Vorwärts Richtung Halbfinal

Der NLB-Eishockeyclub Thurgau arbeitet ab sofort wieder mit dem 1.-Liga-Vertreter Weinfelden zusammen. Das ist die Konsequenz aus einem Strategiepapier, das er verabschiedet hat. Thurgaus «Vision 2018» lässt aufhorchen.

Matthias Hafen
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EISHOCKEY. Nach vierjähriger Durststrecke erreichte Thurgau zuletzt gleich zweimal das NLB-Playoff – wenn auch jeweils erst im letzten Qualifikationsspiel. Nun ist das schon nicht mehr genug. «Es ist verrückt, wie schnell die Ansprüche steigen», sagt Trainer und Sportchef Christian Weber. Ansprüche, die freilich auch er stellt. Weber kann kaum darauf warten, mit Thurgau den nächsten Schritt nach vorne zu machen. Wären ihm finanziell nicht die Hände gebunden, stünden die Ostschweizer vielleicht schon dort, wo sie bis 2018 hin wollen.

Der NLB-Club aus Weinfelden gibt sich selber die Vorgabe, in den kommenden drei Jahren ein Team zu stellen, das einen gesicherten Mittelfeldplatz einnimmt, also die Qualifikation im vierten, fünften oder sechsten Rang beendet. Ab der Saison 2017/18 soll Thurgau zudem regelmässig im Playoff-Halbfinal mitspielen.

Ende des Gärtchendenkens

Präsident Ronny Keller befürwortet die Vorwärtsstrategie, ist sich aber bewusst, dass der NLB-Club finanziell weiterhin nicht auf Rosen gebettet ist. «Wir müssen mit dem Geld behutsam umgehen – oder zusätzliches generieren», so Keller. Die «Vision 2018» soll denn auch dazu dienen, Sponsoren bei Stange zu halten und vor allem neue anzuziehen. Ein Club mit attraktiven Zielen ist auch für Geldgeber attraktiver, so die Idee.

Damit die sportlichen Ziele auch längerfristig erreicht werden können, arbeitet Hockey Thurgau ab sofort wieder enger mit dem SC Weinfelden zusammen. Die beiden Clubs, die einander vor einigen Jahren noch spinnefeind waren, unterzeichneten einen Einjahresvertrag mit der Absicht einer langfristigen Partnerschaft. Sie beinhaltet nicht nur den Austausch von Spielern zwischen den Fanionteams. Auch im Nachwuchs kommt es zu Kooperationen, um wieder erfolgreicher zu sein.

Thurgaus Präsident Keller beendet damit ein Gärtchendenken, das ihm als Zürcher ohnehin nie eingeleuchtet hat. «Beide Clubs haben einen Schritt aufeinander zu gemacht», sagte Keller zur Zusammenarbeit, die vor Jahren schon einmal bestanden hatte. Und Weinfeldens Präsident Sacha Thür fügte an: «Eine solche Sache steht und fällt mit den Köpfen. Ich und Ronny haben uns schnell gefunden.» Dass bei zwei Clubs, die sich die gleiche Eishalle teilen, grosses Synergiepotenzial vorhanden ist, versteht sich von selbst.

Die Crux mit den Visionen

Visionäre Papiere wie jenes von Thurgau können allerdings auch ihre Nebenwirkungen haben, wenn sie einmal der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Rapperswil-Jona kann ein Lied davon singen. Nachdem der St. Galler NLA-Club im Januar 2012 voller Stolz und Ambitionen seine «Mission Lakers» präsentiert hatte, ging es sportlich nur noch bergab. Vergangene Saison hätten die Rapperswiler gemäss dem Strategiepapier im Playoff-Halbfinal stehen sollen. Stattdessen stieg der Club nach 21 Jahren in der höchsten Liga in die Zweitklassigkeit ab.