Von einer Pleite in die nächste

Nach dem Reifendebakel in Silverstone sieht sich die Formel 1 mit der nächsten Pleite konfrontiert. Der 60. Grosse Preis von Deutschland wird nach der Insolvenz der Nürburgring GmbH nur dank Bernie Ecclestones Gnaden ausgetragen.

Peter Lattmann/Nürburg
Merken
Drucken
Teilen
Der Nürburgring in der Luftaufnahme: Trotz des Konkurses der Betreibergesellschaft macht die Formel 1 hier halt und trägt morgen den Grossen Preis von Deutschland aus. (Bild: ap/Torsten Silz)

Der Nürburgring in der Luftaufnahme: Trotz des Konkurses der Betreibergesellschaft macht die Formel 1 hier halt und trägt morgen den Grossen Preis von Deutschland aus. (Bild: ap/Torsten Silz)

AUTOMOBIL. Der Grosse Preis von Grossbritannien stand am vergangenen Sonntag wegen der beängstigenden Häufung von Reifenschäden vor dem Abbruch. Auch der morgige GP von Deutschland auf dem Nürburgring stand kurz vor der Absage. Dies wurde aber im letzten Moment von Bernie Ecclestone verhindert. Der durch die bedenkliche Entwicklung der Formel 1 unter Druck geratene Geschäftsführer der automobilen Königsklasse hat dem Veranstalter die sonst üblichen hohen Antrittsgebühren für einmal erlassen und trägt auch das finanzielle Risiko der Veranstaltung.

Die wegen ihrer wahnwitzigen Prestigebauten mit über 400 Millionen Euro verschuldete Nürburgring GmbH ist wie die Betreibergesellschaft im Sommer 2012 Konkurs gegangen. Die moderne Formel-1-Rennstrecke steht mit der berühmten Nordschleife, den Freizeitanlagen und den Hotels zum Verkauf. Da die Verbindlichkeiten bei den insolventen Ringgesellschaften bleiben, steht einem Neuanfang aber nichts im Wege, wenn sich Investoren finden lassen.

Teams kommen in Bredouille

Auf einen Neuanfang hoffen auch sieben der elf aktuellen Formel-1-Teams. Mit Ausnahme von Ferrari, Mercedes, Red Bull Racing und dessen Tochterunternehmen Toro Rosso stehen alle WM-Teilnehmer mit dem Rücken zur Wand. Das mutlose Zögern des internationalen Automobilverbandes (FIA) beim Inkraftsetzen einer letztlich unumgänglichen Budgetlimitierung mit Kostenkontrolle, die Einführung eines neuen Motorenreglements für 2014, das Wettrüsten der grossen Drei und die angespannte Wirtschaftslage rund um den Globus hat vielerorts zu einem finanziellen Notstand und teils sogar an den Rand des Ruins geführt. Um den Karren aus dem Dreck ziehen zu können, braucht es mehr als Hauruckaktionen.

In einer Beziehung war sofortiges Handeln unumgänglich. Um die in Silverstone aufgetretenen Probleme zu verhindern, bringt Pirelli mit Absegnung des Verbandes und der Teams neue Hinterreifen auf den Nürburgring. Am Gürtel dieser Reifen wird anstelle von Stahl wie bisher neu Kevlar eingesetzt.

Nachholbedarf bei Vettel

Für Sebastian Vettel, einer der heftigsten Kritiker der zuletzt verwendeten Reifen, wäre der Wechsel schon längst fällig gewesen. Das Rennen auf dem Nürburgring ist für den Titelverteidiger, der am Mittwoch den 26. Geburtstag gefeiert hat, auch aus einem anderen Grund von besonderer Bedeutung. Vettel kommt zwar als WM-Leader in die Eifel, hat aber durch den Getriebedefekt am vergangenen Sonntag viel von seinem Vorsprung eingebüsst und wartet in der Formel 1 noch immer auf den ersten Sieg in Deutschland.