Vorgaben werden ehrlicher

Swiss Olympic senkt die Anforderungen an die Sportler, um an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro teilnehmen zu können. Top-Ten-Potenzial wird nicht mehr vorausgesetzt.

Matthias Hafen/Bern
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OLYMPISCHES. War Swiss Olympic in den vergangenen Jahren stets sehr fordernd, was die Limiten betraf, so lockert der Dachverband nun die Bedingungen für eine Teilnahme an den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro. Bislang musste ein möglicher Olympiateilnehmer sein Potenzial auf einen Platz in den ersten zehn beweisen können. «Doch im Endeffekt haben wir die hohen Vorgaben dann doch nicht konsequent umgesetzt», sagt Ralph Stöckli, Schweizer Delegationsleiter von Rio 2016. «Zudem erreichte am Anlass selber nicht einmal ein Drittel unserer Sportler die geforderte Leistung.» Für den Ostschweizer ist die neue Handhabe deshalb ehrlicher.

Neu werden die Schweizer Olympiateilnehmer in drei Gruppen eingeteilt. Die grössten Medaillenhoffnungen werden von Swiss Olympic frühzeitig gefördert und am Anlass vor Ort bestmöglich betreut – darunter fallen zum Beispiel die Mountainbiker mit der Ostschweizerin Jolanda Neff. Die zweite Gruppe beinhaltet Sportler, die ein mittelfristiges Potenzial auf eine Olympiamedaille oder einen Diplomplatz aufweisen. Sie sind die Hoffnungsträger für zukünftige Olympische Spiele.

Kein Olympia-Tourismus

Als dritte Gruppe stufen Stöckli und sein Team die Sportlerinnen und Sportler ein, die Potenzial auf eine persönliche Bestleistung aufweisen, nicht aber auf Diplomränge. «Sie sind so wichtig für uns wie alle anderen auch», sagt Delegationsleiter Stöckli und nennt die Berner Marathonläuferin Maja Neuenschwander als Beispiel. «In ihrer Disziplin sind sie wichtige Botschafter für den Schweizer Sport.» Die Befürchtung, Swiss Olympic fördere damit den Olympia-Tourismus, teilt Stöckli nicht. «Auch die Teilnehmer der dritten Gruppe müssen auf professionellem Niveau trainieren, um die Limiten zu erfüllen.» Dass Sportler nur aus Spass an die Olympischen Spiele fahren, gebe es nicht mehr.

Weil die Plätze für die Betreuer pro teilnehmende Nation stark limitiert sind, kann Swiss Olympic nicht allen Sportlern eine Unterstützung garantieren, wie das etwa an einer WM oder EM der Fall ist. Um diesbezüglich Synergien zu nutzen, arbeitet Swiss Olympic auch an den Sommerspielen 2016 in Rio mit dem Olympischen Verband Liechtensteins zusammen. So können mehr Schweizer Betreuer an die Spiele, dafür unterstützen diese auch Liechtensteiner Olympiateilnehmer.

Über 100 Schweizer am Start?

Stöckli rechnet mit über 100 Sportlerinnen und Sportler, die er für Rio 2016 melden kann. Holt die Schweiz überall das Maximum heraus und qualifizieren sich auch die Fussballerinnen, dann bestünde die Delegation aus 138 Sportlern. 17 Quotenplätze hat sich die Schweiz bereits gesichert, mit Triathletin Nicola Spirig wurde auch schon die erste Athletin angemeldet. Die Selektionen für die anderen Sportarten finden grösstenteils zwischen März und Mitte Juli des kommenden Jahres statt. Die Olympischen Spiele 2016 finden vom 5. bis 21. August statt.