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Kommentar

Was halten Sie von Frauenfussball oder ... wo bleibt die Kunst?

Die Weltmeisterschaft in Frankreich hat ja bisher eindrücklich gezeigt: Der Frauenfussball hat sich, was Tempo und Taktik betrifft, enorm entwickelt.
Turi Bucher

Frage: «Was halten Sie von Frauenfussball?» Antwort: «Ich finde beides gut!» ... Darf man sich heutzutage überhaupt noch getrauen, das lustig zu finden?

Anders, ernsthaft gefragt: Soll man also den Frauenfussball überhaupt mit dem Männerfussball vergleichen? Die Talkrunde in der Sendung «Club» des Schweizer Fernsehens kam kürzlich zum Schluss: Nein, man sollte das lieber nicht tun. Nur, kann man dann die Saläre und die Infrastrukturen trotzdem miteinander vergleichen? Nationalspielerin Merjame Terchoun reklamierte im «Club» jedenfalls das, was die Schweizer Fussballfrauen zu reklamieren nicht müde werden: Der Lohn sei zu gering, die Infrastruktur bei den Frauen zu verbessern. Die Krienser Nationalspielerin Lara Dickenmann beschwerte sich im Umfeld des Frauenstreiktags über die fehlende Wertschätzung des Frauenfussballs in der Schweiz. Sarah Akanji, die Schwester des Nationalspielers Manuel Akanji, kritisierte das Schweizer Fernsehen, weil es nicht alle Spiele der Frauen-WM ausstrahlt.

Die Weltmeisterschaft in Frankreich hat ja bisher eindrücklich gezeigt: Der Frauenfussball hat sich, was Tempo und Taktik betrifft, enorm entwickelt. Bloss: Die Schweiz ist nicht mit dabei. Und das aus gutem beziehungsweise einleuchtendem Grund. Der Schweizer Frauenfussball hat in den vergangenen Monaten und Jahren an den wichtigen, grossen Wettbewerben auch mit der von vielen so hoch gelobten ehemaligen Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg nicht geliefert, keine wirklichen Erfolge feiern können. Klar, die Schweiz hätte an der WM in Frankreich das Team von Thailand auch geschlagen. Aber Nationen wie den USA, wie Frankreich oder Norwegen und Deutschland oder den Niederlanden rennen die Schweizer Frauen weit vom Ballbesitz entfernt hinterher. Eine Kadidiatou Diani (Frankreich) hat die Schweiz nicht, eine Megan Rapinoe (USA) nicht, wohl auch keine Samantha Kerr (Australien) oder Kadeisha Buchanan (Kanada).

Praktisch jedes Spiel dieser WM, das via TV übertragen wurde, habe ich bisher verfolgt, ab und zu auch ein wenig ausgehalten (aber das muss man ja bei Spielen der Männer gelegentlich auch tun, siehe Champions-League-Final). Mit Vorzug verfolge ich die WM auf den französischen Kanälen («Elle est une bonne dribbleuse»), TF 1 präsentiert die WM mit einer grossen Portion Glanz und Gloria, aber auch mit der nötigen und würdigen … Wertschätzung. Die Achtelfinals-Spiele Brasilien – Frankreich oder Norwegen – Australien, aber auch der Viertelfinal Frankreich – USA waren etwas vom Besten, was der Frauenfussball ... ja durchaus: der Fussball in letzter Zeit zu bieten hatte.

Soll man Frauenfussball also mit Männerfussball vergleichen? Der unerschütterliche, legendäre Peter Rothenbühler hat es in der «Schweizer Illustrierten» in einer seiner von mir sehr verehrten Kolumnen getan. Er schrieb, die Frauen-WM habe ihn mit dem Fussball versöhnt. Er habe es satt, den wehleidigen Millionären (des Männerfussballs) zuzuschauen. Die Frauen würden den Männern eigentlich vormachen, was Fussball auf höchstem Niveau sein kann.

Das scheint mir dann allerdings schon ein krasser Fehlpass zu sein (um nicht das übliche Eigentor zu bemühen). Ja, es gibt viel weniger vermutete Simulationen von Verletzungen, viel weniger Streitereien, viel höhere Akzeptanz der Schiedsrichter(innen). Doch eines konnte diese unterhaltsame, emotionsgeladene, von Tempo, Taktik und Frauenpower geprägte WM in Frankreich bis jetzt nur ganz, ganz selten bieten: die Kunst. Die Fussballkunst. Die Kunst mit dem Ball am Fuss. Die Kunststückchen. Die Kunst der Körperbeherrschung im Zusammenspiel mit dem Ball. Sie war zumeist, zu oft – mit einem Wort des ZDF-Kommentators zusammengefasst – brotlos. Wobei ich damit aus fussballerischer Betrachtungsweise keinesfalls behaupten will, dass das Wort Körperbeherrschung eben gerade deshalb so geschrieben wird.

Mit den «wehleidigen Millionären» ist natürlich einer wie Neymar angesprochen. Wir TV-Zuschauer können die Dynamik einer Kollision auf dem Rasen beziehungsweise die dadurch möglicherweise entstandenen Schmerzen sowieso nie korrekt einschätzen und einordnen. Aber die Kunst, mit dem Ball etwas Besonderes zu leisten, das ist es doch, was uns in der Fussballerseele berührt. Darum möchte ich noch einen NZZ-Journalisten zitieren, der über den meist­gefoulten Spieler der (Männer-)WM 2018 in Russland schrieb: «... Unter den grossen Individualisten war Neymar nicht nur der Schillerndste, er war auch der Beste ... Anstatt Neymar zu kritisieren, sollten wir lieber sein Spiel bewundern ...»

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