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Wasser zu Wasser, Ton zu Ton

FRAUENFELD. Than, frühneuhochdeutsch Lehm, heisst die Ausstellung des fünften Thurgauer Nachwuchsateliers Tanz mit Bruce. Drei Künstler haben vier Wochen lang in der Shedhalle im Eisenwerk richtig hart gearbeitet. Übrig bleibt davon fast nichts. Aber das ist Strategie.
Christina Peege
Der Ton zerfällt zu Schlamm: Reto Steiner, Lydia Wilhelm und Andreas Greiner im Shed Frauenfeld. (Bild: Christina Peege)

Der Ton zerfällt zu Schlamm: Reto Steiner, Lydia Wilhelm und Andreas Greiner im Shed Frauenfeld. (Bild: Christina Peege)

Blumentopf, Kreativkurs, Fango: Wer Ton hört und Kunst, hört erst einmal weg. Doch wie die Berliner Kunsthistorikerin Ursula Ströbele in ihrer Laudatio an der Vernissage in der Shedhalle am Freitag ausführte, wurzelt Kunst im Ton – oder eben in der Erde.

So soll das erste Kunstwerk, wie alte Schriften berichten, von einem Griechen Butades, von Beruf Ziegelmacher, aus Ton gemacht worden sein. Weil der Geliebte seiner Tochter in die Ferne ziehen musste, formte er aus dem Schatten von dessen Gesicht an der Wand das erste Konterfei. Und brannte es mit den Ziegeln mit.

Kunst will Ewigkeit

Entstand also die Kunst am Schatten und als Erinnerungsträger, so ist die ausgestellte Skulptur ganz und gar vergänglich. In vier Flächen, in den Vertiefungen, in denen einst Maschinen standen, reihten sich Hunderte von becherförmigen Tonobjekten. Die Öffnung im Wasser, zerfielen diese Becher vor den Augen der Besucher. So setzte die Arbeit von Lydia Wilhelm (1975, Winterthur), Reto Steiner (1978, Frutigen) und Andreas Greiner (1979, Berlin) einen Akzent am entgegengesetzten Ende der historischen Skala.

Alle Kunst will Ewigkeit – und gerade die Skulptur wurde und wird oft noch aus Materialien gefertigt, die fast ewig den Ruhm des Schönen künden. In der Ausstellung huldigten die drei Kunstschaffenden der Vergänglichkeit. Das Wasser verdunstet und endet im Kreislauf der Natur, der Ton zerfällt zu Schlamm.

Verwirrend anonym

Anders als herkömmliche Skulpturen, die in der Regel Einzelwerke eines begnadeten Giessers oder Bildhauers sind und dessen Handschrift sie tragen, ist dieses Werk zunächst verwirrend anonym. Es ist laut der Kuratorin Katja Baumhoff das erste Gemeinschaftswerk im Rahmen der Thurgauer Nachwuchsateliers. Also ein Werk, das nicht mehr nach den einzelnen Kunstschaffenden auseinanderdividierbar ist, und eins, das Ansprüche an hohe «Kunst» auf die Schippe nimmt.

Die Zusammenarbeit hat laut der Künstlerin Lydia Wilhelm von Beginn weg gut geklappt. Ein Glücksfall war, dass die drei in Ossingen auf eine Tongrube stiessen, die einst von einer Ziegelei ausgebeutet worden war. Diesen Ton hoben sie aus, verfrachteten ihn nach Frauenfeld, bereiteten ihn mit Wasser auf und gossen damit vier Wochen lang einen Gipsbecher hundertfach ab. Luftgetrocknete Massenproduktion und Klon. Unikat und Genius – zwei mit Kunst fast untrennbar verbundene Begriffe – werden damit planmässig ersäuft und unter ordentlich viel Schlamm beerdigt.

Wissen vorausgesetzt

Eine kluge Arbeit, die etwas viel kunsthistorisches Wissen voraussetzt, aber wem's daran gebricht, der hat zumindest gesehen: Wasser zu Wasser – Ton zu Ton. Und in Ton gebrannte Erinnerungen kehren in den Kreislauf des Lebens zurück.

Mi 16–18, Fr 18–21, Sa 16–19 o. n. V.: shed@eisenwerk.ch Do, 19.6., 20 Uhr: Rundgang mit Lucia A. Cavegn Fr, 4.7., 18 Uhr: Finissage und Sommerfest

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