel hat an jenem Abend ziemlich säuerlich aus der Wäsche geschaut. Eine Niederlage zu erklären, gehört nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Auch mit 70 Jahren ist der Ehrgeiz ungebrochen, und von einem elf Jahre jüngeren Landsmann im eigenen Stadion geschlagen zu werden, schmerzt doppelt. Doch Rehhagels Griechen hatten soeben gegen Ottmar Hitzfelds Schweizer 1:2 verloren. «Wir haben grossartig gekämpft, den Foulpenalty musste man aus meiner Sicht nicht geben», sagte Rehhagel. Das ZDF hatte extra ein Kamerateam nach Piräus für dieses deutsche Trainerduell geschickt, aus dem wieder einmal Hitzfeld als Sieger hervorgegangen war.

Rehhagel, der Trainerfuchs

Zehneinhalb Monate später sitzt Ottmar Hitzfeld in Freienbach im Medienraum und sagt: «Ich freue mich darauf, Otto zu treffen, er ist ein aussergewöhnlicher Trainer.» Und der Lörracher weiss nur allzu gut, was für ein Trainerfuchs auf der griechischen Bank sitzt. Der die Hinspielniederlage nicht auf sich sitzen lassen will und kein taktisches Mittel scheut, um den Rasen als Sieger zu verlassen. «Bei Otto weiss man nie, woran man ist», sagt Hitzfeld, «wir werden sehen, mit welchem System er spielt.»
Punktgleich sind die beiden Mannschaften nach sechs Spielen in der WM-Ausscheidungsgruppe, und vier Spieltage stehen noch aus. «Es ist ein Schlüsselspiel», sagt Rehhagel, mittlerweile seit acht Jahren Griechenlands Trainer und offensichtlich bemüht, seinem immer noch vom EM-Titel 2004 lebenden Team frisches Blut zuzuführen. Libero Dellas und Mittelfeldlenker Basinas jedenfalls sind nicht mehr im Aufgebot. Obwohl Rehhagel das Wort Karrierenende nicht in den Mund nimmt, ist ihm bewusst, dass für ihn als dann zumal 72-Jährigen Südafrika vermutlich die letzte Chance ist, als Trainer auch einmal bei einer Weltmeisterschaft etwas zu reissen. Vielleicht aber ist 2010 auch noch gar nicht Schluss. Stürmer Charisteas jedenfalls hat in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» voller Achtung gesagt: «Er ist 71, aber nicht blind. Er lernt immer dazu, ist ein unglaublicher Motivator.»

Ottmar Hitzfeld

Geboren:12. Janur 1949 in Lörrach
Coach der Scwheizer Natinalmannschaft.
Erfolge als Trainer von aarau, GC; Dortmund und Bayern:
2x Schweizer und 7x deutscher Meister
2x Schweizer und 3x deutscher Cupsieger.
2x Sieger der Championleague.

Otto Rehhagel

Geboren: 9. August 1938
Coach der griechischen Nationalmannschaft.
Erfolge als Trainer von Bremen, Kaiserslauten und Griechenland:
Europameister 2004 mit Griechenland.
Europacupsieger der Cupsieger 1992.
3x deutscher Meister.
3x deutscher Cupsieger.

Hitzfeld, der Psychologe

Seine Aussagen decken sich mit jenen von Rufer. «Hitzfeld ist ein hervorragender Trainer mit einem exzellenten Trainingsprogramm, der sich in die Psyche der Spieler hineinversetzen kann», beschreibt der Neuseeländer den einen. «Rehhagels Fähigkeit, mit den Spielern umzugehen, ist einzigartig», den andern. Klar ist für ihn, dass die beiden die besten Trainer in seiner langen Karriere gewesen sind.
Wer aber ist der bessere? Geht es nach Titeln: Hitzfeld. Geht es nach Duellen: auch Hitzfeld. Zwanzigmal sind sich die beiden in Pflichtspielen gegenübergestanden. Sechsmal hat Hitzfeld verloren, aber zehnmal gesiegt. Erstmals im August 1991 mit Dortmund gegen Bremen. Letztmals am 16. Oktober letzten Jahres beim 2:1. «Wir sind psychologisch im Vorteil», sagt Hitzfeld.

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