VORENTSCHEIDUNG: Meisterliches Unentschieden

Die Young Boys nähern sich unaufhörlich der ersten Meistertrophäe seit 1986. Nach dem 2:2 im Topspiel der Super League gegen Basel sind die Berner kaum mehr vom Titelkurs abzubringen.

Sven Schoch (sda)
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Guillaume Hoarau (links) feiert seinen Treffer, der die Young Boys zwischenzeitlich 1:0 in Führung bringt. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Guillaume Hoarau (links) feiert seinen Treffer, der die Young Boys zwischenzeitlich 1:0 in Führung bringt. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Sven Schoch (SDA)

Einen letzten Matchball setzte Bundesliga-Rückkehrer Valentin Stocker in der 82. gegen den Pfosten und vergab damit wohl auch die Chance, die Young Boys in den verbleibenden neun Runden nochmals ansatzweise herauszufordern. Dem Serienmeister entglitt im ausverkauften Stadion in Bern mehr als eine 2:1-Führung, der Primus der vergangenen Dekaden dürfte vor 31 120 Zuschauern seine nationale Pole-Position definitiv verloren haben.

Als die Berner Festgemeinde auf dem Stadionbildschirm unaufhörlich die Wiederholung von Guillaume Hoaraus Seitfallzieher zum 1:0 genoss und sich gedanklich womöglich schon mit der zeitnahen Meisterfeier beschäftigt hatte, setzte der FC Basel unvermittelt und praktisch ohne Vorwarnung zum vorüberge­henden Comeback an: Taulant ­Xhaka, in der Regel eher für den rustikalen Part zuständig, überraschte im Stade de Suisse mit einem Traumtor alle. Der Treffer ins Lattenkreuz nach 39 Minuten hinterliess zunächst Spuren. Mit der spektakulären Rückmeldung des Titelhalters hatten die zu Hause in 14 Spielen nur einmal bezwungenen Berner offensichtlich nicht gerechnet. Und als der Basler Abwehrpatron Marek Suchy unmittelbar nach der Pause eine Vorlage Luca Zuffis ver­wertete, veränderte sich das Drehbuch erheblich. Doch unter Druck demonstrierte der designierte Champion seine Qualitäten: Roger Assalé, der überragende Ivorer, stellte die Basler vor ein nächstes unlösbares Problem. Christian Fassnacht verwertete die Vorarbeit zum 2:2, das sich aufgrund der Konstellation wie einen Erfolg anfühlte.

Das Ende der Irrläufe

Bern war beflaggt, gelb-schwarze Transparente überall. «Heute Matchtag.» Auf diesen Tag hatten sie jahrelang gewartet in der Hauptstadt. Noch ist mathematisch nichts entschieden, aber jeder Berner und auch alle Verantwortlichen beim Titelhalter Basel wissen: Näher stand der Traditionsclub dem ersten Meisterschaftstriumph nie seit der letzten Topklassierung vor 32 Jahren. Nach dem 2:2 in einem hochklassigen Gipfel beträgt die Reserve weiterhin satte 16 Punkte.

Für eine reibungslose Fortsetzung des Hochs spricht sehr viel. Der Club ist auf allen Ebenen gut aufgestellt. Nach Dekaden der Machtkämpfe, der Fehlplanungen, des teilweise ruinösen Wirtschaftens, nach Irrläufen ohne Ende haben die Berner ein Fundament geschaffen. Die Zeit der konzeptlosen Richtungswechsel scheint passé; im Vordergrund stehen nicht mehr persönliche Interessen, sondern lösungsorientierte Teamplayer. Hinter dem kräftigen Aufschwung stehen verschiedene Persönlichkeiten – eine davon ist zweifelsohne Christoph Spycher. Der im Herbst 2016 engagierte Sportchef schuf im Umfeld der Mannschaft Rahmenbedingungen und eine geordnete Strategie, womit er die schon länger vorhandenen Energieströme kanalisierte.

Hütters Zahlen und Einfluss

Und an der Seitenlinie setzt einer die Vorgaben und Möglichkeiten um wie keiner seiner 21 Vor­gänger: Adi Hütter, der geerdete ­Österreicher, der im September 2015 kam und nach zwei zweiten Plätzen eine Equipe formte, die Basels achtjährige Regentschaft in diesem Frühling beenden dürfte. Seine Zahlen in Bern sind imposant: In 92 Partien in der heimischen Meisterschaft holte er 191 Punkte, und die Young Boys erzielten dabei 203 Tore.