Von Glück und totaler Enttäuschung

Dass Bayern München das Champions-League-Spiel in Basel spät doch noch 2:1 gewann, war für den jungen Xherdan Shaqiri einfach nur «Glück». Für den routinierten Benjamin Huggel hingegen die Bestätigung seines Wissens.

Hansjörg Schifferli
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Fussball. Ältere und routiniertere Schweizer Fussballer wissen natürlich, was ihnen blüht, wenn sie gegen Deutsche spielen, vor allem gegen Bayern München. Auf jeden Fall wissen es welche wie Alex Frei, Marco Streller oder Benjamin Huggel, die selbst in der Bundesliga spielten: Dass man ein Spiel sehr wohl in letzter Minute noch verlieren kann, auch wenn man es eigentlich nicht verdient hätte – wie der FC Basel diesmal in der Champions League nach einer starken Leistung gegen Bayern München.

Spielende erst bei Abpfiff

Ein erfahrener Spieler wie der 33jährige Huggel formuliert das so: «Wenn man gegen die Bayern spielt, muss man wissen, dass das Spiel erst dann fertig ist, wenn der Schiedsrichter abgepfiffen hat.» Und nicht dann, wenn so gut wie alle im Stadion denken, es bleibe nun auch in den letzten zwei, drei Minuten bei diesem 1:1, das der FC Basel in der Tat «verdient» hätte.

Ein Fussballer wie der erst 19jährige Xherdan Shaqiri, der erst am Anfang seiner Karriere steht und erstmals mit einem bedeutenden Gegentor der Deutschen in fast letzter Minute konfrontiert wurde, analysiert da anders und sagt, «keine Cleverness, keine Erfahrung, nur Glück» sei dieses 2:1 der Bayern gewesen. Shaqiris Perspektive ist begreiflich und für den Tag vielleicht gar gültig, aber auch er dürfte im Laufe seiner Karriere zu andern Einsichten kommen und dereinst reden wie heute Huggel.

Der andere Blickwinkel

Spätestens seit Dienstag teilt Thorsten Fink nicht nur die «deutsche» Ansicht Huggels, sondern hat er auch Verständnis für jene Shaqiris. Denn erstmals stand der ehemalige Bayern-Spieler Fink als Basel-Trainer auf der andern Seite. Deshalb war er «total enttäuscht» über diese Niederlage, sein Team hätte doch – da war's wieder – einen Punkt «verdient».

An Fink rühmen sie in Basel nicht zuletzt seine Winnermentalität oder eben das «Bayern-Gen». Selbst das half ihm diesmal nicht, gewiss auch deshalb, weil der FC Bayern selbst in mittelprächtiger Verfassung immer noch eine Mannschaft gehobener internationaler Klasse war, vor allem mental.