Vor dem Ligafinal in St. Gallen:
So funktioniert Cricket

Am Sonntagnachmittag trifft der St. Gallen Cricket Club im Schweizer Ligafinal im heimischen Gründenmoos auf Olten. Der britische Nationalsport kann bis ins
13. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Hierzulande hat die Sportart durchaus Zukunft.

Tim Frei
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Ein Schlagmann vom St. Gallen Cricket Club verteidigt das Wicket aus Holz, indem er den Ball wegschlägt (hinter ihm der Wicket-Keeper). (Bild: Urs Bucher)

Ein Schlagmann vom St. Gallen Cricket Club verteidigt das Wicket aus Holz, indem er den Ball wegschlägt (hinter ihm der Wicket-Keeper). (Bild: Urs Bucher)

Für unbekanntere Sportarten interessiert man sich für gewöhnlich nicht gross. Meistens, weil man die Regeln nicht kennt. Ein gutes Beispiel dafür ist Cricket. Dabei ist der britische Nationalsport eigentlich gar nicht so kompliziert, wie viele meinen.

Beim Cricket treten jeweils zwei Mannschaften mit je elf Spielern gegeneinander an. Dabei wechseln sie sich als Feld- und Schlagteam ab. Zuerst wirft eine Equipe eine Runde lang den Ball in Richtung des gegnerischen Schlagmanns. Anschliessend werden die Rollen getauscht. Der Ballwurf findet in der Spielmitte, der Pitch, statt. An beiden Enden der rund 20 Meter langen und 3 Meter breiten Pitch steht je eine Holzkonstruktion, das sogenannte Wicket.

Schlagmann verteidigt Wicket

Ziel des Werfers ist es, das Wicket zu treffen. Der Schlagmann dagegen muss gerade dies verhindern, indem er das Wicket mit einem Schläger aus Holz verteidigt. Gelingt ihm dies nicht, scheidet er aus. Ist dies bei allen elf Schlagmännern eingetroffen, ist die Runde vorzeitig beendet. Zum Schutz trägt der Schlagmann eine spezielle Ausrüstung. Die Rundenanzahl und -dauer ist abhängig vom Cricket-Format
(siehe Zweittext).

Nur zwei Spieler des Schlagteams sind gleichzeitig auf dem Feld, beim Feldteam sind es dagegen alle elf. Ziel des Schlagmanns ist es, bis zum Ausscheiden so viele Punkte wie möglich zu erzielen. Schliesslich gewinnt jenes Team, das in seiner Schlagrunde mehr Punkte erzielt hat.

Der harte Cricketball aus Leder wiegt zwischen 155 und 165 Gramm und hat einen Umfang von rund 22 cm. Profis können ihn bis auf 150 Kilometer pro Stunde beschleunigen. (Bild: Ralph Ribi)
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Bei solchen Geschwindigkeiten ist bei den Schlagmännern und Wicket-Keepern eine Schutzausrüstung zwingend nötig. Die Beine werden mit Schonern geschützt, die jenen der Eishockey-Goalies ähneln. (Bild: Tim Frei)
Der Schläger aus Holz wiegt zwischen 1,1 und 1,4 Kilogramm und ist fast einen Meter lang. Er dient nicht nur dazu, den Ball weit zu schlagen, sondern mit ihm kann sich der Schlagmann auch «verteidigen». (Bild: Tim Frei)
Die Hände des Schlagmanns werden mit gepolsterten Handschuhen geschützt. (Bild: Tim Frei)
Ein Helm mit Gitter schützt das Gesicht. (Bild: Tim Frei)
Wie im Eishockey gibt es auch im Cricket einen Tiefschutz. Man(n) ist froh, einen zu tragen, wenn der Ball die empfindlichste Körperstelle trifft. (Bild: Tim Frei)
Die Mannschaft des St. Gallen Cricket Club. (Bild: PD)

Der harte Cricketball aus Leder wiegt zwischen 155 und 165 Gramm und hat einen Umfang von rund 22 cm. Profis können ihn bis auf 150 Kilometer pro Stunde beschleunigen. (Bild: Ralph Ribi)

Ein bis sechs Punkte pro Schlag möglich

Punkte werden auf drei Arten erzielt: Sechs und damit am meisten Punkte gibt es, wenn der Cricket-Ball wie beim Baseball über die Spielfeldgrenze geschlagen wird – ohne von der gegnerischen Mannschaft in der Luft gefangen zu werden und ohne auf den Boden gefallen zu sein. Das Spielfeld hat einen Durchmesser von rund 137 bis 150 Metern. Berührt der Ball die Spielfeldgrenze, gibt es vier Punkte.

Ein Zähler wird beim erfolgreichen Seitenwechsel der Schlagmänner notiert: Sobald der Ball weggeschlagen wird, rennen die beiden Schlagmänner auf der Pitch in die entgegengesetzte Richtung. Ziel ist es, dass beide die Schlaglinie vor dem Wicket berühren. Gelingt dies, bevor die gegnerische Mannschaft das Wicket trifft, gibt es einen Punkt. Andernfalls ist der Schlagmann draussen.


Videos zur Cricket-Einführung

Auf der Homepage des internationalen Cricketverbandes erklären Videos die Sportart auf einfache Art und Weise.


Auch wenn ein Spieler der Feldmannschaft den Ball direkt aus der Luft fängt, ist der Schlagmann draussen. Gleiches gilt, wenn der Schlagmann einen Ball, der das Wicket getroffen hätte, mit dem Fuss abwehrt.

Die zwei Formate «Test-Cricket» und «limited over»

Im Cricket gibt es grundsätzlich zwei Formate: «Test-Cricket» und «limited over». Sie unterscheiden sich in der Runden- und Over-Anzahl sowie der Spieldauer. Ein Over entspricht sechs Würfen. Test-Cricket findet an fünf Tagen hintereinander statt, das andere Format dauert mehrere Stunden. Beim Test-Cricket gibt es je zwei Wurfrunden pro Team, beim «limited over» eine. Beim Test-Cricket ist die Over-Anzahl unbeschränkt, beim anderen Format nicht. Im Schweizer Final spielen beide Teams 40 Overs. Es darf also 240-mal geworfen werden – ausser alle Schlagmänner sind vorher ausgeschieden. Nicht ein Athlet alleine darf alle 40 Overs werfen, sondern mindestens fünf Mitspieler müssen beteiligt sein. Der Werfer kommt also maximal auf acht Overs. Er darf nie zwei Overs hintereinander spielen. (tm)

Der Final findet am 7. Oktober von 11 bis 17 Uhr beim Stadion Gründenmoos
in St. Gallen statt.