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Warten auf die Leistungsexplosion

Hürden-Europameisterin Lea Sprunger übt sich vor dem Leichtathletik-Meeting Weltklasse Zürich von morgen Donnerstag in Geduld – ohne dies wirklich zu wollen.
Rainer Sommerhalder
Noch muss sich Lea Sprunger mit vergangenen Jubelszenen abfinden. (Bild: Jan-Christophe Bott/Keystone, 6. 8. 2019, Lausanne)

Noch muss sich Lea Sprunger mit vergangenen Jubelszenen abfinden. (Bild: Jan-Christophe Bott/Keystone, 6. 8. 2019, Lausanne)

Lea Sprunger hat schon für viel weniger geweint. Seit mehr als zwei Jahren müsste sie, nimmt man ihre Zeiten auf den Flachstrecken als Referenz, die schnellste Schweizer Hürdenläuferin sein. Klar, sie war im vergangenen Jahr die Beste Europas, gewann in Berlin EM-Gold. Aber den Schweizer Rekord von Anita Protti (54,25 Sekunden) hat sie auch dort nicht geknackt.

Anstatt die nationale Bestmarke deutlich zu unterbieten, schrammte die 29-Jährige 2017 (54,29) und 2018 (54,33) jeweils um einen Hauch daran vorbei. Mehr als einmal galt ihr erster Blick nach dem Zieleinlauf der Stoppuhr, um danach entweder tief enttäuscht oder fuchsteufelswild bei ihrem Trainer Laurent Meuwly Trost und Erklärungen zu suchen.

Lea Sprunger ist ein zutiefst ungeduldiger Mensch. Wenn sich die 1,83 m lange Waadtländerin etwas vorgenommen hat, dann will sie nicht lange darauf warten. Aber genau diese Mentalität ist derzeit nicht unbedingt von Vorteil. Denn ihre Saisonbestzeit von 55,13 ist keine Marke, mit welcher Sprunger hausieren geht. «Es ist nicht einfach, geduldig und zuversichtlich zu bleiben, wenn man eine solch schlechte Zeit stehen hat. Es ist schon lange her, dass ich so spät in einer Saison nicht unter 55 Sekunden gelaufen bin», sagt sie. 2015 war das.

«Eigentlich ist die Situation schlimm, wenn ich nicht wüsste, wo die Gründe liegen und dass ich immer noch genügend Zeit habe, es zu ändern», sagt die Hallen-Europameisterin über 400 m von diesem Winter. Krankheiten und mehrere kleine Verletzungen während des Aufbaus, eine blockierte Rückenmuskulatur und die energiefressende Reise an die World Relays nach Japan mit der Schweizer Staffel im Frühling – das Training von Lea Sprunger verlief nicht optimal.

«Auch der Wechsel in eine völlig neue Umgebung nach Holland hat zuerst Kraft gekostet», ist die frühere Siebenkämpferin überzeugt. Dorthin ist sie ihrem langjährigen Trainer Laurent Meuwly gefolgt. Für die zwei- bis dreiwöchigen Trainingsblöcke sucht sie jeweils eine Airbnb-Unterkunft in Arnheim.

Anstatt einen Rekord zu knacken, hat Lea Sprunger am vergangenen Wochenende an den Schweizer Meisterschaften einen verloren. Mujinga Kambundji unterbot die bisherige Bestzeit Sprungers über 200 m. «Ich habe gewusst, dass es bald so weit ist. Ich habe Mujinga am Vorabend im Spass gesagt, dass ich bereit dafür sei.»

Husseins steigende Form beruhigt Sprunger

Trotzdem war Basel für Sprunger auch ein Ort, um neue Zuversicht zu tanken. Sie selber lief über 100 m (11,35) so schnell wie erst einmal vor vier Jahren und im Gegensatz zu damals nicht mit maximal zulässigem Rückenwind. Und ihr Trainingskollege Kariem Hussein pulverisierte seine Saisonbestzeit über die Hürden richtiggehend. «Dass bei ihm die Form kommt, beruhigt mich. Schliesslich haben wir den gleichen Trainer und zum Teil auch das gleiche Programm», sagt Sprunger.

Am Donnerstag bei Weltklasse Zürich will die Romande klare neue Saisonbestzeit laufen. «Es muss ja nicht gerade Schweizer Rekord sein, dafür bleibt bis zur WM Anfang Oktober noch genügend Zeit». Aber Lea Sprunger kann nicht verbergen, dass sie auch diesen mit Handkuss nehmen würde und sich eine solch aussergewöhnliche Steigerung durchaus zutraut.

Im Letzigrund trifft die Europameisterin auf die weltbeste Hürdenläuferin Dalilah Muhammad aus den USA. Im Gegensatz zu Sprunger ist diese in der aktuellen Saison bereits explodiert und hat mit 52,20 den 16 Jahre alten Weltrekord verbessert. Der Schweizer Rekord von Anita Protti ist noch älter. Wenn Lea Sprunger am Donnerstag in Zürich aus dem Startblock schnellt, sind es auf den Tag genau 28 Jahre.

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