Vroni Kellers Abschied

HANDBALL. Nach zwölf Jahren als Trainerin des Schweizer Rekordmeisters Brühl steht Vroni Keller vor dem Abschied. Heute bestreiten die St.Gallerinnen den Cup-Halbfinal, morgen vielleicht den Final.

Julia Nehmiz
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Vroni Keller fordert viel von ihren Spielerinnen. Die abtretende Trainerin des LC Brühl schätzt aber ebensosehr das Zusammensein mit ihrem Team. (Bild: Benjamin Manser)

Vroni Keller fordert viel von ihren Spielerinnen. Die abtretende Trainerin des LC Brühl schätzt aber ebensosehr das Zusammensein mit ihrem Team. (Bild: Benjamin Manser)

Wirklich realisiert hat sie es noch nicht. «Es ist noch nicht angekommen», sagt Vroni Keller lachend. Dabei läuft der Countdown, unaufhaltsam. An diesem Wochenende steht Keller zum letztenmal als Trainerin «ihres» Brühler NLA-Teams am Spielfeldrand. Ihr Team, das sie seit zwölf Jahren trainiert und mit dem sie etliche Meistertitel und Cupsiege errungen hat, bestreitet heute in Olten den Cup-Halbfinal. Kellers letzte Woche als Trainerin war ganz auf dieses Spiel fokussiert. Da bleibt kein Platz für Sentimentalitäten.

Keller sitzt in ihrer Küche in der St.Galler Innenstadt und blickt bei einem Kaffee zurück auf ein reiches Handballleben. Der Blick schweift aus dem Küchenfenster Richtung Horizont. Handball ist ihre Leidenschaft – aber nicht die einzige. Ihrem Verein bleibt sie aber treu. Sie wird weiterhin dreimal pro Woche das individuelle Training für begabte Nachwuchsspielerinnen leiten. Sie wird auch die Brühler Trainerinnen und Trainer beraten: «Es geht um die Gestaltung des Trainings, um Teamführung oder die Umsetzung des internen Leitfadens.» Diese Aufgabe bringt Trainings- und Spielbesuche mit sich – «aber nicht mehr jeden Abend».

Die Freude der jungen Trainerin

Denn bisher war eigentlich fast jeder Abend in Kellers Leben mit Handball gefüllt. Als 13-Jährige entdeckte sie den Sport für sich. Damals, beim Fides-Schüler-Handball-Turnier, sprang der Funke über. Keller stieg beim SV Fides ein. Das lag auch in der Familie. Ihr Vater war Präsident. Schon mit 14 wechselte sie in die erste Mannschaft. Mit 16 wurde sie Nationalspielerin. Sechs Jahre später wechselte sie zu Brühl. Unzählige Spiele hat sie in ganz Europa absolviert. Fragt man sie nach ihrem schönsten Moment, nennt sie keinen aus ihrer Zeit auf dem Spielfeld. «Der erste Meistertitel als junge Trainerin.» Sie muss zwar ihre Unterlagen holen, um herauszufinden, wann genau das war. Doch das Gefühl sitzt noch immer tief in ihr drin. Drei Jahre hatten Keller und ihr Trainerstab das Team aufgebaut, Schritt für Schritt. «Der Titel gab die Bestätigung, wir sind auf einem guten Weg.» Die Cupsiege, die sie mit ihrem Team zuvor schon geholt hatte, seien eher so passiert. Wobei: «Jeder Titel ist für mich wahnsinnig schön.» Auch wenn es jedes Mal wieder eine enorme Arbeit dafür brauche.

Fordern und geben

Doch Keller ist nicht nur auf Titel aus. «Was von meinen zwölf Jahren als Trainerin bleibt, sind vor allem die intensiven Begegnungen, die ich erleben durfte.» Junge Persönlichkeiten in ihrer Entwicklung zu begleiten, das empfindet sie als Geschenk. Keller ist zwar eine Trainerin, die enorm viel fordert. Doch der Teamgedanke liegt ihr besonders am Herzen. Das ist es auch, was sie wohl vermissen wird: gemeinsam Ziele verfolgen – und das Beisammensein.

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