Warum nicht Kloten Meister ist

Der 30. Titelgewinn des HC Davos untermauert altbekannte Thesen im Eishockey. Hält man sich diese vor Augen, ist der neuerliche Erfolg, den die Bündner am Dienstag gegen Kloten realisiert haben, alles andere als überraschend.

Matthias Hafen
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Zelebrieren die tschechische Eishockeykunst und erzielen so manches Tor: Petr Taticek (links) und Josef Marha von Meister Davos. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Zelebrieren die tschechische Eishockeykunst und erzielen so manches Tor: Petr Taticek (links) und Josef Marha von Meister Davos. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Eishockey. Es gibt Thesen und Theorien – seriöse und nicht ganz ernstgemeinte –, die halten sich hartnäckig. In der entscheidenden Phase der Schweizer Meisterschaft wurden vier von ihnen bestätigt.

1. Mit Finnen gewinnst du keinen Titel. Die finnischen Eishockeyspieler gehören seit Jahren zu den besten der Welt. Doch ihnen eilt der Ruf voraus, dass sie in den entscheidenden Phasen – also dann, wenn es um Titelvergaben geht – versagen. Nicht ohne Grund: Erst ein einziges Mal, 1995, wurde Finnland Weltmeister. Hingegen standen die Nordländer sechs weitere Male im Final, verloren diesen aber jeweils. Ähnliches bei Olympia. 1988 in Calgary und 2006 in Turin scheiterten die Finnen im Final. Dreimal gewannen sie Bronze. Olympia-Gold fehlt hingegen noch immer im Palmarès. Mit Tommi Santala, Kimmo Rintanen und Marko Luomala im Kader ist das Klotener Eishockey finnisch geprägt – und als solches offensichtlich mit dem gleichen Bann belegt.

2. Das tschechische Eishockey ist besser als sein Ruf. Die Profis aus Tschechien und der Slowakei gehören rund um den Globus zu den Besten. Patrik Elias, Tomas Kaberle und Roman Hamrlik aus Tschechien sind in der nordamerikanischen NHL Teamstützen. Bostons Slowake Zdeno Chara weist gar die beste Plus-Minus-Bilanz der gesamten Liga auf. Jaromir Jagr und Dominik Hasek entzücken noch immer die Fans in der russischen KHL. Dass Tschechien 2010 Weltmeister wurde, war kein Zufall. Nur hierzulande haben die Osteuropäer noch immer einen schlechten Ruf. Zu Unrecht wie das Beispiel von Davos zeigt. Trainer Arno Del Curto hat bewiesen, dass die scheinbar Undisziplinierten zu höchster Disziplin erzogen werden können. So hatten die Tschechen Jaroslav Bednar, Josef Marha, Petr Taticek und Petr Sykora sowie der Slowake Peter Sejna massgeblichen Anteil am Erfolg der Bündner.

3. Das psychologische Element wird unterschätzt. Spiele werden auf dem Eis gewonnen. Doch Meisterschaften entscheiden sich abseits des Spielfelds. Arno Del Curtos Masche, seine Mannschaft immer als Aussenseiter darzustellen, ist mehr als Klamauk. Keiner spielt so virtuos auf der Klaviatur des psychologischen Techtelmechtels wie der Davoser Trainer. Das führt zwar nicht unmittelbar zum Titelgewinn, doch es ist ein weiterer Mosaikstein im Meisterbild. Besonders wenn sich die Saison der entscheidenden Phase nähert, lenkt Del Curto die Aufmerksamkeit auf sich. Damit nimmt er seine Spieler aus der medialen Schusslinie und schaut so dafür, dass sie in Ruhe arbeiten können. Eine Kunst übrigens, die auch der frühere Schweizer Nationalcoach Ralph Krueger bestens zu nutzen verstand.

4. Wichtige Spiele werden im Powerplay entschieden. 12 der insgesamt 26 Treffer in der Finalserie zwischen Davos und Kloten – also fast die Hälfte – fielen bei numerischem Ungleichgewicht auf dem Eis. Mit einer Powerplay-Ausbeute von über 20 Prozent war Davos über die ganze Saison gesehen deutlich besser als Kloten mit nicht einmal 18 Prozent. Auch in Unterzahl hatten die Bündner mit fast 90 Prozent gegenüber den gut 80 Prozent der Zürcher statistisch die Nase vorn. So gesehen war es nicht schwierig, den Meister vorauszusehen.

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