Von wegen geschenkte Qualifikation

Die Schweiz ist am Ziel. Sie fährt zum viertenmal an eine EM-Endrunde. Nichts anderes war von allen Seiten nach der Vergrösserung des Teilnehmerfelds erwartet worden. Frankreich empfängt 24 der 54 Uefa-Verbände – an der EM 2012 waren es lediglich 16 Nationen.

Christian Brägger
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Die Schweiz ist am Ziel. Sie fährt zum viertenmal an eine EM-Endrunde. Nichts anderes war von allen Seiten nach der Vergrösserung des Teilnehmerfelds erwartet worden. Frankreich empfängt 24 der 54 Uefa-Verbände – an der EM 2012 waren es lediglich 16 Nationen. Die Schweizer mit ihrem gewachsenen Selbstverständnis, das manchmal an Selbstüberschätzung grenzt, müssten einfach dabei sein, so glaubte man.

Für ein kleines Land mit knapp acht Millionen Einwohnern und rund 300 000 lizenzierten Fussballern wird aber keine Qualifikation zur Selbstverständlichkeit. Sogar in einer Gruppe mit England, Slowenien, Litauen, San Marino und Estland nicht. Das bekam auch der neue Trainer Vladimir Petkovic zu spüren, besonders als er mit dem Schweizer Team einen klassischen Fehlstart hinlegte. Wie der 52jährige Tessiner trotz Gegenwind und Kritik an Spielern sowie System festhielt und den Turnaround schaffte, zeugt von Qualität, auch wenn diese auf dem Spielfeld nicht immer ersichtlich war. Und sie macht durchaus Mut für die Zukunft.

Weil beinahe 50 Prozent aller europäischen Verbände in Frankreich vertreten sein werden, war von Verwässerung der Qualifikation und des EM-Turniers die Rede, von Selbstläufern, von fehlendem Wettbewerb. Doch dem ist nicht so. Weltmeister Deutschland wird bis zur letzten Partie kämpfen müssen, mindestens Zweiter der Gruppe zu werden und sich damit direkt zu qualifizieren. Holland schafft es bestenfalls als Gruppendritter in die Barrage. Griechenland, Europameister 2004, ist Gruppenletzter. Der vierfache Weltmeister Italien ist zwei Runden vor Schluss nicht definitiv dabei. Das zeigt: Kleine Nationen haben aufgeholt, auch gegenüber der Schweiz. Es gibt für kein Land, und sei es noch so arriviert, eine geschenkte EM-Qualifikation.

christian.braegger@tagblatt.ch