WEGWEISEND: Es liegt an den Young Boys

Die Super League startet am Samstag mit dem Spiel Young Boys gegen Basel. Es ist die Affiche, welche die Saison prägen könnte. Die Anhänger hoffen auf die Berner, damit die Spannung im Titelrennen zurückkehrt.

Peter Lerch (sda)
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Young-Boys-Trainer Adi Hütter verzichtet angesichts der Klasse der Basler darauf, im Vorfeld der Direkt­begegnung zum Saisonstart grosse Töne zu spucken. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Young-Boys-Trainer Adi Hütter verzichtet angesichts der Klasse der Basler darauf, im Vorfeld der Direkt­begegnung zum Saisonstart grosse Töne zu spucken. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Peter Lerch (SDA)

Eine spannende Meisterschaft mit der Entscheidung am letzten Spieltag. Dies gab es zuletzt vor sechs Jahren, als Admir Mehmedi und Alexandre Alphonse Zürichs Goalgetter waren und Alex Frei und Marco Streller die sichersten Torschützen des FC Basel. Die Basler überquerten die Ziellinie einen Punkt vor den Zürchern. Es war die zweite Saison des Monologs der Basler, die seither jeden Meistertitel schon vor der Schlussrunde feiern konnten, nicht selten deutlich vorher.

Soll sich an den deutlichen Verhältnissen etwas ändern, müssen sich wohl in erster Linie die Young Boys ins Zeug legen. Die Hoffnungen waren in Bern seit den Zeiten von Seydou Doumbia und Vladimir Petkovic nie mehr so gross wie jetzt. Die Berner haben in der Transfer- periode nach eigenem Bekunden alle ihre Pläne umgesetzt. Vor seiner ersten ganzen Saison als Sportchef hat Christoph Spycher offenbar ausgezeichnet gearbeitet.

Von Ballmoos als Ersatz für Mvogo

Die Berner sind auch zuversichtlich, dass sie nach Marco Wölfli und dem weggezogenen Yvon Mvogo auf einen weiteren starken Goalie vertrauen können. Der junge David von Ballmoos aus der Emmentaler Hornussergemeinde Heimiswil war in zwei Saisons beim FC Winterthur einmal der beste und einmal der zweitbeste Torhüter der Challenge League. Für die Young Boys könnte es auch wichtig sein, dass Goalgetter Guillaume Hoarau im Unterschied zur vergangenen Saison ohne Verletzung durchspielen kann.

Trotz des Optimismus behalten die Berner den Respekt vor dem FC Basel. Trainer Adi Hütter sagte dieser Tage: «Solange es Basel gibt, sollte man nicht zu grosse Töne spucken. Wir konzentrieren uns nur darauf, dass wir einiges besser machen müssen als in der vergangenen Saison. Ich glaube, dass uns Bescheidenheit und Demut guttun.» Der Double-Gewinner Basel kann sich Abgänge wie die der treffsicheren Stürmer Doumbia und Marc Janko leisten, ohne in Verlegenheit zu geraten. Der Schweizer Internationale Renato Steffen und der 28-jährige Niederländer Ricky van Wolfswinkel, den man als Königstransfer bezeichnen könnte, dürften Basel auch für die Aufgaben in der Champions League stark machen. Zudem haben die Basler mit Matias Delgado einen begnadeten Techniker im Team, der seit seiner Rückkehr 2013 höchstens noch besser geworden ist – trotz seiner mittlerweile 34 Jahre. In seiner ersten Saison als Trainer in der höchsten Schweizer Fussballliga vermisst der ehemalige Schweizer Nationalspieler und SRF-Experte Raphael Wicky im ohnehin breiten Kader keinen Bestandteil einer schlagkräftigen Mannschaft.

Gewichtige Abgänge in Luzern und Sion

Es bleibt die Frage, wer den grossen Favoriten aus Basel neben den Young Boys fordern kann. Der FC Luzern nach der derzeitigen Einschätzung eher nicht. Trainer Markus Babbel dürfte alle Mühe haben, dass die Abgänge der Schlüsselspieler Nicolas Haas, Markus Neumayr und Marco Schneuwly nicht ins Gewicht fallen. In Sion ist der Aderlass noch grösser. Bewährte Kräfte wie Veroljub Salatic, Reto Ziegler, Pa Modou und Chadrac Akolo sind gegangen. Es fragt sich, ob der in die Jahre kommende Marco Schneuwly und der begabte Verteidiger Eray Cümart, den Besitzer Basel früher oder später zurückbeordern dürfte, die Lücken ausreichend schliessen.

Dafür haben die Walliser für den verwaisten Trainerposten ein rechtes Kaliber verpflichtet. Zum Ärger von Luganos Präsident Angelo Renzetti hat sich Paolo Tramezzani aus dem laufenden Vertrag gestohlen. Der Italiener hatte Lugano im Frühling vom Abstiegsanwärter in einen Europa-League-Teilnehmer verwandelt. Es besteht also durchaus Anlass, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass Tramezzani der erste Sion-Trainer nach Didier Tholot in der Saison 2009/10 wird, den Präsident Christian Constantin nicht während der Saison entlässt.

Lugano seinerseits, neu von Pierluigi Tami trainiert, muss neben dem Abgang von Tramezzani auch den Verlust der Stürmer Ezgjan Alioski und Armando Sadiku verkraften. Es wäre eine Überraschung, wenn den Tessinern erneut eine so gute Saison gelingen würde. Zumal das Kader durch Spiele in der Europa League beansprucht wird.