Weiterbilden, weiterziehen

Nach drei Jahren gibt Frieder Strohm sein Amt als Trainer der Aadorfer Nationalliga- B-Volleyballerinnen ab. Der scheidende Coach erklärt, was er mitnimmt – und wohin es ihn zieht.

Stefan Kleiser
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Frieder Strohm blickt auf eine gute Zeit mit dem VBC Aadorf zurück. (Bild: Stefan Kleiser)

Frieder Strohm blickt auf eine gute Zeit mit dem VBC Aadorf zurück. (Bild: Stefan Kleiser)

Stefan Kleiser

sport@thurgauerzeitung.ch

Er empfängt im Lehrerzimmer der Oberstufenschule in Wiesendangen und ist gut gelaunt wie immer. Frieder Strohm freut sich auf die Veränderungen. Am letzten Wochenende hat er seine Siebensachen gezügelt. Von Kreuzlingen nach Kreuzlingen, in eine 3er-WG direkt beim Bahnhof. Und nächste Saison wird er nicht mehr die Aadorfer Nationalliga-B-Volleyballerinnen trainieren.

Vor zwei Wochen coachte der 26-jährige Trainer Leistungssport mit eidgenössischem Fachausweis die Equipe zum letzten Mal. «Es war ein ganz normales Volleyballspiel», erinnert sich Strohm. Er freute sich einfach, dass sich sein Team beim 1:3 gegen den NLB-Meister Münchenbuchsee gut wehrte. «Im Moment fühle ich mich noch als der Trainer.» Ende Juni läuft der Vertrag aus.

Alles da, ausser viel Geld

Frieder Strohm ist auf dem Weg nach oben. Früh musste er seine Spielerkarriere wegen Knieproblemen beenden (gerade als er in Amriswil den Sprung ins NLA- Team geschafft hatte). Nun holt er alles als Trainer nach. Wissbegierig, eloquent, zuvorkommend: Einer für alles. Strohm war nicht nur Trainer in Aadorf und Lehrer in Wiesendangen, sondern auch Assistenztrainer des Frauen- und des Juniorinnen-Nationalteams. Und studierte nebenbei noch an der Pädagogischen Hochschule.

2014 war er von 1.-Ligist Kreuzlingen nach Aadorf gewechselt, um die Volleyballerinnen aus dem 8000-Einwohner-Dorf aus der NLB in die höchste Spielklasse zu führen. Nun, da er Aadorf verlässt, steht das Fanionteam am gleichen Ort. Geht der Coach, weil er in Aadorf das Maximum erreicht hat? «Nein, aber ich merke, dass ich gehen kann. Ich verlasse einen Verein, der sich in der Nationalliga B etabliert hat, noch mehr als vorher.»

2015 gewannen die Aadorfe rinnen die Nationalliga-B-Meisterschaft, unterlagen in der Best-of-Three-Serie um den letzten NLA-Platz aber Volley Toggenburg im entscheidenden dritten Spiel mit 2:3 nach drei vergebenen Matchbällen. Vielleicht war es besser so. «Es wäre hanebüchen, würde Aadorf in die Nationalliga A aufsteigen. Es wäre ein Hosenlupf, der nicht zu bewältigen wäre», meint Strohm heute. Der Club bringe zwar alles mit für die NLA. «Aber es fehlen einfach etwa 500000 Franken dafür.» Nicht alles war gut. Die abgelaufene Saison verlief enttäuschend, das Ziel, Rang 3, wurde klar verpasst. Von Mitte November bis Mitte Januar gewannen die Aadorferinnen zwar acht Spiele in Folge. Doch zuletzt rutschten sie in der Tabelle bis auf Platz sechs ab. «Am Ende war die Luft draussen», sagt Strohm. Woran das lag, wisse er noch nicht. Was er weiss: «Ich habe in Aadorf viele tolle Leute kennen gelernt und durfte viele tolle Athletinnen trainieren.»

Langweilig wird es Strohm nicht

Nun freue er sich, «wieder einmal frei zu haben». Bis Herbst ist Strohms Kalender aber noch belegt mit WM-Qualifikation, Länderturnier in Montreux, 8-Nations-Turnier und Universiade in Taiwan. Seine Zukunft entscheidet sich nach der EM in Aserbaidschan, die Strohm als Zuschauer verfolgen wird.

Danach will der Kreuzlinger an verschiedenen Orten vorbeischauen, um sich weiterzubilden. Vielleicht in Vilsbiburg, wo der Schweizer Nationaltrainer Timo Lippuner als Clubtrainer arbeitet. Oder in Polen, Italien oder den USA. Am liebsten in einer anderen Volleyball-Kultur. Er habe in Aadorf gelernt, was ihm wichtig sei, sagt Strohm. «Ich bin ein Trainer, der weiss, wo er Schwächen hat. Die will ich ausmerzen.» Um danach ein neues Team zu übernehmen.