Wawrinka unterschätzt Erkältung

Nach dem Ausscheiden an den Australian Open in Melbourne war Stan Wawrinka überrascht – nicht weil er gegen Milos Raonic 4:6, 3:6, 7:5, 6:4, 3:6 verloren hatte, sondern weil es ihm gelungen war, zwei Sätze für sich zu entscheiden.

Rolf Bichsel/sda
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Vorzeitiger Abschied von den Australian Open: Stan Wawrinka. (Bild: ky/Filip Singer)

Vorzeitiger Abschied von den Australian Open: Stan Wawrinka. (Bild: ky/Filip Singer)

TENNIS. Stan Wawrinka unterlag in den Achtelfinals der Weltnummer 14 Milos Raonic nach drei Stunden und 45 Minuten mit 4:6, 3:6, 7:5, 6:4, 3:6, weil er die Erkältung oder Viruserkrankung, die er sich vor anderthalb Wochen zugezogen hatte, nie richtig auskurieren konnte. «Es ist schwierig, wenn man sich einerseits erholen sollte, andererseits aber ein Major-Turnier spielt und alle zwei Tage Höchstleistungen erbringen muss», sagte der 30-Jährige.

Offensichtlich unterschätzte Wawrinka die gesundheitlichen Probleme. Sie schienen aus seiner Sicht kein ernstzunehmendes Handicap darzustellen. Er ging davon aus, dass er spätestens in der zweiten Turnierwoche wieder bei Kräften sein würde. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. «Um gegen einen der Besten wie Raonic eine Chance zu haben, muss man hundertprozentig fit sein. Ich war überrascht, dass ich es so in einen fünften Satz schaffte.» Bis Donnerstag vor Turnierbeginn sei die Vorbereitung prächtig verlaufen. An diesem Tag habe er so gut trainiert, wie schon lange nicht mehr. Danach lag er aber von Freitag bis Sonntag im Bett.

Wawrinka bleibt Nummer vier

Beim Aufschlag war das zu spüren. In der Startphase leistete sich Wawrinka zwei Doppelfehler; mit dem zweiten Aufschlag gewann er in den ersten beiden Sätzen bloss 30 Prozent aller Punkte. Eine halbe Stunde lang brachte Wawrinka seine Aufschlagspiele dennoch durch. Danach kassierte der Schweizer innerhalb von sechs Aufschlägen vier Breaks. Aber Wawrinka gab nicht auf und erspielte sich ab dem dritten Satz Vorteile. «Ich war auch erstaunt, wie anders die Partie plötzlich lief. Natürlich kämpfte ich und suchte Lösungen. Ich denke aber, die Wende hatte mehr mit dem Gegner als mit mir zu tun. Er servierte langsamer und bewegte sich etwas weniger gut. Aber in der entscheidenden Phase steigerte er sich wieder», sagt Wawrinka.

Im Viertelfinal wäre der Schweizer auf den Franzosen Gaël Monfils getroffen, als Nummer 25 der Welt der nominell schlechteste Gegner. Was hätte sein können, beschäftigt Wawrinka aber nicht: «Eine Niederlage ist stets eine Enttäuschung, mehr aber nicht.» Er bleibt trotz des frühen Ausscheidens die Nummer vier der Welt.

Raonic besiegte auch Federer

Raonic trifft nun im Viertelfinal verdienterweise auf Monfils. Der 25jährige Kanadier spielte grossartig. Er schlug nicht nur vorzüglich auf – ihm gelangen 32 Servicewinner und 24 Asse –, er rückte auch 83mal ans Netz vor. Und wie Wawrinka, der in Chennai triumphierte, reiste auch Raonic mit der Referenz eines gewonnenen Vorbereitungsturniers nach Melbourne. Den Final von Brisbane gewann Raonic gegen Roger Federer.

An einem Grand-Slam-Turnier tritt Raonic erstmals in Erscheinung. Zwar stand er vor zwei Jahren in Wimbledon in den Halbfinals, allerdings besiegte er in Melbourne mit Wawrinka erstmals einen Gegner aus den besten zehn der Welt.

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