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Wahrheiten des Weltenbummlers Markus Neumayr

Bis zum Sommer 2017 gehörte Markus Neumayr (33) zu den spannendsten Spielern beim FC Luzern. Nach Abenteuern in der Türkei und im Iran ist er zurück in der Schweiz – und trifft am Dienstag mit Aarau auf den SC Kriens.
Nicola Berger, Aarau
Fühlt sich beim FC Aarau wohl: Markus Neumayr. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Aarau, 30. März 2019))

Fühlt sich beim FC Aarau wohl: Markus Neumayr. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Aarau, 30. März 2019))

Es war im Sommer 2018, als sich die vier wichtigsten Vertreter des FC Aarau nach Istanbul aufmachten. Die Delegation umfasste den Präsidenten Alfred Schmid, den Vizepräsidenten Roger Geissberger, den Trainer Patrick Rahmen und den Sportchef Sandro Burki. Die Mission der für die Challenge League bemerkenswerten, weil in ihrem Aufwand kaum je gesehenen Aktion: den Spielmacher Markus Neumayr zum Wechsel von Kasimpasa nach Aarau zu bewegen.

Daraus wurde nichts, Neumayr sagte dem Klub ab, «schweren Herzens», wie er betont. Denn der schweizerisch-deutsche Doppelbürger wollte ein letztes Abenteuer – und folgte dem Ruf der Trainerlegende Winfried Schäfer zum iranischen Erstligisten Esteghlal FC. Neumayr suchte das Unbekannte – und fand das in grosser Dosis. ­

Zu den Partien kamen teilweise 90 000 Zuschauer, er wurde empfangen wie ein Popstar. Aber Neumayr sagt: «Mensch konnte ich dort nie sein.» Die einheimischen Mitspieler neideten ihm den Status, er konnte sich kaum frei bewegen, sogar Restaurantbesuche erforderten Planung. In Abwesenheit der Familie, die aus der Türkei nach Basel zurück­gekehrt war, der Heimat seiner Ehefrau, sass Neumayr in Teheran meist alleine in seinem Apartment und las Autobiografien: Guardiola, Mourinho, Ancelotti. Der Trainerberuf fasziniert ihn, vielleicht wird er ihn selber ausüben, irgendwann.

Iran-Intermezzo wegen der Familie beendet

Doch noch ist Neumayr ja Profifussballer, und so wie er vom Januar 2016 während eineinhalb Jahren den FC Luzern prägte («eine der schönsten Phasen meiner Karriere»), sticht er auf Schweizer Fussballplätzen wieder als technisch beschlagener Lenker und Führungsspieler ­heraus. Ein halbes Jahr nach der ursprünglichen Absage an den
FC Aarau beendete Neumayr sein Iran-Intermezzo aus familiären Überlegungen und landete doch noch im Brügglifeld.

Dort sitzt er nun, an einem sonnigen Donnerstagnachmittag. Zum Gespräch würde er gerne Getränke reichen, aber er findet nichts und sagt lächelnd: «So ist das hier eben.» Nun kann die Realität in der Challenge League, dieser Liga mit ihren trotz winzigem Zuschauerinteresse absurd hohen Liga-Auflagen, ja tatsächlich trist sein, gerade dann, wenn man als Spieler nahe am oder sogar unter dem Existenzminimum lebt. Doch Neumayr bewegt sich in einer anderen Sphäre, er ist der Königstransfer dieses Klubs, ein weiterer, nach den bereits im Sommer verpflichteten früheren FCL-Profis Elsad Zverotic und Marco Schneuwly. In den ersten acht Partien erzielte Neumayr vier Tore, eigentlich ist er, gesegnet mit reichlich Spielintelligenz und Grazie, zu gut für diese Liga. Doch er sagt: «Ich hätte im Winter auch in die Super League wechseln können. Aber erstens habe ich den Verantwortlichen in Aarau mein Wort gegeben, dass sie meine ersten Ansprechpartner sein werden. Und zweitens finde ich die Aufgabe hier reiz­voller. Es ist doch spannender, in Aarau etwas zu erreichen, als in der Super League um die Goldene Ananas zu spielen. An YB und Basel kommt man in der aktuellen Konstellation sowieso nicht vorbei. Hier habe ich die Chance, wirklich etwas zu bewegen, den Menschen in Erinnerung zu ­bleiben.»

Mehr als nur eine flüchtige Frühlingsromanze?

Dazu müsste Aarau wohl aufsteigen, was trotz dem spektakulär missratenen Saisonstart mit vier Punkten aus den ersten elf Partien noch immer möglich ist, der Rückstand auf den Barrageplatz beträgt nur vier Zähler. Neumayr sagt, die Situation im Klub erinnere ihn an seine Zeit im FC Vaduz, mit dem er 2014 die Promotion in die Super League schaffte: «Aarau hat Tradition und Perspektiven. Wenn der Aufstieg in dieser Saison nicht gelingt, schaffen wir ihn eben nächstes Jahr.»

Wir? Nächstes Jahr? Neumayrs Vertrag ist nur bis zum Sommer gültig. Doch mit 32 Jahren scheint der Regisseur einer gewissen Sesshaftigkeit nicht abgeneigt – zumal die Familie in Basel gerade ihr Haus renoviert hat. Die Liaison zwischen Neumayr und dem FC Aarau, sie könnte mehr sein als nur eine flüchtige Frühlingsromanze.

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