WANDERVOGEL: Einst zu schlecht für St.Gallen

Den Goldacher Fussballprofi Aleksandar Prijovic zieht es weiter. In der Winterpause hat der ehemalige Junior des FC St. Gallen vom Champions-League-Teilnehmer Legia Warschau nach Griechenland zu Paok Saloniki gewechselt.

Daniel Good
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Torschütze Aleksandar Prijovic (Mitte) nach dem 1:0 in der Champions League gegen Dortmund. (Bild: Martin Meissner/AP (Dortmund, 22. November 2016))

Torschütze Aleksandar Prijovic (Mitte) nach dem 1:0 in der Champions League gegen Dortmund. (Bild: Martin Meissner/AP (Dortmund, 22. November 2016))

Daniel Good

«Ich hätte auch nach China gehen können», sagt Aleksandar Prijovic. «Aber ich will wieder in der Champions League spielen.» Mit dem polnischen Club Legia Warschau hat der 26-jährige Goldacher im vergangenen Herbst unvergessliche Momente in der Königsklasse erlebt. Mit Spielen gegen Real Madrid, Borussia Dortmund und Sporting Lissabon. Gegen Dortmund erzielte der Stürmer zwei Tore, gegen Real und Sporting gab er je ein entscheidendes Zuspiel. In nur 231 Einsatzminuten.

Legias neuer Trainer setzte im Herbst 2016 nicht immer auf Prijovic. Manchmal stand der Goalgetter nicht einmal im Kader des polnischen Double-Gewinners. Dabei hatte sich Warschau nur dank eines Tores des Ostschweizers im September in Irland für die Champions League qualifiziert. Und viel Geld kassiert. Warschau schaffte es zudem, Sporting Lissabon hinter sich zu lassen und setzt die Europacup-Kampagne in der kommenden Woche in der Europa League fort. «Obschon wir zu viele Gegentore kassiert haben.»

Auch Prijovics neuer Club PAOK Saloniki steht in den Sechzehntelfinals der Europa League. Heute in einer Woche findet das Hinspiel gegen Schalke statt. Paok ist ambitioniert. Und von den Qualitäten des neuen Stürmers überzeugt. Die Griechen statteten Prijovic mit einem Vertrag bis Sommer 2021 aus und überwiesen eine Transfersumme von rund zwei Millionen Franken nach Warschau. Mit Prijovic verpflichtete Saloniki den Brasilianer Pedro Henrique, der von 2012 bis 2014 für Zürich gespielt hat.

Champions League als Sprungbrett

«Die Champions League war die ideale Plattform, um mich zu empfehlen. Meine Bilanz gegen die Grossclubs ist doch recht anständig, obschon ich nicht immer zum Einsatz gekommen bin. Jedenfalls waren die Anhänger Legias sehr enttäuscht, als mein Weggang bekannt wurde. Das spricht sicher für meine Leistungen mit Warschau», sagt der in Rorschach und Goldach aufgewachsene Profifussballer.

«Mit Legia war nicht mehr möglich. Deshalb habe ich gewechselt. PAOK ist einer der griechischen Topvereine mit interessanten Perspektiven. Ich will wieder in der Champions League spielen. Mit Saloniki sehe ich gute Chancen, mich erneut für die Königsklasse zu qualifizieren», sagt er. Die Bevölkerung in Saloniki ist fussballverrückt. Wenn ein wichtiges Spiel in Athen stattfindet, reisen manchmal 25 000 Personen mit. Der Weg in die Hauptstadt ist 500 Kilometer weit.

In der griechischen Meisterschaft hat sich die Verpflichtung Prijovics für PAOK Saloniki bereits bezahlt gemacht. «Als ich kam, waren sie Achte», sagt der Spieler, «nun stehen wir auf Platz zwei.» Prijovic hat schon zwei Tore erzielt und einige entscheidende Vorlagen geleistet. Es ist eine der Stärken des Ostschweizers, sich schnell in einer Mannschaft zu integrieren. Kein Wunder, hat Prijovic doch in den vergangenen zehn Jahren 15-mal den Verein gewechselt. «Das kommt mir auch hier zugute. Ich bin so etwas wie ein Spezialist für solche Herausforderungen.»

Einst war der heutige Zwei-Millionen-Mann Prijovic Junior des FC St. Gallen. Der mit Abstand beste Stürmer seiner Generation sogar. Aber die St. Galler wollten das Supertalent an den FC Rorschach abgeben. Prijovic war enttäuscht und entschied sich, die Karriere im Ausland fortzusetzen. Mit Parma kam er schon als 17-Jähriger zum ersten Einsatz in der italienischen SerieAABB22A. Aber Parma war Chaos pur in jener Zeit. Und auch in den Jahren danach kam Prijovic immer wieder in Vereinen unter, die schlecht geführt waren. «Deshalb meine vielen Clubwechsel.»

Via St. Gallen nach China?

In Saloniki hat sich Prijovic mit der Familie gut eingelebt. Das Klima ist gerade im Winter bedeutend angenehmer als im Norden. Prijovic kann sich freilich vorstellen, auch wieder für den FC St. Gallen zu spielen. «Ich bin immer offen. Im Fussball weisst du nie. Es war immer mein Kindheitstraum, für St. Gallen zu spielen und Tore zu erzielen. Eines Tages kann das passieren», sagt er, «nach China kann ich auch noch, wenn ich älter bin.»