Vorteil für Mercedes und Ferrari

Die Formel 1 fährt in eine unbekannte Zukunft. Nach der vierjährigen Dominanz von Red Bull und Sebastian Vettel wird dieses Wochenende in Melbourne beim Start zur neuen Saison eine neue Ära eingeläutet. Fahrer und Techniker sehen sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert.

Peter Lattmann/Melbourne
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Die früheren Dominatoren McLaren und Ferrari wollen Red Bull und Sebastian Vettel die Vormachtstellung in der Formel 1 entreissen. (Bild: epa/Kay Nietfeld)

Die früheren Dominatoren McLaren und Ferrari wollen Red Bull und Sebastian Vettel die Vormachtstellung in der Formel 1 entreissen. (Bild: epa/Kay Nietfeld)

AUTOMOBIL. Alles, was bisher war, gilt nicht mehr. Die 65. Formel-1-WM beginnt aufgrund der einschneidenden Reglementsänderungen für alle bei null. Die robusten 2,4-Liter-V8-Saugmotoren haben filigranen High-Tech-Antriebsaggregaten mit 1,6-Liter-Turbotriebwerken mit 650 bis 700 PS, Elektroaggregaten, Batterien und Steuergeräten zur Energie-Rückgewinnung Platz gemacht. Die Sechszylinder sind mit einem Achtganggetriebe verbunden und dürfen im Verlaufe eines Grand Prix nur noch maximal 100 Kilogramm Benzin verbrennen. Anders gerechnet, muss der Verbrauch gegenüber dem Vorjahr um mindestens 30 Prozent reduziert werden. Erschwerend beim Start der neuen WM-Saison dieses Wochenende im australischen Melbourne kommt dazu, dass die neuen Dimensionen von Chassis, Nasen, Flügel und Seitenbaukästen rund 15 Prozent des bisherigen Abtriebs kosten und die Auspuffgase nicht mehr zur Verbesserung der Aerodynamik genutzt werden dürfen.

Neue Strecken und Strafen

Nicht nur Autos und Motoren sind neu. Auch im Kalender, bei den Fahrern und im sportlichen Reglement hat sich viel geändert. Spielberg und Sotschi ersetzen als Austragungsorte Indien und Südkorea, wo die Formel 1 trotz gigantischer neuer Anlagen wie zuletzt in der Türkei nie richtig Fuss gefasst hat. Im Final in Abu Dhabi wird es trotz des Aufschreis der Puristen doppelte WM-Punkte geben. Damit kann noch einiges geändert werden.

Allen Fahrern droht bei Fehltritten ein umfangreicher Strafenkatalog. Dafür dürfen sie mit der selbst gewählten permanenten Startnummer antreten. Ebenfalls neu sind Testfahrten während der Saison, zusätzliche Reifen von Pirelli im Freitagtraining sowie im Qualifying und erste zaghafte Schritte in Richtung Budgetreduktion und -überwachung.

Die zwölf Testtage in Jerez und Bahrain haben vieles angedeutet, aber nur eines bestätigt: Für viele kommt der Saisonauftakt zu früh. Das gilt aufgrund der bisherigen Erkenntnisse vor allem für Titelverteidiger Red Bull, Lotus und Motorenlieferant Renault. Mit den meisten Testkilometern und guten Rundenzeiten hat sich derweil Mercedes in den Vordergrund geschoben.

Konfliktpotenzial bei Ferrari

Auch Lewis Hamilton und Nico Rosberg sind bei Mercedes aber nicht von technischen Problemen und Rückschlägen verschont geblieben und wollen deshalb nichts von einer Favoritenrolle wissen. Konfliktstoff gibt es auch zwischen den beiden Fahrern. Bedeutend grösser ist dieser jedoch beim wohl grössten Widersacher Ferrari, wo Kimi Räikkönen nicht hinter Fernando Alonso zurückstehen will. Da sie als einzige das Auto und den Motor zusammen entwickeln konnten, liegen die Vorteile bei den beiden Herstellerteams.

Räikkönens Vorgänger Felipe Massa scheint mit dem Wechsel zu Williams das richtige Los gezogen zu haben. Das britische Traditionsteam spürt einen markanten Aufwind im sportlichen und finanziellen Bereich und ist wie zuletzt 2009 Brawn für eine grosse Überraschung gut. Den Schlüssel dafür hat der Motorenwechsel zu Mercedes geliefert.