Weiter als die Nummer eins

Deutschlands Goalie-Ausbildung wird als vorbildlich erachtet. Spieler wie Manuel Neuer und Ron-Robert Zieler verkörpern eine neue Art Torhüter. Doch «die Schweiz ist Deutschland einen Schritt voraus», sagt Patrick Foletti.

Andy Sager
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Basel-Stammgoalie Yann Sommer ist eines der ersten erfolgreichen Talente der neuen Schweizer Torhüter-Generation. (Bild: epa/José Sena Goulao)

Basel-Stammgoalie Yann Sommer ist eines der ersten erfolgreichen Talente der neuen Schweizer Torhüter-Generation. (Bild: epa/José Sena Goulao)

FUSSBALL. Sepp Maier, Toni Schumacher, Oliver Kahn und nun Manuel Neuer: Die Liste der deutschen Nationaltorhüter ist reich an berühmten Namen. Und mit Ron-Robert Zieler, Marc-André ter-Stegen oder Bernd Leno steht schon die nächste Generation bereit. Der erst 25jährige Neuer verkörpert einen neuen Typus Goalie, der nicht nur schnell reagieren, sondern auch seinen Strafraum beherrschen und einen Angriff auslösen muss. Der aktuelle deutsche Nationalgoalie gilt weltweit als einer der besten seines Fachs. Der 22jährige Zieler oder die 19jährigen ter-Stegen und Leno sollen diese Entwicklung weiterführen. Toni Schumacher, 23facher Nationaltorhüter, sagt daher: «In Sachen Goalie-Ausbildung sind wir vorbildlich und die absolute Nummer eins.»

Doch auch in der Schweiz wird viel für die Ausbildung der Goalies unternommen. Der Schweizerische Fussballverband intensivierte in den vergangenen Jahren seine Bemühungen. Fortschritte zeigen sich vor allem im Bereich der Goalietrainer. «Die Situation ist erfreulich», sagt der Verantwortliche Patrick Foletti, «der Goalie hat an Anerkennung gewonnen. Er wird als Teil des Teams wahrgenommen. Wir trainieren ihn daher auch als elften Feldspieler. Roman Bürki und Yann Sommer sind die ersten von vielen, die davon profitieren konnten.»

Drei-Säulen-Projekt

Der Verband will drei Säulen parallel forcieren: Zum einen sollen die Vereine Unterstützung erhalten. Ihre Goalietrainer bekommen eine passende Ausbildung. Der Grad der Schulung richtet sich nach der Stufe ihres Engagements. Für Trainer, die nur im Breitensport tätig sind, reicht der Kurs auf Niveau eins. All jene aber, die beispielsweise in der Challenge oder Super League Goalies trainieren, sollen Niveau drei erreichen. Foletti erklärt: «Das ist vergleichbar mit der Uefa-Pro-Lizenz für Cheftrainer.» Die Regelung soll bis 2014 greifen.

Eine weitere Säule bildet die Ausbildung der Spieler in den Nationalauswahlen, die bereits bei der U12 zu wirken beginnt. Der dritte Aspekt sind die drei Leistungszentren, in denen der Verband jährlich mehrere Talente sichtet. Drängt sich in Payerne, Tenero oder Emmen jemand auf, wird er individuell gefördert.

Im europäischen Vergleich verfüge die Schweiz in jedem Jahrgang über einige gute Torhüter, sagt Foletti. Spanien lasse auch modern trainieren. Italien habe es hingegen lange verpasst, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Erst langsam beginne man, die Ausbildung zu modernisieren. Im Umbruch sei auch England. Hilfe von aussen soll den Goalies auf der Insel zurück zu ruhmreicheren Zeiten und mehr Platz in der heimischen Liga verhelfen.

In einer Sache sieht Foletti die Schweiz sogar weiter als Deutschland: «Wir haben ein nationales Konzept.» In Deutschland wird die Trainerausbildung in den 21 Regionalverbänden organisiert. Aber auch die Entwicklung in Deutschland findet der 37-Jährige erfreulich. Bei acht der 18 Bundesliga-Clubs stehen Spieler im Tor, die nicht älter sind als 23.

Mut der Trainer entscheidend

Dass in der Schweiz die Flut junger Torhüter bis anhin auf sich warten liess, führt Foletti auf die Clubs zurück. «Es braucht Mut, einen jungen Goalie aufzustellen. Ein gewisses Risiko ist dabei.» Doch Bürki und Sommer zeigen, dass auch die Schweizer Trainer mutiger geworden sind, denn «vor zehn Jahren wären solch junge Spieler als Stammgoalies noch unvorstellbar gewesen».