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Wegen geplatzter Heirat: Verschmähter Mann verletzt Verlobte

Ein Mann aus Syrien wehrt sich am Kantonsgericht St.Gallen gegen eine Haftstrafe und die Landesverweisung. Er soll versucht haben, bei einem Streit seiner Verlobten die Augäpfel herauszureissen. Das Urteil steht noch aus.
Claudia Schmid
Der Prozess fand am Kantonsgericht St.Gallen statt (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Der Prozess fand am Kantonsgericht St.Gallen statt (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Der 35-jährige Beschuldigte erzählte an der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht St.Gallen, dass er 2011 in die Schweiz kam. Er habe seine Heimat verlassen, weil er an einem Fest eine Flagge geschwenkt habe und darauf verhaftet worden sei. Die Ehe mit seiner Verlobten sei von seinen und ihren Eltern arrangiert worden. Offenbar fand in Syrien ohne seine Anwesenheit eine traditionelle Hochzeitsfeier statt. In der Schweiz hatte die Eheschliessung keine Gültigkeit.

Verlobte distanziert sich

Laut dem Beschuldigten organisierte der Schwiegervater die Reise seiner Tochter bis nach Deutschland. Dort holte der Beschuldigte sie ab und nahm sie mit in die Schweiz. Weil sie nicht bei ihm wohnen konnte, brachte er sie zunächst bei einem Bekannten unter. Später wohnte sie im Asylzentrum in Oberbüren. Einige Wochen danach eröffnete sie ihm offenbar, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte.

Darauf habe er ihr gesagt, dass er sie liebe. Wolle sie ihn trotzdem verlassen, müsse sie ihm das Geld zurückgeben, dass er für die arrangierte Heirat mit ihr habe bezahlen müssen. Es sei zum Streit gekommen, bei dem sie ihn erniedrigt und sogar angespuckt habe. Deshalb habe er kurz die Kontrolle verloren und ihr eine Ohrfeige gegeben. Niemals aber habe er gedroht, ihr die Augen herauszureissen. Auch habe er nie Anstalten dazu gemacht.

Zu Haftstrafe verurteilt

Das Kreisgericht Wil war von seiner Schuld überzeugt. Es verurteilte ihn wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Nötigung. Weil er seine Verlobte illegal in die Schweiz einschleuste, kamen Schuldsprüche wegen Förderns der rechtswidrigen Einreise und des rechtswidrigen Aufenthalts dazu. Der Beschuldigte erhielt eine Freiheitsstrafe von 39 Monaten und eine bedingte Geldstrafe. Zudem wurde fünf Jahre Landesverweisung und die Ausschreibung im Schengener Informationssystem angeordnet.

Die Verteidigerin verlangte an der Berufungsverhandlung im Namen ihres Mandanten einen Freispruch von Schuld und Strafe sowie das Absehen von der Landesverweisung. Sie beantragte, es seien mehrere Personen als Zeugen und Auskunftspersonen zu befragen. Sie könnten darüber berichten, wie belastend die Situation für den Beschuldigten gewesen sei. Verwandte und andere Landleute hätten versucht zwischen den beiden zu vermitteln. Es sei bestritten, dass ihr Mandant seine Verlobte schwer an den Augen verletzt habe. Dies Beweise auch ein medizinischer Bericht. Werde der Beschuldigte in seine Heimat abgeschoben, sei sein Leben stark gefährdet.

Urteil erfolgt schriftlich

Der Staatsanwalt verlangte mit Anschlussberufung eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 3,5 Jahre. Der Beschuldigte habe die Verlobte in die Schweiz geholt, obwohl ein Gesuch um Familiennachzug vom Bund abgewiesen worden sei. Die versuchte schwere Körperverletzung sei nicht nur mit Aussagen von zwei Zeuginnen belegt, sondern auch durch das Verletzungsbild. Es habe die Gefahr bestanden, dass die Frau erblinde. Das Urteil des Kantonsgerichts St.Gallen wird schriftlich erfolgen.

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