VORBILDER: Aufstand der Kleinen

Lucien Favre macht es mit den Fussballern aus Nizza vor. Altach steht in Österreich ebenfalls an der Tabellenspitze. Und Bayern München ist noch nicht Wintermeister.

Daniel Good
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Der Fussballclub aus Nizza befindet sich mit Trainer Lucien Favre im Hoch. (Bild: Roland Weihrauch/EPAt)

Der Fussballclub aus Nizza befindet sich mit Trainer Lucien Favre im Hoch. (Bild: Roland Weihrauch/EPAt)

Daniel Good

Das Fussballwunder von Nizza dauert länger. Noch mindestens bis Mitte Januar. Bis zur 20. Runde sind die Südfranzosen in der Ligue 1 nicht mehr vom ersten Platz zu verdrängen. Lucien Favre beweist auch an der Côte d’ Azur, dass er ein Meister seines Fachs ist. Der Club des Schweizer Trainers führt die Tabelle nach 18 Runden vier Punkte vor Monaco an. Erst auf Platz drei folgt das favorisierte Paris St-Germain mit schon sieben Zählern Rückstand.

Dabei war schon der vierte Tabellenplatz Nizzas in der vergangenen Saison unter Trainer Claude Puel eine Überraschung. Puel ging nachher in die Premier League zu Southampton mit dem Vorstandsvorsitzenden Ralph Krueger, dem früheren Schweizer Eishockey-Nationalcoach.

Keine Frage des Geldes

Männiglich fragte sich, was Favre in Nizza als Nachfolger des Erfolgstrainers Puel wolle. Der 59-jährige Romand konnte eigentlich nur verlieren, denn mit Puel verliessen auch viele gute Spieler Nizza wie der 13-fache französische Internationale Hatem Ben Arfa, der zu Paris St-Germain wechselte. Mit Mario Balotelli kam zudem einer mit einem miserablen Ruf, dem fast niemand traute. Auch Favre nicht. Immerhin erhielt der Waadtländer in Nizza einen gut dotierten Dreijahresvertrag mit 200 000 Euro brutto pro Monat. Bloss Unai Emery, der Pariser Trainer aus Spanien, klassiert in der Ligue 1 mehr – mit 420 000 Euro mehr als das Doppelte.

Aber Favre macht es nicht wegen des Geldes. Mit seinem Renommee könnte er in anderen Ländern viel mehr verdienen. Und man kann sich fragen, weshalb Favre nicht schon in dieser Saison bei den Milliardären von Paris St-Germain gelandet ist. Favre spielte als Aktiver sogar während einer Saison in Frankreich. In der Saison 1983/84 erzielte der technisch starke Mittelfeldspieler für Toulouse in 35 Spielen sieben Treffer. Schon acht Tore in acht Partien hat in dieser Saison der viel gescholtene Balotelli erzielt. Unter Favre benimmt sich der Rüpel von einst wie ein Lämmchen. Der Trainer Favre bekäme wohl auch die verwöhnten Stars von Paris St-German in den Griff.

Die Stars aus dem kleinen Dorf

Favre kommt wie Tennisstar Stan Wawrinka aus dem Dörfchen Saint-Barthélemy, 15 Kilometer nördlich von Lausanne. Sie sind die beiden einzigen Westschweizer in der Welt des Sports mit internationaler Ausstrahlung. Im kleinen Vorarlberger Dörfchen ­Altach kickt aber einer aus dem Waadtland, der es ebenfalls einmal weit bringen könnte. Dimitri Oberlin erhielt den ersten Teil seiner Ausbildung zum Fussballer bei Lausanne-Sport. Heute ist der 19-Jährige mit neun Treffern der erfolgreichste Torschütze des Überraschungsleaders in Österreich. Am Wochenende im Spitzenspiel gegen Rekordmeister rapid Wien bereitete Oberlin mit einem feinen Trick das 2:0 vor. Altach gewann schliesslich 3:1 und ist wie Nizza Wintermeister.

Meister werden im nächsten Jahr wohl weder Nizza noch Altach. Die Konkurrenz ist mit viel mehr Geld ausgestattet. Aber der Aufstand der Kleinen gibt all jenen Mut, die nicht für einen Weltklasseverein wie Bayern München spielen. Selbst die Bayern müssen in dieser Saison vor einem Aufsteiger auf der Hut sein. Wintermeister sind die Münchner noch nicht. Morgen steht für den Leader der Bundesliga das Heimspiel gegen den punktgleichen Neuling aus Leipzig auf dem Programm. Leipzig war während dreier Runden in der Tabelle sogar vor dem Rekordmeister klassiert. Auf Platz drei in Deutschland steht vor dem letzten Spieltag in diesem Jahr nicht etwa Dortmund oder Leverkusen, die in der Champions League in den Achtelfinals spielen, sondern mit Hoffenheim ebenfalls ein Aussenseiter.