VORWÜRFE: Olympiasieger Hefti im Elend

Die Olympischen Winterspiele im Februar in Südkorea werden wohl ohne Beat Hefti stattfinden. Der Appenzeller Bobfahrer übt harsche Kritik an Swiss Sliding. Der Verbandspräsident kontert.

Daniel Good
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BOB WELTCUP, SAISON 2016/17, (Bild: URS FLUEELER)

BOB WELTCUP, SAISON 2016/17, (Bild: URS FLUEELER)

Daniel Good

Ruhm ist vergänglich. Beat Hefti hat es dieser Tage am eigenen Leib erfahren. Am 24. November vernahm er, dass er nachträglich die olympische Goldmedaille ­erhalten würde. Weil der Russe Alexander Subkow, der 2014 in Sotschi das Zweierbobrennen vor Hefti gewonnen hatte, gedopt war. Aber nur vier Tage später nominierte der Schweizer Verband nicht Hefti für die morgen beginnende Bob-EM in Igls bei Innsbruck, sondern Rico Peter und Clemens Bracher.

Hefti ist enttäuscht über den Schweizer Verband und kritisiert das Gebaren von Swiss Sliding, wie der Schweizer Bob-Verband seit einigen Jahren heisst. Der Appenzeller ist der Meinung, keine faire Chance zu erhalten, um sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Peter werde ­bevorzugt behandelt. Der Verbandspräsident Jürg Möckli entgegnet: «Die Selektionskriterien werden in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic erstellt, vorab den Athleten kommuniziert und sind für alle gleich. Es gibt keine Ausnahmeregelungen. Dass Rico ­Peter mit seinen guten bis sehr guten Leistungen in der vergangenen und vorvergangenen Saison für die ersten Weltcuprennen gesetzt war, versteht sich von ­allein.» Möckli sagt weiter, es gebe keine Ausnahmeregelungen. «Die besten Piloten werden selektioniert. Der Name spielt dabei absolut keine Rolle.»

Von leichten und schwierigen Bahnen

Thomas Lamparter, Olympia­medaillengewinner, ehemaliger Hintermann von Hefti und heute Chef Leistungssport im Schweizer Verband, ergänzt: «Das Selektionsreglement wurde den Sportlern bereits im Dezember 2016 kommuniziert.» Die Athleten inklusive Hefti hätten bereits an der WM 2017 in Königssee und am Weltcup auf der Olympiabahn in Pyeongchang zwei Chancen erhalten, Selektionskriterien zu erlangen. Hefti trat in Königssee mit Brachers Anschieber Michael Kuonen an und wurde WM-15. Allerdings kam Peter nur auf den 16. Rang. Hefti sagt auch: «Bracher hatte die Möglichkeit, die Selektionskriterien auf einfacheren Bahnen als ich zu erfüllen.»

Bracher gewann mit Kuonen am vergangenen Samstag das Zweierbob-Weltcuprennen im deutschen Winterberg und brachte sich damit im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation in eine hervorragende Ausgangs­lage. Und zwar auf Kosten von Hefti, der sich auf schwierigen Bahnen in Übersee bewähren musste und keine Toprangierungen erzielte. Möckli sagt: «Die Selektionsbehörde von Swiss ­Sliding hat gemeinsam mit den Piloten Peter, Hefti und Bracher entschieden, wer die Wettkämpfe in Übersee bestreitet und wer die anschliessenden Weltcuprennen in Europa. Hefti war damit einverstanden, in Übersee zu starten.» Nach Heftis Resultaten in Lake Placid, Park City und Whistler war klar, dass Bracher in Europa zum Zug kommt. Hefti brachte es nie unter die ersten 15 und schaffte es einige Male nicht einmal in den zweiten Lauf. «Bracher hat nun in seinem ersten Weltcup mit dem Zweierbob gleich den Sieg errungen. Zur Erinnerung: Hefti wurde vergangene Saison an selber Stelle Elfter, und zwar mit Brachers Stammanschieber Kuonen», sagt Möckli.

Das Karrierenende naht

Der Verband hat also auch Argumente. Hefti hätte dieses Wochenende im Europacup fahren können. Er verzichtete und zieht es vor, sich auf die Schweizer Meisterschaft von Ende Dezember in St. Moritz vorzubereiten. Mit der Olympia-Qualifikation rechnet Hefti nicht mehr. «Es ist wohl gegessen», sagt er. Es wird voraussichtlich seine letzte Saison sein. Bereits 1999 gewann Hefti im Viererbob von Marcel Rohner WM-Silber. Dann folgten erfolgreiche Jahre als Hintermann von Martin Annen, ehe er 2006 an die Steuerseile wechselte. Der Höhepunkt seiner Pilotenkarriere waren die Olympischen Spiele 2014. Wann und wo er die Goldmedaille erhält, weiss Hefti aber noch nicht.

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