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Vor dem Match gegen Thun: Der FCSG entwickelt sich zur Talentschmiede für Verteidiger

Mit Leonidas Stergiou dürfte der nächste Innenverteidiger aus dem Future Champs Ostschweiz den Durchbruch schaffen. Stürmer und Mittelfeldspieler aus dem eigenen Nachwuchs fehlen im Stamm der ersten Mannschaft. Ist das Zufall?
Christian Brägger
Leonidas Stergiou ist der nächste Innenverteidiger des FCSG, der aus den eigenen Reihen kommt. (Bild: Michel Canonica)

Leonidas Stergiou ist der nächste Innenverteidiger des FCSG, der aus den eigenen Reihen kommt. (Bild: Michel Canonica)

Roy Gelmi, Silvan Hefti, Jasper van der Werff. Und nun Leonidas Stergiou. 2011 rief der FC St.Gallen unter Präsident Dölf Früh das Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz (FCO) ins Leben. Seither kamen 17 Talente zu mindestens einem Pflichtspiel mit der ersten Mannschaft.

Auf direktem Weg etablierten sich die genannten vier jungen Spieler, die vor allem eines eint: Die Position des Innenverteidigers. Standen sie am Matchtag einmal im Kader, wurden sie ohne langes Zuwarten eingesetzt. Aussenverteidiger Nicolas Lüchinger reüssierte nach der Schlaufe über die Challenge League und Sion. Peter Zeidler, Trainer des FC St.Gallen, sagt dazu:

«Es ist wohl kein Zufall, dass bei uns eigene junge Verteidiger erfolgreich sind. Ich beobachte dieses Phänomen auch bei anderen Vereinen.»

Martin Stocklasa hat die Jungen im Nachwuchsprojekt lange begleitet, er war nach der Zeit als Aktiver zuerst für die Regionen zuständig, danach arbeitete er als Talentmanager. Schliesslich musste der 39-jährige Liechtensteiner Ende 2016 unter nebulösen Umständen den Club verlassen. Heute ist für ihn jene Sache abgeschlossen, nicht aber das Beobachten seiner ehemaligen Junioren. Er sagt: «Für die Trainer ist es grundsätzlich einfacher, in der Defensive einen Jungen einzubauen. In der Offensive wird mehr verlangt.»

«Ein Coach bringt dich hinten nicht einfach mal so»

Die Konstellation ist günstig für einen Stergiou, weil im defensiven Zentrum noch ein zweiter Akteur steht, idealerweise ein Routinier. Derzeit nimmt in St.Gallen Hefti diese Rolle ein, der mit 21 Jahren 106 Super-League-Einsätze in den Beinen hat. Der Goldacher ist die zweite Frucht von FCO nach Gelmi, der als Prototyp gilt und nun für Thun spielt, dem Gegner von Samstagabend.

Gelmi sagt, ein Trainer brauche Mut, in der Defensive einen Jungen ins kalte Wasser zu werfen.

«Ein Coach bringt dich hinten nicht einfach mal so. Man muss sofort viel Verantwortung tragen. Der Druck ist gross.»

Zu Beginn werden junge Verteidiger nicht allzu streng bewertet, sie müssen, salopp formuliert, einfach Stabilität ausstrahlen. Die Position bringt mit sich, dass dort seltener ein- respektive ausgewechselt wird.

Roy Gelmi spielt jetzt für Thun, den Gegner des FCSG. (Bild: Urs Lindt)

Roy Gelmi spielt jetzt für Thun, den Gegner des FCSG. (Bild: Urs Lindt)

Sucht der Coach in der Defensive Beständigkeit und Solidität, ist es in der Offensive das Überraschende, das Kreative. Hier entsteht schnell eine Erwartungshaltung. Zeidler spricht von harten Fakten, von Toren und Assists, die zählen. Vielleicht bräuchten Stürmer deshalb länger, um durchzustarten, sagt Hefti.

Im Sturm muss man ein Killer sein

«Im Sturm brauchst du die Nase, du musst ein Killer sein, die Auswärtigen sind da wohl noch stärker», sagt Christian Maier. Er arbeitet mit Unterbrüchen seit acht Jahren für FCO und ist heute der technische Leiter. Der Ausbildner weilt im Gründenmoos an einem Selektionstraining für den jüngsten FCO-Jahrgang, als er sagt: «Ein Stürmer muss von Anfang an viel mehr Aufwand betreiben, er muss handlungsschnell und kreativ sein, physisch den Wünschen des Trainers entsprechen, Laufwege erkennen, sich im Eins gegen Eins behaupten.»

Silvan Hefti: Wohin führt seine Karriere? (Bild: Pascal Müller)

Silvan Hefti: Wohin führt seine Karriere? (Bild: Pascal Müller)

Erst in einer zweiten Phase wird der Druck auch auf den Defensivspieler grösser, dann muss er mehr liefern, auch bei Stergiou werden die Details erst kommen. Gelmi sagt: «Man gibt dir maximal eine Saison Zeit. Dann ist von allen Seiten der Bonus weg, und du musst zeigen, dass du ein Super-League-Spieler bist.» Hefti, der Captain des FC St.Gallen, ist ein Stadium weiter: Es geht darum, sich für den nächsten Schritt zu empfehlen, das Ausland oder einen Schweizer Topclub.

In der Super League geht es rasch ums Überleben, um Abstiegskampf und Punkte. Ein Verein wie St.Gallen setzt seine beschränkten Mittel deshalb eher für einen auswärtigen Stürmer wie Simone Rapp ein, der Tore garantiert. Zeit gibt es nicht. Der junge Stürmer Angelo Campos, dem Stocklasa «super Qualitäten» attestiert, muss da vorerst noch warten. Bestes Beispiel, wie schwierig es ist, sich in der Offensive trotz Vorschusslorbeeren zu etablieren, ist Boris Babic. Der 21-Jährige erhielt immer wieder Chancen, wurde dann aber nach Vaduz ausgeliehen. Weil es nicht reichte.

Die Ausbildung der Stürmer ist schwieriger

Maier sagt, es existiere oft die Meinung, ein Angreifer müsste dies oder jenes können. «Es gibt nun einmal schnelle Konterspieler oder Stossstürmer. Doch dann presst man sie in die Grundphilosophie des Clubs und damit in ein Schema – und beraubt sie ihrer Stärken, weil sie Pressingspieler werden müssen.» Stocklasa findet es problematisch, dass eine Uniformierung der Stürmer stattfinde.

«Ein Coach muss sich auf unbequeme, eigenwillige Köpfe einlassen wollen, das ist mit viel Zeitaufwand und Arbeit verbunden.»

Tatsächlich sind Typen wie ein Alberto Regazzoni, der sich in St.Gallen zwischen Himmel und Hölle bewegte, nicht mehr gefragt. Dabei machen oft diese Kreativen den Unterschied aus.

Natürlich waren die Innenverteidiger beim FC St.Gallen auch besonders talentiert. Stergiou wurden bei seiner FCO-Aufnahme im Alter von 13 Jahren bereits hervorragende Charaktereigenschaften sowie spielerische Überdurchschnittlichkeit attestiert. Heute hat er schweizweit in seinem Alter die besten Werte was Schnelligkeit, Ausdauer, Sprungkraft und Beweglichkeit betrifft.

Weil der U17-Nationalspieler so jung ist, hat der Schweizer Fussballverband SFV den 16-Jährigen noch nicht zu einem seiner 22 Footuro-Spieler erklärt; zu ihnen gehört von FCO Fabio Solimando, er ist ein Stürmer. Solche Talente gelten als besser als der Rest, sie werden besonders gefördert, die Zusammenarbeit zwischen Club und SFV ist intensiv. Mit dem Ziel, den nächsten A-Nationalspieler zu haben. Maier sagt: «Ich gehe davon aus, dass Leonidas der nächste auf dieser Footuro-Liste ist.»

Wo ist die Lücke in der ersten Mannschaft?

Oft wird für die erste Mannschaft auch passend gemacht, was noch nicht passt. Die Jungen werden hinsichtlich ihres Könnens beurteilt, man vergleicht ihre Spielerprofile und prüft, auf welcher Position mit welcher Wahrscheinlichkeit sich auf höchster Stufe eine Lücke ergibt. Lüchinger wurde deshalb einst vom zentralen Mittelfeld für die rechte Verteidigungsposition umgeformt. Gelmi war von der Postur her schon immer ein Innenverteidiger. Hefti war ganz ursprünglich ein zentraler Mittelfeldspieler, «aber wir sahen, dass er eine Reihe weiter hinten agieren sollte, um es in die erste Mannschaft zu schaffen», sagt Maier.

Jasper van der Werff hat es von FCO über St.Gallen bis nach Salzburg geschafft. (Bild: PD)

Jasper van der Werff hat es von FCO über St.Gallen bis nach Salzburg geschafft. (Bild: PD)

In jungen Jahren kam Alessandro Kräuchi ebenfalls im zentralen Mittelfeld zum Einsatz, dann erkannte man in FCO, dass es für ihn eher auf dem Flügel reichen würde. Van der Werff war laut Maier einfach ein sehr intelligenter Fussballer, der genau wusste, was er machen musste. Aber ausgebildet wurde er zu Beginn als Sechser.

Es geht darum, den FCSG zu finanzieren

Die Verkäufe von van der Werff nach Salzburg und Gelmi generierten etwa zwei Millionen Franken Transfererlös. Letztlich geht es um die Finanzierung des FC St.Gallen, und von FCO, das heute mit 3,5 Millionen Franken budgetiert. Es könnte also durchaus ein Geschäftsmodell sein, Verteidiger herauszubringen.

Alain Sutter sagte jüngst, FCO sei vor allem ein soziales Projekt, am Ende würden die Jungen für die 1. und 2. Liga ausgebildet. Wobei der Sportchef natürlich nicht Nein sagt, wenn Geld fliesst. So hätten die Ostschweizer auch nichts dagegen, Stürmer auszubilden. Sie sind, wie in St.Gallen, ein rares Gut. Und liefern höhere Transfererträge.

Thun fordert St.Gallen heraus

Mit dem 3:1-Sieg gegen Zürich und dem 1:1 in Basel hat der FC St.Gallen seine Rückrunde ausgezeichnet lanciert. Ähnlich gut startete der FC Thun, der am Samstag ab 19 Uhr im Kybunpark gastiert. Gegen St.Gallen müssen die Thuner auf Teamstütze Dennis Hediger verzichten, der sich beim 1:1 gegen die Young Boys das Kreuzband riss.

St.Gallens Trainer Peter Zeidler warnt vor einem starken Gegner, der mental und taktisch bereit sei. Bei den Ostschweizern sind Tranquillo Barnetta und Leonidas Stergiou wegen muskulärer Probleme fraglich, Axel Bakayoko aufgrund eines Infekts. Bis am Freitagnachmittag waren 9500 Tickets verkauft.

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